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Interview

Wie war der Dreh mit Jim Jarmusch, Indya Moore?

Im neuen Kinofilm "Father Mother Sister Brother" von Jim Jarmusch spielt trans Schauspieler*in Indya Moore eine Episoden-Hauptrolle. Wir sprachen mit dem "Pose"-Star über die Zusammenarbeit, familiäre Beziehungen und Emotionen am Set.


Indya Moore als Skye in "Father Mother Sister Brother" (Bild: IMAGO / Landmark Media)

Seit ihrer Rolle in der wegweisenden Serie "Pose" gehört Indya Moore – nichtbinär, aber auch die weiblichen Pronomen verwendend – zu den bekanntesten trans Schauspieler*innen der Welt. 2019 war die New Yorker*in, die auch in Filmen wie "Queen & Slim", "Escape Room 2: No Way Out" oder "Aquaman: Lost Kingdom" zu sehen war, als erste trans Person auf dem Cover des US-Magazins Elle zu sehen, 2025 zeichnete die deutsche GQ sie als "Woman of the Year" aus.

Nun spielt Moore eine Episoden-Hauptrolle im Kinofilm "Father Mother Sister Brother", für den Regisseur Jim Jarmusch beim Filmfestival in Venedig den Goldenen Löwen erhielt (Filmkritik von Jojo Streb). Wir konnten ihr aus diesem Anlass am Telefon drei Fragen stellen.

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Poster zum Film: "Father Mother Sister Brother" läuft seit 26. Februar 2026 bundesweit im Kino

Indya, in "Father Mother Sister Brother" spielen von Adam Driver über Tom Waits bis Cate Blanchett viele langjährige Wegbegleiter*­innen von Jim Jarmusch mit. Wie stießen Sie zu diesem Ensemble?

Tatsächlich kannten Jim und ich uns auch schon. Vor ein paar Jahren drehten wir zusammen für die Marke Yves Saint Laurent einen wundervollen Mode-Kurzfilm namens "French Water", in dem auch Julianne Moore, Charlotte Gainsbourg und Chloë Sevigny mitspielten. Nun schrieb er mir einfach eine Email und erzählte, dass er bei der Figur der Skye an mich gedacht habe. Ich fühlte mich natürlich sehr geehrt und musste nicht lange nachdenken, bevor ich ihm zugesagt habe. Zumal mich die Episode des Films, in der ich nun mitspiele, mit ihrem Fokus auf eine Geschwister- bzw. Zwillings-Beziehung und vor allem das Thema Trauer besonders berührt hat.

Die drei Geschichten des Films haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun…

Stimmt, alle drei Episoden stehen für sich und gehören, was die Handlung angeht, nicht zwingend zusammen. Aber thematisch habe ich da viele Bezüge erkannt. In den ersten beiden Geschichten geht es um Geschwister und ihre alles andere als unkomplizierten Verhältnisse zu jeweils einem Elternteil. In der dritten Episode dann haben Luka Sabbat als mein Bruder und ich unsere Eltern verloren. Die beiden können sich nicht mehr mit ihrem Vater und ihrer Mutter auseinandersetzen, sondern haben nur noch einander – und das wirft nochmal ein ganz neues Licht auf die beiden Geschichten, die man vorher gesehen hat.

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Hatten Sie die Möglichkeit, Ihre Figur ein wenig mitzugestalten? Oder hat Jarmusch als Regisseur dafür zu klare Vorstellungen?

Natürlich weiß Jim genau, was er will. Er schreibt seine Drehbücher ja selbst und denkt sich etwas, bei den Figuren, die er schreibt. Aber als Schauspieler*in gestaltet man eine Figur immer mit. Ich bin es schließlich, die Skye zum Leben erweckt hat. Und mitunter kann sich das, was ich mache, auch mal reiben mit dem, was der Regisseur im Sinn hat. Gerade weil ich jemand bin, der sehr somatisch an die Arbeit heran geht, mehr aus dem Bauch heraus als vom Kopf her. In diesem Fall zum Beispiel gab es eine Szene, in der die Geschwister das Schlafzimmer ihrer verstorbenen Eltern ausräumen, die mir emotional durch Mark und Bein ging. Da wurde ich übermannt von Trauer und anderen Gefühlen.

Jim war das zu düster; er wollte nicht, dass die Zuschauenden alle nur noch heulen. Meine Emotionalität in diesem Moment war aber keine bewusste Schauspielentscheidung, sondern eine unwillkürliche Reaktion auf das, was meine Figur da gerade erlebt. Jim hat sich das ausgedacht und entsprechend ein Empfinden für diese Situation. Doch er ist eben keine Frau, keine Schwester, keine Tochter, anders als ich. Zum Glück hat er als Regisseur viel Vertrauen darin, dass die Menschen, denen er diese Rollen gegeben hat, sie gut genug verstehen, um zu wissen, was sie tun.

Infos zum Film

Father Mother Sister Brother. Spielfilm. USA, Irland, Frankreich 2025. Regie: Jim Jarmusch. Cast: Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik, Charlotte Rampling, Cate Blanchett, Vicky Krieps, Sarah Greene, Indya Moore, Luka Sabbat, Françoise Lebrun. Laufzeit: 110 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih: Weltkino. Kinostart: 26. Februar 2026
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