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Serientipp

Spionage-Thriller mit queeren Elementen – und Elton John

Im Mittelpunkt der US-Serie "Ponies" stehen die Ehefrauen zweier CIA-Agenten in Moskau, deren Männer unter ungeklärten Umständen ums Leben kommen. Kurzerhand heuern sie selbst beim Geheimdienst an. Der junge Elton John spielt eine kleine, aber entscheidende Rolle.


Alistair Mumford als Elton John in "Ponies" (Bild: Peacock)

Spion*innen, Auftragskiller*innen und intrigierende Geheimdienste soweit das Auge reicht. Das Genre des Spionage-Thrillers boomt seit geraumer Zeit mal wieder vor allem in Serienform, und die Vielfalt ist dabei enorm, von "The Night Agent" bis "Slow Horses", von "Black Doves" und "The Day of the Jackal" bis hin zu "The Agency" oder "The Night Manager". Oft stehen Hochspannung, Hightech-Schnickschnack und bierernste Männer im Vordergrund. Doch Ausnahmen bestätigen bekanntlich jede Regel, und für die US-Serie "Ponies", die seit kurzem beim Streamingdienst Wow zu sehen ist, gilt das ganz besonders. Denn weder spielt sie im Hier und Jetzt noch liegt der Fokus auf den Kerlen.

"Ponies", verantwortet von der Spionage-erfahrenen Susanna Fogel ("Bad Spies" mit Kate McKinnon) und David Iserson (der schon an "New Girl" beteiligt war), spielt im Moskau des Jahres 1977. Bea (Emilia Clarke) und Twila (Haley Lu Richardson) sind beide als Ehefrauen mit in die UdSSR gekommen; ihre Ehemänner arbeiten offiziell als Angestellte der dortigen US-Botschaft, sind aber eigentlich als Agenten für die CIA tätig. Als die beiden dann unter ungeklärten Umständen bei einem Einsatz ums Leben kommen, soll es für ihre Gattinnen zurück in die Heimat gehen. Weil dort allerdings nicht viel auf sie wartet und es vor allem herauszufinden gilt, was hinter dem Tod der Männer steckt, bleiben die beiden Frauen stattdessen in der sowjetischen Hauptstadt und heuern selbst beim Geheimdienst an.

Glaubwürdigkeit und Realismus nicht das oberste Gebot

Schon die Prämisse der Serie lässt es erahnen: Glaubwürdigkeit und Realismus sind hier nicht das oberste Gebot. Die beiden Protagonistinnen sind einerseits höchst unterschiedlich: Bea ist der Typ oberkorrekte Streberin, für die Lockerheit ein Fremdwort ist, während Twila eher eine desillusionierte Chaotin ist, die nichts zu verlieren hat. Wer von beiden die Aufgabe bekommt, mit dem vom deutschen Schauspieler Artjom Gilz gespielten, fiesen KGB-Strippenzieher anzubandeln, lässt sich leicht erahnen! Andererseits ist ihnen aber doch gemein, dass sie beide zwar gänzlich unqualifiziert sind für ihren neuen Job, sich dabei dann allerdings unerwartet patent und effektiv anstellen.

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Irgendwo zwischen "The Americans", "Kleo" und "The Recruit" (samt Buddy-Komödien-Versatzstücken) ist "Ponies" dabei in mancher Hinsicht ein wenig unausgegoren. Die Figuren und Dialoge hätten ein bisschen mehr Feinschliff gebraucht, und die Verwicklungen, in die die beiden Frauen sowohl undercover wie auch amourös geraten, kommen häufig allzu erwartbar daher. Überhaupt: Entweder wäre mehr Spannung oder mehr Humor hilfreich gewesen, und mehr feministische Dringlichkeit sowieso.

Adrian Lester als schwuler Vorgesetzter

Alles in allem hat die Serie mit ihren acht Episoden immerhin genug Tempo, um einen dann doch gerade noch so bei der Stange zu halten, zumal "Game of Thrones"-Star Clarke und die u.a. aus "The White Lotus" bekannte Richardson (gerade auch mit "Good Luck, Have Fun, Don't Die" im Kino zu sehen) sich ihren Rollen mit Hingabe widmen.

Und allerlei queere Elemente haben erfreulicherweise auch ihren Weg in die Geschichte gefunden. Twila etwa erweitert ihren Sinn für Unkonventionelles und Freigeistigkeit auch aufs Schlafzimmer, und ihr Vorgesetzter (Adrian Lester) mag manches Geheimnis haben, aber seine Homosexualität ist keines mehr (was eines von mehreren Plot-Elementen ist, die deutlich zu kurz kommen). Ach, und Elton John spielt in dieser Geschichte auch eine kleine, aber entscheidende Rolle, hier in Gestalt des Schauspielers Alistair Mumford.


Schwuler Chef: Dane Walter (Adrian Lester) und Twila (Haley Lu Richardson) in "Ponies" 8Bild: Peacock)

Was man derweil in "Ponies" nicht erwarten sollte, ist ein befriedigendes Finale. Praktisch alle Handlungsstränge enden mit Cliffhangern, wie man sie so dreist selten erlebt hat. Dass eine zweite Staffel inzwischen bestätigt wurde, ist also wirklich das Mindeste – und vielleicht eine Chance, an einigen Stellen nachzujustieren.

-w-