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Dominik Krause

München: Schwuler Physiker wird neuer Hoffnungsträger

Dominik Krause ist etwas Historisches gelungen: Als erster Kandidat der Grünen geht er in die Stichwahl um das Amt des Münchner Oberbürgermeisters. Bundesweit ist der queere Politiker nur wenig bekannt.


Szene aus dem Wahlkampf: Mit 29,5 Prozent der Stimmen zwingt Grünen-Kandidat Dominik Krause den SPD-Amtsinhaber Dieter Reiter (35,6 Prozent) in die Stichwahl am 22. März (Bild: IMAGO / Wolfgang Maria Weber)
  • 9. März 2026, 04:09h 3 Min.

Diesen Abend wird Dominik Krause wohl so schnell nicht vergessen. Als sich der 35-Jährige von seinen Parteifreunden in München feiern lässt, kennt der Jubel keine Grenzen. Während Krause für die Grünen in der Landeshaupt der Gewinner des Abends ist, rätseln in Deutschland viele Menschen über seine Person. Wer ist der junge Mann, der nun in der Stichwahl SPD-Urgestein Dieter Reiter im Kampf um das Münchner Rathaus herausfordert? Bei den Google-Trends ist er in jedem Fall am Abend weit vorn bei den angesagtesten Suchbegriffen.

Auf den ersten Blick wirkt Dominik Krause eher unauffällig – blonde Haare, schmales Gesicht, breites Lächeln. Bundesweite Aufmerksamkeit hat er vor der Kommunalwahl wohl bisher nur einmal erlangt: Kurz nach seinem Amtsantritt als Zweiter Münchner Bürgermeister 2023 bezeichnete er das Oktoberfest als "weltweit größte offene Drogenszene". Ansonsten hat sich studierte Physiker keinerlei Provokationen erlaubt. Er nennt selbst das Wandern, Klettern und Skifahren in den Alpen als sein großes Hobby.

Tanzkurs mit seinem Verlobten Sebastian

Bei einem Tanzkurs lernte Krause nach eigenen Angaben seinen Verlobten Sebastian Müller kennen – das schwule Paar lebt in Giesing. Im Pfingsturlaub 2024 hatten sich die beiden Männer verlobt (queer.de berichtete). Geboren wurde Krause 1990 in München, er hat zwei Geschwister. Sein politisches Engagement bei den Grünen begründet er mit Erlebnissen während einer Nazi-Demonstration in München. Seit 2014 ist Krause Mitglied des Münchner Stadtrates.

Im Oktober 2023 wurde Krause nach dem Rücktritt von Katrin Habenschaden zum Zweiten Bürgermeister gewählt (queer.de berichtete). Zuvor war der er Fraktionschef von Grünen und Rosa Liste. Auf die Frage, warum ihm die Betonung, er sei der "erste offen schwule Bürgermeister Münchens", wichtig sei, sagte er damals: "Es sollte im Jahr 2023 keine Rolle mehr spielen, welche Sexualität man hat. Leider sind aber viele queere Menschen nach wie vor von Diskriminierung betroffen, auch in München. Solange das so ist, finde ich Sichtbarkeit wichtig."

Krause setzt sich seit Jahren intensiv für queere Rechte ein – so besuchte er vor dem russischen Angriffskrieg mehrfach den CSD in Kyiw, um die LGBTI-Community in der Ukraine zu unterstützen. Seit langem ist er außerdem aktiv im Bündnis "München ist bunt".

Scheut auch keine Konflikte mit seiner eigenen Partei

Kritiker*innen, die meinen, er sei noch zu jung für das Amt des Oberbürgermeisters, tritt Krause selbstbewusst entgegen und verweist gerne auf Hans-Jochen Vogel. Der SPD-Politiker war 34, als er 1960 auf den Chefsessel im Münchner Rathaus gewählt wurde. Als Reiter im vergangenen Jahr nach einer Operation zwei Monate ausfiel, übernahm Krause dessen Amtsgeschäfte – geräuschlos und ohne Pannen.

Dominik Krause scheut auch keine Konflikte mit seinen eigenen Parteifreund*innen – als er sich im August 2024 öffentlich für eine Olympia-Bewerbung von München aussprach, stieß er vielen Grünen vor den Kopf. Zugleich setzte er im Wahlkampf auch auf Unterstützung durch seinen Parteifreund Robert Habeck – auch damit ging Krause in Bayern ein gewisses Risiko ein, denn die CSU macht seit Jahren lautstark gegen Habeck mobil.

Doch der OB-Kandidat der Christsozialen, Clemens Baumgärtner, landet am Sonntag mit 21,3 Prozent der Stimmen nur auf Platz drei. Der Schock in der CSU ist so groß, dass Parteichef und Ministerpräsident Markus Söder am Abend vollkommen abtaucht und sich nicht öffentlich äußert. (cw/dpa)

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