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TV-Tipp

Hetero-Alarm in der Regenbogen­familie

In der TV-Komödie "So haben wir dich nicht erzogen" schockiert die Tochter eines lesbischen Paares ihre queerfeministischen Mütter damit, dass sie nicht nur heiraten will, sondern auch noch einen Mann, in einer Kirche.


Am Mittwoch, den 18. März 2026 um 20:15 Uhr im Ersten und ab heute vorab in der ARD-Mediathek: In der Komödie "So haben wir dich nicht erzogen" sind die lesbischen Mütter Balbina (Brigitte Hobmeier, hinten links) und Inka (Gerti Drassl) nicht begeistert, dass ihre Tochter Hedwig (Alina Schaller, vorne rechts) mit Andreas (Julian Pichler) einen Mann heiraten will (Bild: BR / ORF / Cult Film GmbH / Hubert Mican)

Wie hieß es so schön in Loriots legendärer Kinokomödie "Ödipussi" (1988)? "Männer sind ja wohl das Primitivste, Dümmste und Mieseste, was rumläuft." Das dürfte in etwa die Haltung von Balbina Augustin (Brigitte Hobmeier) umschreiben, die eine Hälfte des Wiener Frauenpaars von "So haben wir dich nicht erzogen". Sie ist gerade damit beschäftigt, eine feministische Version der Bibel zu verfassen. Ihre Partnerin Inka Schaller (Gerti Drassl) bekommt jeweils neue Textstellen zu hören und kommentiert sie mal wohlwollend, mal sarkastisch. Die beiden haben sich offensichtlich ein gutes Leben eingerichtet in einem großen Haus mit Garten, aber schon bald ist klar, dass unter der schönen Oberfläche allerlei Konflikte brodeln.

Die kommen dann auch alle nach und nach zum Vorschein, ausgelöst durch den Besuch ihrer Tochter Hedwig (Alina Schaller), die den beiden endlich, endlich ihren neuen Freund Andreas (Julian Pichler) vorstellen will. Weil sie schon ahnt, dass dies nicht ganz reibungslos über die Bühne gehen wird, hat sie dies bereits eine ganze Weile vor sich hergeschoben. Umso mehr sie bisher nur Beziehungen mit Frauen hatte. Aber Andreas will sie heiraten und möchte dafür unbedingt auch den Segen ihrer lesbischen Mütter.

Bis alles vollends aus dem Ruder läuft

In der Hoffnung, etwas Hilfe beim Abdämpfen des Schocks zu bekommen, hat Hedwig noch ihren Quasi-Vater Edgar (Thomas Mraz) eingeladen, schwul, Pfarrer und mit einem anderen Pfarrer liiert. Er ist ein langjähriger Freund von Inka und posierte damals für die Behörden offiziell als Vater, derweil die beiden Frauen sich mittels Samenspende ihren Kinderwunsch erfüllten. Dennoch kann Balbina ihn eigentlich nicht ausstehen.

Als Hedwig schließlich Andreas präsentiert, bemühen sich alle Beteiligten zunächst redlich, irgendwie Haltung zu bewahren, doch lange geht das nicht gut. Die jungen Leute flüchten ins Nebenzimmer, derweil Edgar versucht zu vermitteln. Dann tauchen überraschend auch noch Andreas' Eltern aus Tirol auf (sogar in Tracht, weil sie zu einem Tiroler Ball in Wien wollen), was die Dinge vollends aus dem Ruder laufen lässt.


Der schwule Quasi-Vater Edgar (Thomas Mraz) versucht zu vermitteln (Bild: BR / ORF / Cult Film GmbH / Carsten Thiele)

Umkehrung der üblichen Konstellation

Das Vorbild der TV-Co-Produktion von ORF und BR ist ziemlich offensichtlich der US-Klassiker "Guess Who's Coming to Dinner" (1967), in dem eine junge weiße Frau aus gutem Hause einen Afro-Amerikaner zum Abendessen bei ihren Eltern bringt, wo dieser um ihre Hand anhält. Das war damals ziemlich gewagt, weil die Ehe zwischen unterschiedlichen Ethnien in Teilen der USA noch kurz zuvor illegal gewesen war – der Film gilt heute als der erste überhaupt, der solche Verbindungen in einem positiven Licht darstellte, gestützt zudem durch die großen Stars Spencer Tracy und Katharine Hepburn in den Rollen der letztlich wohlwollenden Eltern.

"So haben wir dich nicht erzogen" spielt da im Vergleich schon in einer etwas anderen Liga. Aus queerer Perspektive präsentiert er quasi die Umkehrung der traditionell üblichen Konstellation: Der junge Schwule bringt seinen Freund, die junge Lesbe ihre Freundin zu den hetero Eltern nach Hause, in der Hoffnung auf deren Segen für das Coming-out und die Beziehung.

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Heteros easy, Queers schwierig?

Damit Hedwigs "Coming-out" ihre Mütter vor eine vergleichbar große innere Herausforderung stellt, müssen deren Sonderbarkeiten in einem Maß betont werden, dass es die Glaubwürdigkeit gelegentlich etwas strapaziert. Aber klar, bei einer Komödie liegt sowas schon drin. Dass es allerdings letztlich die Heteros sind, die allesamt sehr entspannt und tolerant sind, derweil die beiden schwierigen queeren Frauen überzeugt werden müssen, dem jungen Glück eine Chance zu geben, ist als Botschaft schon etwas ironisch – gerade in heutigen Zeiten, wo es doch wieder recht viele unentspannte und intolerante Heteros gibt.

Aber letztlich geht es dem Film wohl um etwas anderes. Darsteller Thomas Mraz hat es im begleitenden Mediendossier so formuliert: "Wir leben in einer Zeit, in der Individualismus sehr wichtig ist, und das ist ja im Grunde eine gute Entwicklung. Gleichzeitig habe ich aber das Gefühl, dass wir gesellschaftlich dünnhäutiger geworden sind, und manche Menschen sehr schnell beleidigt sind, wenn man andere Ansichten hat. Diese aufgeladene Stimmung finde ich nicht gut – man muss unterschiedliche Meinungen und Ansichten aushalten." Das ist eine durchaus lobenswerte Position, allerdings in TV-Komödien mit Happy End einfacher umzusetzen als im richtigen Leben. Insbesondere für queere Menschen, die aktuell leider wieder vermehrt mit Ansichten konfrontiert sind, auf die sie nur mit Widerstand reagieren können.

Infos zum Film

So haben wir dich nicht erzogen. Komödie. Österreich 2026. Regie: Michael Kreihsl. Cast: Gerti Drassl, Brigitte Hobmeier, Alina Schaller, Julian Pichler, Thomas Mraz, Carmen Gratl, Roland Silbernagl, Wolfgang Böck. Laufzeit: 86 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. In der ARD-Mediathek soll der Film am 11. März 2026 veröffentlicht werden. Die Erstausstrahlung im Ersten im Rahmen des FilmMittwochs im Ersten sowie auf ORF 2 ist für den 18. März 2026 vorgesehen
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