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Eurovision-Streit
Nach Kritik an Israel-Teilnahme: EBU erinnert Schweden an die ESC-Regeln
Die schwedische ESC-Teilnehmerin Felicia wünscht sich, dass Israel aus dem Musikwettbewerb verschwindet. Nun ermahnt der Ausrichter, dass im Songcontest "gegenseitiger Respekt" notwendig sei.

Felicia nach ihrem Sieg beim schwedischen ESC-Vorentscheid am 8. März (Bild: IMAGO / TT)
- 11. März 2026, 05:42h 3 Min.
Die Europäische Rundfunkunion (EBU) hat nach israelkritischen Äußerungen der schwedischen ESC-Teilnehmerin Felicia Eriksson Kontakt mit dem verantwortlichen Fernsehsender Sveriges Television (SVT) aufgenommen. Dabei habe der weltweit größte Verband nationaler öffentlich-rechtlicher Medienorganisationen sowohl den Sender als auch die Künstlerin an die Regeln des Wettbewerbs erinnert.
Felicia hatte nach ihrem Sieg im schwedischen Vorentscheid erklärt, dass Israel nicht am Wettbewerb teilnehmen solle ("Ich finde eigentlich nicht, dass sie dabei sind. Es gibt so viel Gemetzel dort, deshalb halte ich das für nicht richtig"). Außerdem wolle sie dafür sorgen, "dass Israel nicht gewinnt". Der israelische Sender Kan reichte deshalb laut Medienberichten eine Beschwerde gegen den schwedischen Sender ein (queer.de berichtete).
EBU: ESC ist keine "politische Bühne"
"Wir sind uns der Äußerungen von Felicia nach ihrer Wahl als schwedische Vertreterin bewusst. Die EBU unterstützt das Recht auf freie Meinungsäußerung, jedoch unterliegt der Eurovision Song Contest Regeln, die Neutralität und ein Umfeld gegenseitigen Respekts gewährleisten", teilte die EBU mit. "Teilnehmende können den Eurovision nicht als politische Bühne nutzen oder Kontroversen erzeugen, die die Aufmerksamkeit von der Musik ablenken könnten." Im EBU-Regelwerk heißt es zudem, der Zweck der Veranstaltung bestehe darin, "die Musik zu feiern und die Einheit zu fördern".
Laut dem ESC-Fanportal "Eurovoix" sei dies das erste Mal gewesen, dass die EBU einen Act an die Regeln des Musikwettbewerbs erinnern musste. Künstler*innen anderer Länder hätten sich aber ebenfalls bereits zur umstrittenen Teilnahme Israels geäußert.
SVT-Kommunikationschefin Hanna Dowling teilte mit, dass schwedische Künstler*innen – wie alle Menschen in Schweden – das Recht auf freie Meinungsäußerung hätten: "Felicia wurde über die Regeln und Richtlinien der EBU informiert, und die Angelegenheit wird nun innerhalb des Teams der Künstlerin behandelt", so Dowling weiter.
Israels Teilnahme seit über 50 Jahren umstritten
Israel nimmt seit 1973 am Eurovision Song Contest bei – seit Beginn war die Teilnahme kontrovers. Manche islamisch geprägte Länder zeigten etwa in den vergangenen Jahrzehnten Werbung, wenn der israelische Beitrag lief. Sie lehnten auch mit Verweis auf Israel eine ESC-Teilnahme ab. Marokko nahm etwa nur einmal am Musikwettbewerb teil – im Jahr 1980, als Israel nicht dabei war.
Seit dem Terroranschlag der Hamas vom 7. Oktober 2023 mit mehr als 1.100 Todesopfern sowie den darauffolgenden Gaza-Krieg wurde die Teilnahme auch verstärkt in Europa kritisiert; mehrere Länder boykottieren deshalb den ESC in diesem Jahr, darunter etwa die Niederlande und Spanien (queer.de berichtete).
Israel und Schweden werden beide beim ersten ESC-Halbfinale am 12. Mai in Wien um den Einzug ins Finale kämpfen. Felicia tritt mit dem Techno-Pop-Song "My System" an, für Israel wird Noam Bettam seine Ballade "Michelle" vortragen. Insgesamt treten 15 Acts an, zehn von ihnen werden sich für das Finale am 16. Mai qualifizieren. (dk)













