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Tödliche Politik in Großbritannien

Nach Einschränkung der Gesundheits­versorgung: Mehr Suizide unter trans Jugendlichen

Großbritannien hat in den letzten Jahren die Behandlungsmöglichkeiten von trans Menschen stark eingeschränkt. Das führte laut einer Menschenrechtsorganisation zu einem Anstieg der Selbsttötungen unter jungen Menschen.


Beim Trans+ Pride 2025 demonstrierten in London mehr als 100.000 Menschen (Bild: IMAGO / NurPhoto)
  • 11. März 2026, 07:41h 3 Min.

Nach neuen Daten aus England ist die Zahl der Suizide unter trans Jugendlichen nach politischen Einschränkungen bei geschlechtsangleichender Gesundheitsversorgung deutlich gestiegen. Darauf weist die britische Menschenrechtsorganisation Good Law Project in einer aktuellen Auswertung hin.

Grundlage sind Zahlen der National Child Mortality Database, ein von der Gesundheitsbehörde NHS finanziertes Programm, das Daten zu allen Todesfällen von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren zentral erfasst. Aus einer Anfrage habe sich ergeben, dass zwischen 2019 und 2025 insgesamt mindestens 46 trans Jugendliche unter 18 Jahren durch Suizid gestorben seien – allein im der britischen Landesteil England. Besonders hoch war die Zahl im Zeitraum 2021 bis 2022, als 22 Todesfälle registriert wurden. In den Jahren zuvor waren es deutlich weniger: fünf Fälle 2019/20 und vier Fälle 2020/21.

Nach Darstellung des Good Law Project fällt der Anstieg zeitlich mit politischen Entscheidungen zusammen, die den Zugang zu geschlechtsangleichender Behandlung für Minderjährige eingeschränkt haben. Dazu zählt unter anderem das vielbeachtete Gerichtsverfahren Bell v Tavistock, das zeitweise zu strengeren Hürden für entsprechende Behandlungen führte. Dabei wurde die einzigen Spezialklinik für trans Jugendliche geschlossen (queer.de berichtete). Später gab es weitere Einschränkungen.

Kritik richtet sich zudem gegen eine Analyse des britischen Suizidpräventions-Experten Louis Appleby. Dieser hatte im Auftrag der Regierung erklärt, es gebe keine Hinweise auf einen deutlichen Anstieg von Suiziden unter jungen trans Menschen. Laut Good Law Project basiere diese Einschätzung jedoch auf einer deutlich kleineren Datengrundlage als die Zahlen der englischen Kindersterbedatenbank.

Die Menschenrechtsorganisation wirft der Regierung vor, mögliche Folgen der politischen Entscheidungen zu unterschätzen. Zugleich weisen die Verantwortlichen der Datenbank darauf hin, dass die jüngsten Zahlen wahrscheinlich noch unvollständig sind, da viele Todesfalluntersuchungen weiterhin laufen.

Studien: Behandlung senkt Suizid-Risiko unter jungen trans Menschen

International gibt es wissenschaftlich wenige Zweifel daran, dass die Behandlung von trans Jugendlichen – etwa mit Hormonblockern – das Suizid-Risiko von trans Jugendlichen senkt (queer.de berichtete). Zudem kam eine Studie 2024 zu dem Ergebnis, dass 96 Prozent der trans Jugendlichen geschlechtanpassende Maßnahmen später nicht bereuten (queer.de berichtete).

Großbritannien hat letztes Jahr die Daumenschrauben bei trans Menschen noch weiter angezogen. So sind geschlechtliche Minderheiten nach einer Gerichtsentscheidung von April etwa nicht mehr vor Diskriminierung nach dem britischen Gleichbehandlungsgesetz geschützt (queer.de berichtete). Der sozialdemokratische Premierminister Keir Starmer hat zudem klargestellt, dass er trans Frauen nicht mehr als Frauen ansehe (queer.de berichtete). Der Europarat zeigte sich letzten Herbst besorgt über die sich dramatisch verschlechternde Situation von trans Menschen im Königreich (queer.de berichtete). (cw)

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