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Spektakel im Mai
Eurovision 2026: Das sind die Songs
35 Länder treten beim Eurovision Song Contest in Wien an, nun stehen alle Acts fest. Ein Überblick mit Video-Galerie aller Beiträge.

Hoffen auf hohe Platzierungen: Søren Torpegaard Lund (Dänemark), Akylas (Griechenland) und Sarah Engels (Deutschland) (Bild: Agnete Schlichtkrull / DR, instagram/akylas__, ARD / Claudius Pflug)
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12. März 2026, 05:14h 5 Min.
Nur noch knapp zwei Monate, dann heißt es wieder "Good evening, Europe" – diesmal live aus Wien. Dort führen Victoria Swarovski und Michael Ostrowski durch den 70. Eurovision Song Contest, der dort dank des Vorjahressiegs des queeren Countertenors Johannes Pietsch stattfindet. Pietsch, der als JJ mit seinem Song "Wasted Love" europaweit begeisterte, holte den Wettbewerb zurück nach Österreich und löste damit einen besonderen Jubiläumsjahrgang aus (queer.de berichtete).
Die Erwartungen sind hoch: Wien bereitet sich auf eine Show vor, die dem Anlass gerecht wird – und auf Acts, die entschlossen um die begehrte Trophäe antreten. Und nicht nur die Wettbüros haben ihre Favorit*innen längst ausgemacht. Auch auf Social Media kristallisieren sich bereits klare Stimmen heraus. Einige der hochgehandelten Acts gehören zur LGBTI-Community oder zeigen sich ihr eng verbunden. Sie wollen ihre Bühne nicht nur für Musik nutzen, sondern auch für Sichtbarkeit, Selbstbewusstsein und queere Themen, die ihnen am Herzen liegen.
Finnland laut Wettanbietern ganz vorne – Deutschland im hinteren Mittelfeld
Die höchsten Chancen werden laut Wettanbietern in diesem Jahr Linda Lampenius und Pete Parkkonen mit ihrem Titel "Liekinheitin" eingeräumt. Sie treten für Finnland an, das in den vergangenen Jahren immer wieder als Favorit gehandelt wurde. Man erinnere sich nur an Erika Vikman, die 2025 für Aufsehen sorgte, oder an Käärijä, der 2023 mit "Cha Cha Cha" europaweit viral ging. Trotz dieser starken Historie konnte Finnland den ESC bisher jedoch nur ein einziges Mal gewinnen, vor 20 Jahren mit Lordi. Die Freude im Land wäre entsprechend riesig, sollte es diesmal wieder klappen.
Doch die Konkurrenz ist groß: Auf Platz zwei der aktuellen Prognosen liegt "Regarde" von Monroe aus Frankreich, gefolgt von Søren Torpegaard Lund aus Dänemark mit "Før vi går hjem" und dem griechischen Sänger Akylas, der mit "Ferto" antritt. Die deutsche Kandidatin Sarah Engels wird mit ihrem Song "Fire" derzeit "nur" auf Platz 23 geführt. Viele ESC-Blogger*innen sehen sie aber trotz der aktuellen Wettquoten weit vorne. Durch ihre Teilnahme bei DSDS im Jahr 2011 ist sie nicht nur in Deutschland bekannt. Auch in Österreich und der Schweiz hat sie bereits eine Fanbase, die ihr im Finale wichtige Punkte sichern könnte. Ganz abschreiben sollte man sie also nicht.
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Sprach- und Genrevielfalt prägt das ESC-Feld 2026
Die Songs könnten auch 2026 unterschiedlicher kaum sein. Einige Acts setzen auf Englisch, andere bleiben bei der Sprache ihres Heimatlandes, und wieder andere wählen lediglich einen fremdsprachigen Titel. Ein Beispiel dafür ist Look Mum No Computer aus dem Vereinigten Königreich: Sein Beitrag "Eins, Zwei, Drei" trägt einen deutschen Titel, im Song selbst zählt er kurz auf Deutsch – ansonsten singt er jedoch komplett auf Englisch.
Und auch musikalisch reicht die Bandbreite weit auseinander. Österreichs Cosmó bringt mit "Tanzschein" modernen, deutschsprachigen Pop auf die Bühne. Alicja aus Polen setzt mit "Pray" auf eine Mischung aus R&B und Soul. Und Serbiens Band Lavina liefert mit "Kraj Mene" einen Beitrag, der klar dem Metal zugeordnet wird. Diese Vielfalt macht den ESC 2026 erneut zu einem Wettbewerb, in dem Sprachen, Genres und Stilrichtungen aufeinandertreffen und für eine besonders abwechslungsreiche Show sorgen.
Queere Künstler*innen im Wettbewerb
Wie jedes Jahr sind auch 2026 wieder mehrere queere Acts beim ESC vertreten. Zu ihnen gehören in erster Linie die bereits genannten Favoriten Søren Torpegaard Lund, der Theater- und Musicalschauspieler tritt mit Dance-Pop über eine Partynacht an, und Akylas mit einem gesellschaftskritischen Ethno-Pop-Rap (queer.de berichtete). Litauen setzt auf Lion Ceccah, dessen jetziger und früherer Name Alen Chicco eng verknüpft ist mit queerer Kunst, Drag und Aktivismus. Alle drei Beiträge lagen zunächst in der jeweiligen Landessprache vor.
Offen bleibt, ob San Marinos erneute ESC-Vertreterin Senhit in Wien ihren englischen Song "Superstar" mit dem britischen schwulen Sänger Boy George vortragen wird – ein wie im Vorentscheid nur eingeblendeter und singender George (queer.de berichtete) dürfte gegen die ESC-Regeln verstoßen. Kein direkt queerer Beitrag ist "Alice", obwohl die Schweizer Sängerin Veronica Fusaro im Musikvideo jener titelgebenden Frau grummelnd bei der Hochzeit zusieht. Fusaro kritisiert, singend aus Tätersicht, Stalking und geschlechtsspezifische Gewalt.
Eine vollständige Liste der queeren ESC-Teilnehmenden lässt sich wie immer nicht erstellen. Das zeigte sich schon im vergangenen Jahr, als Kyle Alessandro sich kurz vor dem Wettbewerb in einem Interview mit queer.de noch als "Ally" bezeichnete – und wenig später öffentlich mit seinem neuen Freund gesehen wurde. Es ist also gut möglich, dass einige Acts ihre Queerness bislang nicht thematisiert haben oder dies erst nach dem ESC – oder auch gar nicht – tun möchten.
Kleinster Wettbewerb seit Jahren
Als Ally präsentiert sich hingegen die deutsche Kandidatin Sarah Engels, die queer.de vor wenigen Wochen ein exklusives Interview gegeben hat. Darin sagte sie: "Der ESC war für mich schon immer ein Ort, an dem Vielfalt ganz selbstverständlich dazugehört. Die LGBTI-Community lebt genau diese Offenheit, diesen Mut und diese Freiheit, sich selbst treu zu sein – und das berührt mich sehr. Ich habe großen Respekt davor und empfinde viel Dankbarkeit für die Energie, die die Community dem ESC und der Musik insgesamt gibt."
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Ob queer oder nicht – für alle Acts wird der Eurovision Song Contest 2026 ein außergewöhnliches Erlebnis. Die Künstler*innen stehen vor einem Millionenpublikum, und auch die Zuschauer*innen dürfen gespannt sein, welche Geschichten, Stimmen und Performances die Bühne in Wien prägen werden. In diesem Jahr sind es mit 35 teilnehmenden Ländern übrigens so wenige wie lange nicht mehr. Einige Staaten haben sich aufgrund der Teilnahme Israels vom Wettbewerb zurückgezogen. Für die verbleibenden Länder steigen dadurch die Chancen, sich im Wettbewerb durchzusetzen.
Das große Finale mit letztlich 25 Beiträgen steigt am Samstag, den 16. Mai ab 21 Uhr in der Wiener Stadthalle, in der bereits der 60. Contest stattfand. Deutschland darf zudem im ersten Semi am 12. Mai abstimmen, in dem auch Engels ihren Song auf der Bühne noch außer Konkurrenz präsentiert.














