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"Politische Doppelmoral"
Italien: Zwei rechtspopulistische Bürgermeister wollen sich verpartnern
Zwei Bürgermeister aus Norditalien wollen sich das Ja-Wort geben – und sorgen damit für politische Aufmerksamkeit weit über ihre Heimatregion hinaus. Besonders bemerkenswert ist ihre Parteizugehörigkeit.

Alessandro Basso (li.) und Loris Bazzo sprechen auch auf Social Media offen über ihre Beziehung (Bild: Facebook)
- 12. März 2026, 06:58h 3 Min.
Die italienischen Bürgermeister Alessandro Basso und Loris Bazzo kündigten an, am 27. Juni ihre Beziehung offiziell besiegeln zu wollen – mit einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Basso ist Bürgermeister der 52.000 Einwohner*innen zählenden Stadt Pordenone, Bazzo steht an der Spitze der 2.600-Seelen-Gemeinde Carlino. Beide liegen der Region Friaul-Julisch Venetien, die an Österreich, Slowenien und das Adriatische Meer grenzt. Damit könnte ihre Zeremonie die erste zivile gleichgeschlechtliche Partnerschaft zwischen zwei amtierenden Bürgermeistern in Italien sein.
Das Paar ist seit mehreren Jahren zusammen und lebt seine Beziehung offen. Durch Bassos Wahl zum Bürgermeister einer deutlich größeren Stadt im April 2025 wurde die Partnerschaft zuletzt stärker in der italienischen Öffentlichkeit wahrgenommen.
Das Kuriose an der Beziehung: Beide gehören Rechtsaußen-Parteien an, die sich stets gegen die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Beziehungen gewehrt haben. Basso gehört der postfaschistischen Partei Fratelli d'Italia (Brüder Italiens) von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni an. Bazzo ist Mitglied der rechtsextremen Lega von Matteo Salvini, der immer wieder gegen Regenbogenfamilien polemisiert hatte (queer.de berichtete).
Sozialdemokratische Partei: Ihr habt eure Hochzeit uns zu verdanken
Auf die Meldung kommen Gratulationen aus anderen politischen Lagern. Die sozialdemokratische PD der Region Friaul-Julisch Venetien sprach laut dem Nachrichtensender Sky TG24 den beiden Bürgermeistern "aufrichtige Glückwünsche ohne Polemik" aus. Allerdings weist die Partei darauf hin, wem die beiden schwulen Bürgermeister ihre Hochzeitsfeier zu verdanken haben. Die beiden würden nämlich "einen so wichtigen Schritt für sich und ihre Familien machen, der durch das von einer Mitte-Links-Regierung per Vertrauensfrage verabschiedete Gesetz über zivile Partnerschaften ermöglicht wurde". Man hoffe, dass "das Glück von Basso und Bazzo" ein gutes Omen auch für andere gleichgeschlechtliche Paare sein könne.
Die Regierung des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi hatte 2016 das italienische Lebenspartnerschaftsgesetz gegen den erbitterten Widerstand von Konservativen und Rechtsaußen-Parteien durch das Parlament geboxt (queer.de berichtete). Italien bleibt aber weiterhin der einzige Gründerstaat der EU (damals EWG), der die gleichgeschlechtliche Ehe nicht anerkennt.
Bürgermeister kritisieren Haltung ihrer Parteien zur Queerpolitik nicht
Die beiden Bürgermeister sprechen offen über ihre Beziehung und sehen ihre Hochzeit als Zeichen gesellschaftlicher Entwicklung. Sie kritisieren die Haltung ihre Parteien zu LGBTI-Rechten nicht ausdrücklich, sondern stellen eher heraus, dass es auch in der politischen Rechten unterschiedliche Lebensrealitäten gebe. Basso erklärte etwa kürzlich: "Wir können ruhig sagen, dass wir der Beweis sind, dass die Rechte in Wirklichkeit weiter ist als viele andere."
Während Basso nichts gegen Homosexuelle sagte, teilte er aber gegen geschlechtliche Minderheiten aus. So kritisierte er angebliche Versuche, Jugendlichen eine angebliche "Gender-fluid-Ideologie" aufzuzwingen. Der Aktivist Giacomo Deperu Carta von der LGBTI-Organisation Arcigay richtete daher die Aufforderung an den Bürgermeister: "Informiere dich – du bist ignorant." Arcigay warf den beiden Kommunalpolitikern "politische Doppelmoral" vor, weil sie Karriere bei Parteien machten, die gleichzeitig Rechte für queere Menschen blockieren. (dk)















