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"My Brother's Killer"

Dokumentarfilm klärt Mord an Pornodarsteller Billy London aus dem Jahr 1990 auf

Vor über 35 Jahren wurde der in der schwulen Szene bekannte Pornostar Billy London ermordet. Nun wurde der Fall aufgeklärt – dank einer Dokumentation, die jetzt in den USA Premiere feiert.


Billy London starb im Jahr 1990 – jetzt ist der Mord aufgeklärt (Bild: Rachel Mason)

  • 13. März 2026, 07:31h 3 Min.

Eine neue Dokumentation hat dazu beigetragen, einen jahrzehntealten Mordfall aus der amerikanischen Schwulenpornobranche aufzuklären. Die neue Dokumentation "My Brother's Killer" der Filmemacherin Rachel Mason rollt den Tod des Pornodarstellers Billy London neu auf – und führt schließlich zu einem Geständnis. Der Film hat beim gerade laufenden Festival South by Southwest im texanischen Austin Premiere. Wann der Film nach Deutschland kommt, ist bislang nicht bekannt.

London, der bürgerlich Bill Newton hieß, war im Oktober 1990 in Los Angeles ermordet worden. Teile seines Körpers wurden später in einem Müllcontainer am Santa Monica Boulevard in West Hollywood gefunden. Der Fall blieb jahrzehntelang ungelöst.

Mason stieß bei Recherchen für ein anderes Projekt auf alte Zeitungsberichte über das Verbrechen und begann, gemeinsam mit Archivar*innen und Amateurermittler*innen zu recherchieren. Dabei sichtete sie auch umfangreiches Material aus der damaligen Pornoszene. Einige dieser Videoarchive erwiesen sich schließlich als überraschend wichtige Hinweise, weil sie Personen zeigten, die mit London in Verbindung standen.

Die Spur führte schließlich zu DarraLynn Madden. Die trans Frau, die zur Tatzeit noch unter einem anderen Namen lebte und in der rechtsradikalen Skinhead-Szene aktiv war, wurde von Mason im Gefängnis interviewt. Sie verbüßt dort eine Haftstrafe für ein anderes Tötungsdelikt. Im Zuge der Gespräche legte Madden schließlich ein Geständnis ab – ein Durchbruch in einem Cold Case, der mehr als drei Jahrzehnte lang ungelöst geblieben war. Angeklagt werden soll sie aber nicht, da sie für die andere Tat bereits lebenslänglich erhalten hat.

Für Mason steht im Mittelpunkt des Films jedoch nicht nur die Kriminalgeschichte. Die Dokumentation versucht auch, London als Menschen sichtbar zu machen und die Erinnerung an einen Darsteller zu bewahren, dessen Tod lange nur als Randnotiz der Branche galt.

"Schwule Pornografie ist eine Form von Geschichte"

Mason sagte dem "Hollywood Reporter", dass sie sich normalerweise stärker für "Charaktere und Subkulturen" interessiere. Während der Arbeit an ihrer Netflix-Dokumentation "Circus of Books" habe sie erkannt, dass "schwule Pornografie eigentlich eine Form von Geschichte ist".
"Vor den 1980er-Jahren sah man schwules Leben im Fernsehen praktisch nicht dargestellt", sagte Mason. "Pornografie war einer der wenigen Orte, an denen diese Leben überhaupt visuell existierten. Also begann ich zu denken: In dieser Welt müssen unglaubliche Geschichten verborgen sein. Billys Geschichte stellte sich als eine davon heraus."

Dass sie die wahre Mörderin gefunden hatte, habe ihr auch Bauchschmerzen bereitet: "Meine Partnerin ist trans. Diese Information zu hören, war wie ein Messerstich ins Herz. Das Letzte, was man will, ist, dass ein Fall wie dieser dazu benutzt wird, schädliche Stereotype über trans Menschen zu verstärken."

Immerhin hätten nun Freund*innen und Familie des Ermordeten Gewissheit, so Mason weiter "Billys Partner Marc Rabins hatte jahrelang mit diesem Verdacht gelebt. Und Billys Familie hatte nie wirklich damit abschließen können. Nachdem sie den Film gesehen hatten, sagten sie mir, dass sie endlich das Gefühl hatten, Antworten zu haben. Das hat mir mehr bedeutet als alles andere."

Der Titel "My Brother's Killer" ist dabei metaphorisch gemeint und spielt auf das Konzept der "chosen family" (Wahlfamilie) innerhalb der queeren Community an – also dass viele queere Menschen, die von ihrer Familie verstoßen werden, sich ihre eigene Familie suchen. (cw)

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