https://queer.de/?57214
Streamingtipp
"Scarpetta": Viel hochwertiger kann Prestige-Trash kaum sein
Mit Nicole Kidman und Rosy McEwen als ältere und jüngere Version einer erfolgreichen Gerichtsmedizinerin ist die US-Serie "Scarpetta" hochkarätig besetzt. Ariana DeBose spielt in der Mischung aus Thriller und Familien-Soap ihre lesbische Nichte.

Nicole Kidman als Gerichtsmedzinerin Dr. Kay Scarpetta (Bild: Connie Chornuk / Prime)
- Von
16. März 2026, 05:46h 3 Min.
Bereits seit 1990 ist die erfolgreiche Gerichtsmedizinerin Dr. Kay Scarpetta im Einsatz, in mittlerweile 29 Romanen der lesbischen Bestseller-Autorin Patricia Cornwell. Immer wieder gab es Bestrebungen in Hollywood, die Figur auch auf die Leinwand zu bringen, zunächst bereits nach ein paar Büchern in Gestalt von Demi Moore, später Angelina Jolie. Gedauert hat es am Ende nun eine ganze Weile länger, und statt als Kinofilm kommt "Scarpetta" in Serienform daher (zu sehen bei Prime Video)
Gleich zu Beginn der acht Episoden umfassenden ersten Staffel (eine zweite ist längst bestellt) kehrt die gleichermaßen kluge wie unterkühlte und immer ehrgeizige Titelheldin (Nicole Kidman) zurück an ihre alte Wirkungsstätte. Nach langen Jahren in anderen Bundesstaaten wird sie erneut zur leitenden Gerichtsmedizinerin in Virginia, wo ihr der erste Fall schon alles abverlangt. Denn nicht nur bleibt es nach dem Fund einer gefesselten und verstümmelten Frauenleiche nicht lange bei einer einzigen Toten, was den Verdacht einer Serientat nahelegt. Sondern allerlei Details erinnern auf unbehagliche Weise an einen von Scarpettas ersten großen Fällen in den 1990er Jahren, so dass plötzlich die Frage im Raum steht, ob damals womöglich der falsche Mann verhaftet wurde.
Ein umständliches Konzept
Die ebenfalls queere Showrunnerin Liz Sarnoff (die auch schon an Serien wie "Lost" oder "Barry" beteiligt war) hat sich entschlossen, die auf zwei Cornwell-Büchern basierende Geschichte parallel auf zwei Zeitebenen zu erzählen und dafür jede Schlüsselrolle von unterschiedlichen Schauspieler*innen verkörpern zu lassen. Das ist prinzipiell begrüßenswert, denn wenig ist peinlicher als unglaubwürdiges Alters-Makeup oder digitale Verjüngungsmethoden; selbst eine Ausnahmeschauspielerin wie Nicole Kidman kann kaum stimmig 30 Jahre überbrücken – und Rosy McEwen als junge Scarpetta ist sogar das Highlight dieser Serie. Fürs Publikum mitunter verwirrend ist Sarnoffs umständliches Konzept allerdings trotzdem, zumal wenn man nicht durch die Vorlage schon hinreichend vertraut ist mit biografischen Details und vor allem der Verwandtschaft Scarpettas.

Ariana DeBose spielt Scarpettas queere Nichte und Ziehtochter Lucy (Bild: Connie Chornuk / Prime)
Denn, das sollte man dazusagen, beinahe so sehr wie eine Thriller-Serie ist "Scarpetta" auch eine Familien-Soap, in der ihre Ehe mit FBI-Agent Benton (Simon Baker) auf den Prüfstand gerät, sie im Dauerzank mit der höchst gegensätzlichen Schwester Dorothy (Jamie Lee Curtis, hier auch als Produzentin verantwortlich und schauspielerisch weiterhin in ihrer "manischen" Phase) liegt, die inzwischen mit Kays einstigem Polizei-Mitarbeiter Pete (Bobby Cannavale) verheiratet ist, und Nichte und Ziehtochter Lucy (die queere Oscar-Gewinnerin Ariana DeBose in ihrer ersten Serienrolle seit "Westworld") um ihre Ehefrau trauert.
Lucys Gattin wird mit KI wiederbelebt
Schrille Anflüge von Humor prallen hier auf frappierend grausige Obduktionsdetails, ernsthafte Beobachtungen von Misogynie im beruflichen Umfeld stehen neben banalsten Trauma-Analysen und obendrauf gibt's High-Tech-Handlungsstränge wie aus "Black Mirror", etwa in Gestalt von Lucys als KI wiederbelebter Gattin Janet oder im Weltall hergestellter Synthetik-Körperteile aus dem 3D-Drucker.
Glaubwürdig wäre "Scarpetta" allerdings auch ohne Letzteres nicht, dank wirrer, überfrachteter Figurenzeichnungen und unrealistischer Arbeitsplatz-Konstellationen. Immerhin: Viel hochwertiger kann Prestige-Trash kaum sein.
|
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
00:00h, ZDFinfo:
Tabu – Was es in der DDR nicht geben durfte
Homosexualität wurde in der DDR 1968 entkriminalisiert, aber Toleranz existierte nur auf dem Papier.
Doku, D 2025- 2 weitere TV-Tipps »














