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Schauprozess

Moskau: Prozess gegen Jacques Tilly vertagt

Der Schauprozess gegen den Düsseldorfer Karnevalisten und Bildhauer Jacques Tilly geht im April weiter.


Jacques Tilly mit einem seiner Putin-Motive nach dem Einsatz im Düsseldorfer Karneval 2014 (Bild: IMAGO / Funke Foto Services)
  • 17. März 2026, 06:48h 2 Min.

Das umstrittene Strafverfahren gegen den deutschen Bildhauer Jacques Tilly in Moskau verzögert sich. Die Anhörung wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft verschoben, da die neue Anklagevertreterin eigenen Angaben nach noch nicht mit dem Fall vertraut war. Richter Konstantin Otschirow setzte daraufhin für den 2. April um 11:30 Uhr Ortszeit (10:30 Uhr MESZ) einen neuen Prozesstermin fest, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur aus dem Gerichtssaal berichtete. Dann sollen die Plädoyers verlesen werden.

Die russischen Behörden werfen Tilly, der mit seinen Karnevalswagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug Kremlpräsident Wladimir Putin und dessen Krieg gegen die Ukraine kritisiert, unter anderem Verletzung religiöser Gefühle und die Verbreitung von Falschmeldungen über die russischen Streitkräfte vor. Besonders ein Wagen im Jahr 2024 hat Ärger in Moskau ausgelöst: Figuren von Putin in Uniform und dem vor ihm knienden Patriarchen Kirill beim homo­sexuellen Oralverkehr.

Tilly droht damit in Russland eine Verurteilung zehn Jahren Haft beziehungsweise Straflager. Der Bildhauer selbst erwartet, dass die Staatsanwaltschaft ein hohes Strafmaß fordern wird. Er muss allerdings nicht befürchten, ins Gefängnis zu gehen, da er sich nicht in Russland aufhält – und Deutschland eigene Staatsbürger*­innen nicht nach Russland ausliefert. Allerdings würde es seine Reisefreiheit einschränken, da manche Staaten Auslieferungsabkommen mit Russland haben. Das Auswärtige Amt empfahl Tilly, nicht mehr in russlandfreundliche Länder zu reisen.

Tilly bezeichnet Prozess als lächerlich

Der Künstler selbst verfolgt das Verfahren unterdessen laut WDR entspannt bis amüsiert: "Die russische Justiz und der ganze Prozess sind einfach lächerlich", so der 62-Jährige.

Tilly ist vor allem für seine bissig-satirischen Mottowagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug bekannt. Seit 1984 baut und entwirft er Karnevalswagen, die schon mehrfach weltweit für Aufsehen sorgten. Bereits mehrfach hatte Tilly seine Mottowagen Putin gewidmet. Als Protest gegen die homophobe Allianz von Staat und Kirche in Russland zeigte er etwa schon 2014 Putin und Russlands Patriarch Kyrill I. bei Zungenkuss und gegenseitiger Masturbation (queer.de berichtete). Auch CSD-Wagen hat der Künstler schon gebaut (queer.de berichtete). (dpa/cw)

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