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Freiburg
Dragqueen geht gegen AfD vor
Nach einer Kinderbuchlesung mit Dita Whip sprach die örtliche AfD von "perversen Ideologien". Die Dragqueen geht nun juristisch dagegen vor – und sucht finanzielle Unterstützung.

Dita Whip wehrt sich gegen die Instrumentalisierung durch die AfD (Bild: instagram.com/ditawhip)
- 18. März 2026, 07:14h 4 Min.
Zum "Zero Discrimination Day" am 1. März bat die Stadtbibliothek Freiburg Ende Februar zu einer besonderen Lesung: Im "Bilderbuchkino" las die Dragqueen und Showproduzentin Dita Whip aus zwei Kinderbüchern vor: "Disco" von Frauke Angel und Julia Dürr, in der Vorankündigung beschrieben als "Statement gegen vorgeprägte Geschlechterrollen im Kindergarten, und "Genug gebrüllt, Löwe" von Günther Jakobs – ein "witziges und kunterbuntes Bilderbuch über Freiheit, Fairness und Selbstbestimmung".
Wie in diversen anderen Städten und Ebenen brachte das die AfD auf die Palme. Das erste Buch arbeite "gegen natürliche Geschlechterrollen im Kindergarten", während das zweite "Kleinkindern politische Konzepte aufdrängt", beklagte AfD-Stadtrat Karl Schwarz am 5. März in einem Text auf der Webseite des Kreisverbands über diese "Werkzeuge einer links-woken Ideologie".

Der mit einer KI-Collage illustrierte AfD-Text, in dem es um die Kinderbuchlesung als auch um Musterungen und eine mögliche Entsendung von Soldat*innen in die Ukraine ging, war am frühen Mittwochmorgen noch abrufbar
Hinter der Lesung, bzw. in AfD-Worten dem "Angriff auf die kindliche Unschuld" und der "ideologischen Entwurzelung in unserer Stadt", stecke zudem "System", so der Landtags- und Oberbürgermeisterkandidat kurz vor der Wahl. Schließlich werde mit der städtischen Geschäftsstelle Diversity & Antidiskriminierung zusammengearbeitet, die Angebote fördere, die "frühkindliche Entwicklung stören", sowie mit dem queeren Auflärungsprojekt FLUSS, kommentiert von Schwarz mit den Worten: "Hände weg von unseren Kindern!"

In einem Video in sozialen Netzwerken sprach Schwarz in Bezug auf der Kinderlesung auch von "Frühsexualisierung"
Solche Entwicklungen führten zu "Orientierungslosigkeit" ("Kindern wird suggeriert, dass selbst ihre biologische Identität verhandelbar sei"), "Entwurzelung" ("Die Bindung an Traditionen, Familie und eine gewachsene Kultur wird systematisch untergraben") und einer "Perversion der Bildung", so Schwarz. Kindheit müsse "frei von sexuellen Experimenten und politischer Indoktrination" sein: "Wer Kinder gezielt verunsichert, raubt ihnen das Fundament für ein stabiles Leben." Die AfD wolle u.a. ein Deutschland, "in dem Kinder ohne perverse Ideologien aufwachsen".
Whip fordert Unterlassung
Dita Whip, die auch Initiatorin der Kampagne "Gesichter gegen Rechts" ist, hat beschlossen, gegen diese Mischung aus Hetze und Anschuldigungen vorzugehen: "In diesem Beitrag werde ich namentlich genannt und meine Person sowie meine Arbeit werden – aus meiner Sicht – mit schwerwiegenden Vorwürfen in Verbindung gebracht", schreibt die Dragqueen in einer Pressemitteilung. So werde die Lesung in dem Beitrag "mit Begriffen aus einem politischen Kulturkampf sowie mit Zuschreibungen wie 'perversen Ideologien' in Verbindung gebracht."
Instagram | In diesem Video (startbar durch Klick aufs Bild) in ihrem Instragram-Profil berichtet die Dragqueen, wie die AfD sie zum Feindbild machte
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Zudem werde ein Foto von ihr in einer politischen Grafik verwendet. "Dieses Foto war ursprünglich ausschließlich für die Bewerbung der Veranstaltung vorgesehen. Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand wurde das Bild aus meinen Social-Media-Kanälen übernommen, verändert und möglicherweise auch technisch via KI bearbeitet", so Whip. "Aus meiner Sicht wurden mein Name, mein Bild und meine Arbeit damit in einen politischen Kontext gestellt, dem ich nicht zugestimmt habe."
Da sie es nicht einsehe, "als Feindbild in einem politischen Kulturkampf instrumentalisiert zu werden", habe sie mit Unterstützung eines Anwalts rechtliche Schritte eingeleitet, darunter eine Unterlassungsaufforderung. Die Frist ende an diesem Mittwochnachmittag.
Bitte um finanzielle Unterstützung
Da bislang keine Reaktion der Gegenseite erfolgte, sei mit einem gerichtlichen Verfahren zu rechnen, das mit erheblichen Kosten verbunden seien könne. Daher hat Whip einen Crowdfundingaufruf gestartet. "Die Spendengelder werden ausschließlich für rechtliche Zwecke verwendet", so die Dragqueen. Nicht benötigte Mittel sollten vollständig an gemeinnützige Projekte gespendet werden. "Auch mögliche Entschädigungszahlungen aus einem Verfahren beabsichtige ich zu großen Teilen an gemeinnützige Zwecke weiterzugeben."
Es gehe ihr nicht um Profit oder persönliche Bereicherung, "sondern um die grundsätzliche Frage, ob und wie sich Menschen – insbesondere queere Menschen – gegen politische Instrumentalisierung zur Wehr setzen können". Letztlich berühre das "Fragen rund um Persönlichkeitsrechte, Datenschutz, politische Instrumentalisierung im Wahlkampf sowie den Umgang mit queeren Themen im öffentlichen Raum". Vom Spendenziel 4.500 Euro waren am frühen Mittwoch bereits fast 1.700 Euro erreicht.
Instagram | Die Autor*innen der beiden Vorlesungsbücher stellten sich Dita Whip "solidarisch zur Seite"
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Hinter die Dragqueen stellten sich bei Instagram derweil auch die Autor*innen der beiden Kinderbücher. Diese beklagten, dass die AfD-Grafik auch die Buchcover "mittels KI stümperhaft und unerlaubt bearbeitet" habe, was gar nicht nötig gewesen sei, da man auf die Werke stolz sei. "Wir haben Verständnis dafür, dass nicht jedem ein künstlerisches Talent in die Wiege gelegt wurde. (…) Wofür wir jedoch zero Verständnis haben, ist: Diskriminierung, Queerfeindlichkeit, Nationalismus, Hass und Hetze." (cw)











