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Berlin

Queeres Duell in Friedrichshain-Kreuzberg

Mit Thomas Weigelt (Grüne) und René Pérez Domínguez (Linke) haben gleich zwei queere Politiker gute Chancen, der nächste Bürgermeister des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg zu werden.


Thomas Weigelt (Grüne, l.) und René Pérez Domínguez (Linke) wollen Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg werden (Bilder: privat, Linke Friedrichshain-Kreuzberg)

Ein Ergebnis der Berliner Wahlen vom 20. September 2026 scheint schon festzustehen: Der Szene-Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wird in Zukunft wieder queer regiert. Mit Thomas Weigelt (Grüne) und René Pérez Domínguez (Linke) haben gleich zwei queere Männer gute Chancen, die Nachfolge der amtierenden Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) anzutreten, die auf eine erneute Kandidatur verzichtet.

Grüner Richter: Thomas Weigelt

Thomas Weigelt soll am 21. März von den Grünen offiziell nominiert werden. Der 39-Jährige ist Richter am Berliner Verwaltungsgericht und war zuvor unter anderem Bezirksverordneter sowie im Bereich Stadtentwicklung politisch aktiv. Inhaltlich setzt er auf eine ökologische Stadtentwicklung, mehr Grünflächen und lebenswertere Kieze. Zugleich will er die kulturelle Vielfalt im Bezirk sichern und stärker auf Beteiligung der Bevölkerung setzen. "Ich bringe Verwaltungserfahrung und Bezirkserfahrung mit. Als queerer Mann möchte ich mich für einen bunten und vielfältigen Bezirk einsetzen", sagte Weigelt dem "Tagesspiegel".

Friedrichshain-Kreuzberg sei "seit Jahrzehnten ein Ort der Offenheit und Solidarität", heißt es in einer Pressemitteilung der Grünen zur Nominierung Weigelts. "In Zeiten eines spürbaren Rechtsrucks und wachsender sozialer Unsicherheit brauchen gerade marginalisierte Menschen und Menschen mit Diskriminierungserfahrungen Orte, an denen sie sich sicher und willkommen fühlen."

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Linker Fraktionschef: René Pérez Domínguez

René Pérez Domínguez, Jahrgang 1983, ist bislang Co-Vorsitzender der Linksfraktion in der Bezirksverordnetenversammlung. Seinen Familiennamen hat er angenommen, zuvor hieß er Jokisch. Seit 2025 ist er "glücklich mit einem Mexikaner verheiratet", wie seine Partei in einer Pressemitteilung schreibt.

Pérez Dominguez ist in einfachen Verhältnissen in einer Platte in Berlin-Hohenschönhausen aufgewachsen (Mutter Putzfrau im Krankenhaus, Vater Taxifahrer) und ging in der Rigaer Straße zur Schule. Ein Grund, warum "der linke Bezirk mit seiner Hausbesetzer- und Alternativszene zu seiner politischen Heimat wurde", wie die Linken schreiben. Politikwissenschaft in Potsdam studieren konnte er nur mit Bafög und mit Arbeit nebenbei. 2002 trat er in die PDS ein. Er hat für die Linksfraktion im Bundestag gearbeitet und wechselte 2023 als Referent für Wirtschaft, Kommunales und Bezirke zur Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.

Der Bezirksvorstand der Linken hat René Pérez Domínguez einstimmig als Bürgermeister-Kandidaten vorgeschlagen. Die offizielle Nominierung soll auf einer Vertreter*innen-Versammlung am 18. April 2026 erfolgen.

Die Grünen regieren den Bezirk seit 20 Jahren

Am 20. September 2026 wird in Berlin gewählt, auf Landesebene und in den Bezirken. In Friedrichshain-Kreuzberg regieren die Grünen unangefochten seit 20 Jahren. Auch bei der jüngsten Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung 2023 wurden sie mit 34,5 Prozent stärkste Kraft. Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 lag im Bezirk allerdings zum ersten Mal die Linke vorn, die damit das Direktmandat holen konnte. Die Linke setzt deshalb auf einen Machtwechsel: "Mit René als Kandidaten haben wir eine mehr als realistische Chance, in Friedrichshain-Kreuzberg ab September den Bürgermeister zu stellen", erklärte der stellvertretende Bezirksvorsitzende Damiano Valgolio.

Von 2013 bis 2021 stand mit der Grünen Monika Herrmann schon einmal eine queere Politikerin an der Spitze von Friedrichshain-Kreuzberg. (mize)

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