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31. März
Tag der trans Sichtbarkeit: Warnung vor Dominoeffekt
Zum jährlich am 31. März abgehaltenen Tag der Transsichtbarkeit zeigen sich queere Aktivist*innen besorgt, dass die Aushöhlung von trans Rechten zu weiteren Einschränkungen für Minderheiten führen kann.
- 31. März 2026, 09:59h 4 Min.
Trans Rechte stehen derzeit weltweit unter Druck. Der Bundesverband Trans* warnt daher eindringlich vor einer verheerenden Kettenreaktion: "Wir erleben, weltweit und auch in Deutschland, einen Dominoeffekt bei Menschenrechten. Sobald die ersten Rechte von vulnerablen Gruppen fallen, dann fallen auch die der Nächsten", erklärte Bundesvorstandsmitglied Patricia Pederzani. "Trans* und nicht-binäre Menschen sind dabei eine der ersten Gruppen, deren Würde und Rechte angegriffen werden. Das gilt insbesondere für trans* und nicht-binäre Menschen, die von Rassismus, Armut und Trans*misogynie betroffen sind. Dies erleben wir mit einer zunehmenden Geschwindigkeit! Dieser Entwicklung halten wir gemeinsam mit unseren Verbündeten entgegen."
Der Dachverband verweist daher auf sein Positionspapier "Trans*rechte als Menschenrechte anerkennen" (PDF) aus dem letzten Jahr, in dem politische Maßnahmen vorgestellt werden. Gefordert wird darin die Fortführung des Nationalen Aktionsplan "Queer Leben", die Einführung eines Demokratiefördergesetzes und die Erhaltung des Selbstbestimmungsgesetzes. Alle drei Punkte stehen allerdings nicht hoch auf der Prioritätenliste der Merz-Regierung.
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Auch aus der Politik kommen mahnende Worte. Der scheidende rheinland-pfälzische Integrations-Staatssekretär Janosch Littig (Grüne) erklärte etwa: "Dem Internationalen Tag der Trans*Sichtbarkeit kommt in diesem Jahr eine besondere Bedeutung zu. Weltweit werden die Rechte von trans*Personen zunehmend eingeschränkt, zugleich nimmt die Gewalt gegenüber trans*Frauen, trans*Männern und nicht-binären trans*Personen zu". Auch in Deutschland und in Rheinland-Pfalz würden die Fallzahlen der Hasskriminalität gegenüber trans Personen kontinuierlich ansteigen. Er rief deshalb anlässlich des Tages dazu auf, miteinander ins Gespräch zu kommen.
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Die Arbeitsgemeinschaft SPDqueer beklagt, dass "trans* Personen und ihre Rechte weltweit – und auch hier in Deutschland – massiv unter Druck" stünden. "Rechte und konservative Akteur*innen versuchen, trans* Identitäten zu delegitimieren und hart erkämpfte Fortschritte zurückzudrehen. So gibt es von Seiten der AfD, Teilen der CDU sowie von transfeindlichen Gruppierungen – darunter auch sogenannte TERFs (trans-exkludierende Radikalfeminist*innen) – Bestrebungen, das 2024 in Kraft getretene Selbstbestimmungsgesetz wieder abzuschaffen oder auszuhöhlen." Trans* Personen würde dabei immer wieder als vermeintliche "Gefahr" inszeniert. "Doch die Realität ist eine andere: Trans* Personen sind keine Gefahr – sie sind diejenigen, die gefährdet sind. Sie sind überproportional von Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt betroffen. Hasskriminalität und Hassrede nehmen zu, Falschbehauptungen und Vorurteile verbreiten sich; die gesellschaftliche Stimmung verschärft sich spürbar."
Die Linke im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen rief dazu auf, mehr für den Schutz von trans Menschen zu tun: "Trans* Menschen sind Teil unserer Gesellschaft. Sie verdienen Sichtbarkeit, Anerkennung und gesellschaftliche Teilhabe. Dazu gehört auch, sich sicher und frei bewegen zu können. In NRW nimmt queerfeindliche Gewalt Jahr für Jahr zu", so Dominik Goertz, der queerpolitische Sprecher der Landespartei. So sei etwa neben Gewalt "die strukturelle Diskriminierung, vor allem im Gesundheitssystem, weiterhin ein gravierendes Problem".
Zum trans Day of Visibility finden auch in mehreren Städten Protestaktionen statt, etwa in Darmstadt oder Lübeck. Vereinzelt werden auch trans Flaggen von Rathäusern gehisst, etwa im Berliner Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, einem sozialen Brennpunkt. "In Marzahn-Hellersdorf sehen wir, wie prekär die Lebenslagen vieler trans* und nicht-binärer Personen sind. Der fehlende Zugang zu Therapieplätzen erschwert den Beginn des Angleichungsprozesses erheblich", erklärte dazu Gesundheitsstadtrat Gordon Lemm (SPD). "Mit der Flaggenhissung wollen wir sowohl Sichtbarkeit schaffen als auch auf diese Hürden aufmerksam machen und deutlich machen. Das Bezirksamt steht für Unterstützung und die Schaffung notwendiger Strukturen, damit alle Menschen hier selbstbestimmt leben können."
Instagram | Nkye Slawik, die einzige trans Abgeordnete im Bundestag, versprüht Gwen-Stefani-Energie zum Trans Day of Visibility
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Der "International Transgender Day of Visibility" wurde 2009 von trans Aktivistin Rachel Crandall-Crocker ins Leben gerufen, einer Psychotherapeutin aus dem US-Bundesstaat Michigan. Sie erklärte damals, der Tag sei notwendig, da viele Menschen keine trans Personen kannten und erst für Probleme dieser Bevölkerungsgruppe sensibilisiert werden müssten. Den 31. März wählte sie aus, um nicht mit anderen Tagen wie dem Gedenktag für die Opfer von Transfeindlichkeit (20. November) oder dem Pride-Monat Juni in Konflikt zu kommen. Der Sichtbarkeitstag setzte im letzten Jahrzehnt einen Siegeszug um die Welt an und wird nun in Dutzenden Ländern begangen. (cw)















