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Coming-out in der Familie
Jens Spahn: "Meine Mutter hatte es schon länger geahnt"
In einem Interview spricht Unions-Fraktionschef Jens Spahn über sein Coming-out als Teenager im Westmünsterland. "In unserem Dorf gab es das nicht", erinnert sich der 45-Jährige. Seine Eltern seien jedoch "gut damit umgegangen".

Archivbild: Jens Spahn (r.) und Ehemann Daniel Funke im Juni 2025 bei einem Sommerfest der "Bild"-Zeitung (Bild: IMAGO / Eventpress)
- 6. April 2026, 16:40h 3 Min.
Der CDU-Politiker Jens Spahn hat in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung offen über sein Coming-out gesprochen und dabei auch persönliche Einblicke in sein katholisches familiäres Umfeld gegeben. Im Alter von "16 oder 17" Jahren habe er den Mut gefunden, mit seinen Eltern über seine Homosexualität zu reden. "Ich glaube, meine Mutter hatte es schon länger geahnt", meinte der heutige Unions-Fraktionschef rückblickend. Die Reaktion nannte er "ein großes Glück. Meine Eltern sind gut damit umgegangen."
Der ehemalige Messdiener berichtete gegenüber dem Boulevardblatt, dass er sich bereits in jungen Jahren mit seiner Homosexualität auseinandergesetzt habe. "Ich hatte nie eine Freundin", sagte er. Auch wenn sein Coming-out im 4.000-Seelen-Dorf Ottenstein im Westmünsterland keine Schockwellen verursacht habe, sei es doch eine andere Zeit gewesen. "Es waren die 90er Jahre. In unserem Dorf gab es das nicht." Spahn beschreibt diese Jahre ohne Bitterkeit. "Heute nehme ich mit Freude zur Kenntnis, wie selbstverständlich gleichgeschlechtliche Partner leben. Früher ist man weggezogen oder hat sich verstellt."
Einen inneren Konflikt zwischen seiner katholischen Prägung und seiner sexuellen Orientierung habe er nach eigenen Angaben nicht empfunden. "Bei der Kirche hat mich ehrlicherweise nie interessiert, wie sie zu Homosexualität steht", sagte Spahn im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung.
Spahn erklärte Begriff "queer" zur politischen Ideologie
Erst vor wenigen Tagen hatte Jens Spahn in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" erklärt, dass er nicht als "queer" oder "homosexuell" bezeichnet werden will. "Homosexuell, das klingt für mich furchtbar. Steril", meinte der CDU-Politiker. Der Begriff "queer" wiederum sei für ihn eine "politische Ideologie" (queer.de berichtete).
Spahn hatte bereits 2023 in einem Interview mit dem extrem rechten Portal "Nius" erklärt, er sei schwul und nicht queer (queer.de berichtete). Er kopierte damit eine Aussage von AfD-Parteichefin Alice Weidel zwei Monate zuvor (queer.de berichtete).
Seit 2017 mit Daniel Funke verheiratet
Seit über zwölf Jahren ist Jens Spahn mit dem Medienmanager Daniel Funke liiert. Im Dezember 2017 gab sich das Paar in Essen das Ja-Wort (queer.de berichtete).
Auch über private Zukunftspläne spricht der Unions-Fraktionschef gelegentlich: Ein gemeinsamer Kinderwunsch bestehe weiterhin, habe sich bislang jedoch nicht erfüllt, meinte er etwa Ende letzten Jahres in der ntv-Sendung "Pinar Atalay" (queer.de berichtete). "Jetzt sind die Voraussetzungen bei uns sowieso noch etwas schwieriger, um den zu erfüllen", sagte Spahn. Aber: "Grundsätzlich könnte ich mir das weiterhin gut vorstellen, ja."
In einem Gespräch mit dem Magazin "Bunte" hatte Spahn bereits 2021 gesagt: "Ich denke, wir wären gute Eltern" (queer.de berichtete). (cw)














