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Comedian
Wann haben Sie gemerkt, dass Sie witzig sind, Julio Torres?
Mit seiner surrealen Komödie "Problemista" wurde der schwule Autor und Schauspieler Julio Torres auch in Deutschland bekannt. Jetzt meldet sich der 39-Jährige bei HBO Max mit dem Comedy-Special "Color Theories" zurück.

Julio Torres (Bild: HBO Max)
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7. April 2026, 06:22h 4 Min.
Nach seinem Studium an der New School in New York City fasste der in El Salvador geborene Julio Torres in der Comedy-Szene der US-Metropole Fuß. Einige Jahre lang gehörte er zum Emmy-nominierten Autor*innen-Team der Sketch-Show "Saturday Night Live", dann startete er auf eigene Faust und mit sehr besonderem und eigenwilligem Material durch.
Auf Torres' erstes eigenes Comedy-Programm "My Favorite Shapes" 2019 folgten zwei von ihm (mit-)verantwortete Serien: "Los Espookys" und "Fantasmas", für die er jeweils den renommierten Peabody Award erhielt. Und 2024 brachte der schwule Komiker auch noch den Film "Problemista" in die Kinos, den er als Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Regisseur verantwortete und für den er Tilda Swinton als weibliche Hauptdarstellerin gewinnen konnte (Filmkritik von Fabian Schäfer).
Jetzt meldet sich der 39-Jährige, der mit dem Schauspieler James Scully ("You") liiert ist, beim Streamingdienst HBO Max mit einem neuen Comedy-Special namens "Color Theories" zurück und stand dafür in einem virtuellen Pressegespräch Rede und Antwort.

Das Comedy-Special "Color Theories" kann seit Ende März 2026 bei HBO Max gestreamt werden
Julio, "Color Theories" ist eine Mischung aus absurder Stand-up-Comedy, surrealem Design und einer verspielt-intellektuellen Auseinandersetzung mit Identitäts- und Emotionsfragen. Warum war es nach etlichen Jahren, in denen Sie mit Serien und Filmen beschäftigt waren, an der Zeit für ein solches Bühnenprogramm?
Die Idee zu "Color Theories" hat sich recht organisch entwickelt, letztlich als Nachwirkung von "Problemista" und "Fantasmas". An dem Film und der Serie hatte ich unmittelbar nacheinander gearbeitet, und um dann für beides die Werbetrommel zu rühren, stand ich relativ häufig auf Stand-up-Bühnen. Dort stellte ich immer wieder die unterschiedlichsten Überlegungen an, die irgendetwas mit Farben zu tun hatte. Mit der Zeit fing ich an, diese zunächst noch sehr disparaten Gedanken miteinander zu verweben, bis sie eine gewisse Form annahmen. So entstand nach und nach ein echtes Programm daraus.
Haben Sie die Arbeit auf der Bühne vermisst? Was gibt Stand-up Ihnen, das Sie bei der Arbeit an einem Film oder einer Serie vielleicht nicht finden?
Das Unmittelbare an Stand-up-Comedy ist schon etwas sehr Besonderes. Feedback, Genugtuung, all das gibt's ja sofort, wenn man vor einem Publikum live auftritt. Wo sonst könnte ich einen Gedanken, den ich gerade erst hatte, sofort direkt mit Zuschauer*innen teilen? Für ungeduldige Kunstschaffende ist Stand-up also das perfekte Outlet, denn einen Film zu schreiben und auf die Leinwand zu bringen, dauert ja ewig. Sketche zu schreiben bei "SNL" war auch ziemlich unmittelbar, da schrieben wir jede Woche neues Material für die Live-Sendung – und dann merkt man sofort, ob ein Gag funktioniert oder nicht. Das kann ziemlich berauschend sein, zumindest wenn's gut läuft. Ab und zu brauche ich das auf jeden Fall noch, gerade wenn ich ein paar Jahre lang nur an Sachen mit großem Vorlauf und viel Vorbereitung in der Produktion gearbeitet habe.
Wann haben Sie eigentlich gemerkt, dass Sie witzig sind und Ihre Bestimmung in der Comedy liegt?
In meiner Jugend, zumindest den späteren Jahren, begann ich zu realisieren, dass ich witzig sein kann. Was zu großen Teilen daran lag, dass ich schon in meiner Kindheit ein sehr genauer Beobachter war – und irgendwann immer besser wurde, meine Beobachtungen und Gedanken in halbwegs amüsante Worte zu verpacken und mit meinem Umfeld zu teilen. Zu 100 Prozent sicher sein, ob die anderen mich auch wirklich genauso lustig finden wie ich mich selbst, konnte ich natürlich nicht. Aber irgendwie bin ich dann trotzdem meinem Bauchgefühl gefolgt und in Richtung Stand-up abgebogen. Ohne zu wissen, wohin mich dieser Weg führen würde.
Lassen sich mittels Humors andere, vielleicht wahrhaftigere Dinge sagen als ohne?
So pauschal kann ich das nicht beantworten. Für mich ganz persönlich kann ich einfach sagen, dass ich sehr viel ehrlicher sein kann, wenn ich mich humorvoll äußere. Weil Humor einfach mir selbst entspricht; ohne Witz weiß ich mich gar nicht auszudrücken. Und wenn man wirklich dem Publikum etwas Wahrhaftiges mitgeben will, ist Stand-up natürlich ganz besonders gut dafür geeignet. Denn anders als in einem Film oder einer Serie hat es dort wirklich das Gefühl, die Worte kämen direkt von mir, nicht von einer Kunstfigur.
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Schreiben Sie für die Bühne denn auch anders als für die Kamera?
Vielleicht könnte man sagen, dass ein Bühnenprogramm etwas baukastenartiger entsteht. Da nehme ich lauter einzelne Ideen und setze sie nach und nach zusammen, ohne immer einen großen Bogen im Blick zu haben. Bei einem Film wie "Problemista" muss es natürlich auch eine Handlung geben, das ist man vielleicht ein bisschen weniger flexibel. Wobei ich sagen muss, dass auch die meisten meiner anderen Projekte, gerade die Serien, meistens damit beginnen, dass ich erst einmal einfach nur alle möglichen Einfälle und Ideen irgendwie zu arrangieren versuche.
Apropos "Problemista", wird es denn einen weiteren Spielfilm von Julio Torres geben?
Wenn es nach mir geht, auf jeden Fall. Ich fange gerade damit an, einen neuen zu schreiben. Nur leider kann ich noch kein bisschen abschätzen, wie lange ich brauchen werde, bis daraus wirklich etwas wird.
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