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Josh O'Connor und Paul Mescal in "The History of Sound": Was für ein Duo!

Im queeren Historienfilm "The History of Sound" spielen die Publikumslieblinge Paul Mescal und Josh O'Connor die Hauptrollen. Was kann da schon schiefgehen?


Die Musikstudenten Lionel (Paul Mescal, l.) und David (Josh O'Connor) sammeln traditionelle Volkslieder – und verlieben sich dabei ineinander. Dann trennen sich ihre Wege plötzlich… (Bild: Fair Winter LLC)

David kennt die Volkslieder, die Lionel ihm nennt. "Pretty Saro"? Natürlich. "Fair Winter"? Auch. Aber "Silver Dagger"? Da muss David kurz überlegen, legt seine Stirn in Falten – und verneint. Dann soll Lionel ihm das Lied eben vorsingen. Nein, wenn sich alle hier in der Kneipe so laut unterhalten, geht das nicht.

Eine Ausrede, die David nicht gelten lässt. Also klatscht er laut in die Hände und bittet um Ruhe. Die Leute werden still. Lionel winkt erst ab, zögert. Dann setzt er seine Brille ab und legt los. David ist sichtlich ergriffen. "Don't sing love songs, you'll wake my mother", singt er. Und weiter: "Sie sagt, ich könne nicht deine Braut werden. Alle Männer sind falsch, sie erzählen dir böse Lügen."

Sie müssen sich ein Wasserglas teilen

"Silver Dagger" ist ein altes Volkslied, dessen Ursprünge bis nach Großbritannien zu Beginn des 19. Jahrhunderts reichen. Und dessen Text die Liebe und die Konflikte der zwei Musikstudenten am Konservatorium, Lionel und David, vorwegnimmt. Ihre Beziehung beginnt aber gerade erst: Hier, in einer Kneipe in Boston, wo der eine am Klavier sitzt und der andere von den Liedern angezogen wird. Es ist 1917, der Erste Weltkrieg in Europa aber noch weit weg.

Sie singen die ganze Nacht, sie trinken, sie lachen. Die Musik verbindet sie – und sie gehen gemeinsam spät nachts nach Hause. David besitzt aber nur ein sauberes Wasserglas. Also teilen sie sich das – eine erste intime Annäherung, die sich bald steigert. So könnte es ewig weitergehen.

Zwei starke Hauptdarsteller


Poster zum Film: "The History Of Sound" startet am 9. April 2026 bundesweit im Kino

Das schwule Historiendrama "The History of Sound" beginnt stark, was natürlich auch an den zwei Hauptdarstellern liegt: David wird gespielt von Josh O'Connor, der hier oft ein wenig verschmitzt lächeln kann, und dessen Grübchen nicht nur Lionel süß findet.

Der Brite Josh O'Connor wurde einem queeren Publikum schon 2017 mit "God's Own Country" bekannt, spielte später in "The Crown" mit, in "La chimera" und im sexy Tennis-Drama "Challengers" von Luca Guadagnino.

Das Glück eines ersten Verliebtseins

Ihm an der Seite steht als Lionel der Ire Paul Mescal, der für seine Hauptrolle in "Aftersun" für einen Oscar nominiert wurde. Im Drama "All of Us Strangers" hatte er seine erste schwule Rolle. Jetzt darf er also wieder eine traurig-melancholische Hauptrolle übernehmen.

Das ist eine hochkarätige Kombi, die jedoch leider nur anfangs funktioniert. Die Musik sorgt für einen guten Rhythmus. Die Ausstattung, von Outfits über Requisiten bis zu Sets, wirkt zwar authentisch, bisweilen aber einfach ein bisschen zu makellos. Das Kennenlernen der zwei Studenten verfolgt man dennoch gerne, in der gemeinsamen Zeit schwingen Unbeschwertheit und das Glück eines ersten Verliebtseins mit. Gerade für einen historischen Film spielen Zweifel angesichts der schwulen Liebe kaum eine Rolle.

Sie genießen die Musik und einander

Das alles wird vom Ersten Weltkrieg jäh unterbrochen, in den David eingezogen wird. Als er zurückkehrt, meldet er sich wieder bei Lionel. Die beiden brechen auf, um für ein Forschungsprojekt traditionelle Volkslieder zu sammeln und aufzunehmen. Ein Trip, bei dem die zwei in einem Zelt übernachten – und die Natur, die Musik und einander genießen. Doch der Sommer endet abrupt, und beide können ihn nicht vergessen.

Es ist nicht der erste queere und historische Film des südafrikanischen Regisseurs Oliver Hermanus. Vor einigen Jahren drehte er das aufwühlende Drama "Moffie" über einen schwulen Wehrdienstleistenden in der Apartheids-Armee.

Lionel zieht nach Europa

Mit "The History of Sound" verfilmt er nun die gleichnamige Kurzgeschichte von Ben Shattuck aus dem Jahr 2018, die im vergangenen Jahr auf Deutsch erschien. Der Autor schrieb das Drehbuch für die Verfilmung selbst.

Doch dabei, so scheint es, verzettelte er sich. Die Geschichte der zwei jungen Männer umfasst nicht einmal 50 Seiten, im Film werden die jedoch auf über zwei Stunden gedehnt. Manche Entscheidungen sind dabei nur schwer verständlich.

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So zieht Lionel nach dem gemeinsamen Sommer mit David nach Europa. Für seine Zeit dort räumt das Drama aber so wenig Zeit ein, dass Personen und Konflikte gar nicht greifbar werden. Er sei schon zu lange in Rom, er wolle weiter, sagt Lionel – in der dritten Szene, die in Italien spielt. Und auch seine Unikarriere in Oxford ist nach zehn Minuten abgehandelt.

Man schaut eher interessiert als ergriffen zu

Was wäre, wenn? Diese große Frage bestimmt Lionels Gefühle. Diese Ungewissheit lässt ihn nicht los, sie macht ihn ruhe- und ratlos. Das sind Gedanken, die gerade ein queeres Publikum gut kennt – wo unsere Gefühle nicht selten unerwidert bleiben und für unmöglich gehalten oder unterdrückt werden.

Und dennoch zerfasert "The History of Sound" nach der Hälfte der Zeit zunehmend. Die Ortswechsel und Zeitsprünge distanzieren emotional von der Hauptfigur, statt sie zu vertiefen. Lionel ist immer weniger ein plastischer Charakter als eine Figur, der man eher interessiert als ergriffen zusieht. Erst zum Ende hin wird – sehr effektiv – nochmal auf die Tränendrüse gedrückt. Da wird dann aufgeholt, was davor verpasst wurde.

Infos zum Filmri

The History Of Sound. Romantikdrama. USA 2025. Regie: Oliver Hermanus. Cast: Josh O´Connor, Paul Mescal, Chris Cooper, Molly Price, Raphael Sbarge, Michael D. Xavier, Brian Hutchison, Michael Schantz, Peter Mark Kendall, Emma Canning, Hadley Robinson, Alessandro Bedetti, Gary Raymond, Alison Bartlett. Laufzeit: 128 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 6. Verleih: Universal. Kinostart: 9. April 2026
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The History Of Sound
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