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Fundamentalismus

Bremen: Evangelische Kirche unterstützt Hasspastor Olaf Latzel weiter

Die Landeskirche hält eine "Evangelisations"-Woche zusammen mit der St.-Martini-Gemeinde ab – kurz bevor diese mit Homo-Hassern und -"Heilern" ein Seminar abhält.


Olaf Latzel im August 2024 vor dem Bremer Landgericht (Bild: IMAGO / epd)
  • 9. April 2026, 12:16h 4 Min.

Das Aufklärungs- und Recherchekollektiv "FundiWatch" hat kritisiert, dass die Bremische Evangelische Kirche (BEK) "dem 'Hassprediger' Olaf Latzel wieder eine Bühne bietet". Die evangelikale St.-Martini-Gemeinde um den umstrittenen Pastor steht seit Jahren wegen Queerfeindlichkeit und Fundamentalismus in den Schlagzeilen.

Vor einigen Jahren wurde Latzel gar wegen Volksverhetzung angeklagt, nachdem er in einem auf Youtube veröffentlichten Eheseminar unter anderem CSD-Besucher*innen als "Verbrecher" und "gelebte Homosexualität" als "todeswürdig" bezeichnet hatte (queer.de berichtete). Nach Verhandlungen in mehreren Instanzen stellte das Landgericht Bremen den Prozess im Sommer 2024 gegen eine Geldauflage Latzels gegenüber dem Bremer Verein Rat&Tat-Zentrum für queeres Leben ein (queer.de berichtete). Die Landeskirche hatte sich einerseits mehrfach von Latzel distanziert, aber während des Prozesses ein Disziplinarverfahren gegen den Pastor ruhen lassen.

Letztlich verhängte sie im letzten Sommer für queerfeindliche Äußerungen Latzels eine mehrjährige Gehaltskürzung um fünf Prozent (queer.de berichtete). Wenig später musste sie sich von der Mitgliedskirche erneut distanzierzen, nachdem dort der frühere ZDF-Moderator Peter Hahne unter anderem queerfeindlich gepredigt hatte (queer.de berichtete).

"Respektvolle" Evangelisation mit Latzel & Co.

Nun geht der "Schlingerkurs" ("FundiWatch") der BEK weiter: Ihre gesamtkirchliche Arbeitsstelle "Lighthouse" richtet vom Montag, den 20., bis Freitag, den 24. April zusammen mit der St. Martini-Gemeinde eine "Aktionswoche Evangelisation" aus, mit Workshops und Veranstaltungen in der Kirche, "auf der Straße" sowie online. Zum Programm gehört eine tägliche, auch auf Youtube übertragene Andacht mit Latzel und – zwei Tage nach dem Zeitraum – ein Gottesdienst aus der Kirche. Es gehe darum, "das Evangelium klar zu formulieren und mutig 'Eins zu Eins'" weiterzugeben, heißt es auf der Webseite des BEK-Projekts.


So bewirbt das BEK-Projekt "Lighthouse" die Aktionswoche

Nach Angaben von "FundiWatch" habe man die Landeskirche vor Ostern um Stellungnahme zu diversen Fragen zu der Zusammenarbeit gebeten, etwa wie diese zu Distanzierungen passe und wie die Kirche dem "wachsenden Einfluss christlich-fundamentalistischer Strömungen begegnen" wolle, wenn sie gleichzeitig mit entsprechenden Akteuren kooperiere. Die erhaltene kurze Antwort könnte "nichtssagender und ausweichender kaum sein", so "FundiWatch", biete keine Einordnung der Zusammenarbeit und keine Abgrenzung.

Konkret habe die BEK-Leitung demnach geantwortet: "Alle Veranstaltungen des Lighthouse Bremen finden auf der Grundlage von 'MissionRespekt.Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt' statt", so die Kirche unter Verweis auf ein internationales und überkirchliches, etwa auch vom Vatikan veröffentlichtes Papier. "Die Bremische Evangelische Kirche geht davon aus, dass sich auch die von Ihnen genannte Veranstaltung des Lighthouse auf der Basis dieses Konsenspapiers bewegt." Eine versehentlich von "FundiWatch" erhaltene Email der Presseabteilung der Kirche lege zudem nahe, dass man das Thema kleinhalten wolle. Dabei hatte das Kollektiv wissen wollen, ob die Kirche Latzel und seine Gemeinde "ernsthaft für einen geeigneten Partner" halte, und das "ausgerechnet unter dem Leitbild 'Mission Respekt'".

Vernetzung queerfeindlicher Akteure

Besonders brisant ist die Zusammenarbeit von BEK und St. Martini, weil die Latzel-Gemeinde am Samstag zwischen der Aktionswoche und dem ebenfalls beworbenen Sonntagsgottesdienst einen "Studientag" über "Christenverfolgung" abhält, als Veranstalter zusammen mit ADF International und dem Gemeindehilfsbund.

Bei "Alliance Defending Freedom" handelt es sich um eine einflussreiche und finanzstarke US-Organisation, die vor allem in den USA mit Musterprozessen die angeblich gefährdete "Religionsfreiheit" als Waffe gegen die Rechte queerer Menschen nutzt. Zunehmend nimmt sie auch in Europa Einfluss auf Politik und Justiz. Der Leiter der internationalen Rechtsabteilung mit Sitz in Wien, Felix Böllmann, ist einer der angekündigten Redner in Bremen. Er ist auch Mitautor eines Buches über den "Fall Latzel", es trägt den Untertitel: "ein Rufmord mithilfe der Justiz".


Aus dem Flyer der Tagung zu "Christenverfolgung"

Auch der Gemeindehilfsbund, mit dem untergeordneten Gemeindenetzwerk ein Zusammenschluss evangelikaler Akteure und Gemeinden wie St. Martini, ist nicht harmlos, unterstützt etwa offen "Homo-Heilung": "Gott kann verändern – und er wird es sich nicht verbieten lassen!", ließ das Netzwerk etwa im Januar verlautbaren, nachdem sich der Europarat für ein Verbot von "Konversionstherapien" aussprach (queer.de berichtete).

"Auf der Grundlage der Heiligen Schrift bezeugen wir, dass der dreieinige Gott Menschen dazu befähigen kann, Wege der Veränderung einzuschlagen, auch auf dem Gebiet der sexuellen Orientierung", betonte der Gemeindehilfsbund (der auch trans oder inter Menschen mit einem Leben im "biologischen" Geschlecht "in Einklang" bringen will). Einer der beiden Autoren der Pressemitteilung: Pastor Dr. Stefan Felber, der ebenfalls am 25. Mai in Bremen sprechen soll.

Er ist Leiter des Gemeindehilfsbundes, der bereits 2024 ein offenbar an Jugendliche gerichtetes und kostenlos verbeitetes Büchlein veröffentlichte unter dem Titel "Unser Weg aus der Homosexualität". Es bietet "für seelsorgerische Fragen" auch eine Kontakt-Emailadresse des Gemeindeverbunds, die offenbar in Anspielung auf "Coming-out" mit "comingback" beginnt. (nb)

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