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Nachruf
Die schwule Seite eines Machos: Zum Tod von Mario Adorf
In seinen Filmen verkörperte Mario Adorf traditionelle heterosexuell-männliche Rollenbilder. Es gibt jedoch auch einen Film, in dem er sich sexuell für das eigene Geschlecht interessiert.

Mario Adorf (2.v.l.) in "Engelchen macht weiter – hoppe, hoppe, Reiter" (Bild: Houwer-Film)
- 10. April 2026, 04:28h 3 Min.
Das Rollenprofil von Mario Adorf (1930-1926) war über Jahrzehnte stark von Figuren geprägt, die Lebenslust und Kraft ausstrahlten. In seinen Filmen vertrat er traditionelle heterosexuell-männliche Rollenbilder, sei es als Schurke, Mafiosi, Patriarch oder Liebhaber. In seiner sehr umfangreichen Filmografie gibt es wohl nur eine einzige Filmrolle von ihm, die mit Homosexualität in Verbindung steht.
"Engelchen macht weiter – hoppe, hoppe, Reiter" (1969)
Diese Ausnahme – "Engelchen macht weiter – hoppe, hoppe, Reiter" (1969) – ist im Kontext der sexuellen Revolution zu sehen, die vor etwas mehr als 50 Jahren in Deutschland begann und die Gesellschaft nachhaltig veränderte. Über Sexualität wurde ganz neu nachgedacht. 1969 ist auch das Jahr, in dem der § 175 StGB entschärft und damit schwuler Sex unter erwachsenen Männern legalisiert wurde.
In diesen Jahren schwappte eine regelrechte Sex-Welle durch die Kinos der Nation. Anfangs vor allem Aufklärungsfilme – später unzählige Sex-Komödien. In diesen Komödien ging es recht oft um Homosexuelle, manchmal auch um heterosexuelle Männer, die für schwul gehalten wurden oder sich ihrer sexuellen Orientierung nicht sicher waren. In den 1970er Jahren war dies ein pikanter, aber insgesamt immer noch harmloser Humor.
In "Engelchen macht weiter – hoppe, hoppe, Reiter" (1969) ist Mario Adorf in der Hauptrolle des in München-Schwabing lebenden Gustl zu sehen. Gustl hat Lust auf etwas Neues und will mit seiner Frau Helene eine Gruppensexparty organisieren. Zuvor sieht man ihn auf einer Party, wo er aus Versehen ein Männerbein streichelt. Er reagiert zwar letztendlich ablehnend, aber zum Teil auch mit Interesse, wie sich denn ein fremdes Männerbein so anfühlt.

Gustl (Mario Adorf) streichelt ein Männerbeim (Bild: Houwer-Film)
Später trifft er sich mit seiner Frau Helene zum sexuellen Partnertausch mit einem anderen Paar, wo etwas Ungewöhnliches passiert: Die Frau möchte mit Helene und der Mann mit Gustl tanzen und alle vier Personen können sich auf diese Situation einlassen. Die Filmszene wird kurz danach abgeblendet – schade.
Die Bewertung

Poster zum Film
Der Filmtitel setzt Reiten als leicht erkennbare sexuelle Metapher ein. Der Film wird u.a. mit einem Motiv beworben, bei dem Helene reitet, während Gustl von hinten dem Pferd an den Schwanz greift. Durch die Filmszenen ist es sehr leicht, in diesen beiden Handlungen eine symbolische Bedeutung zu erkennen.
Es ist eine typische Produktion der späten 1960er Jahre, die im Rahmen einer Komödie Erotik mit gesellschaftskritischem Humor verbindet und die sexuellen Befreiungsversuche der Zeit satirisch beleuchtet. In der Form, wie dieser Film die Lust an homosexuellen Experimenten thematisiert, kann er weitgehend als emanzipatorisch angesehen werden. Leider endet der Film mit einem Lob auf die heterosexuelle Monogamie und verkehrt damit einen großen Teil seiner Botschaft wieder ins Gegenteil. Die Rolle von Mario Adorf ist auf Komik, der Darstellung sexueller Frustration und Neugier angelegt, was Adorf stets meisterhaft verkörpert.
Der Text basiert auf dem Buch "Von Oswalt Kolle bis Schulmädchen-Report: Schwule in den Aufklärungsfilmen und Sex-Komödien der 1970er Jahre" (Amazon-Affiliate-Link ) von Erwin In het Panhuis und wird hier mit freundlicher Genehmigung des Autors veröffentlicht.
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