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Serientipp

Queeres Mikrodrama mit Herz – aber schon etwas kurz

Die Episoden sind vertikal gedreht und dauern nur eineinhalb Minuten. Doch die Story des ersten queeren deutschen Mikrodramas "Size Does Matter" zieht durchaus rein. Im Zentrum steht ein pummliger schwuler Single.


Samy (Denis "Marshall" Ölmez, l.) und Markus (Kevin Silvergieter) in "Size Does Matter"

Hauptdarsteller Denis "Marshall" Ölmez bringt die Misere in den Medienunterlagen zu "Size Does Matter" ziemlich gut auf den Punkt: "Mir bedeutet die Hauptrolle so viel, da ich als mehrgewichtige und queere Person häufiger Ausgrenzung erfahren habe. Menschen wie wir werden in Liebesgeschichten eher an den Rand gestellt – wenn wir überhaupt vorkommen. In 'Size Does Matter' darf diese Figur im Mittelpunkt stehen. Das hat etwas Echtes."

Echt wohl im Sinne von: Die meisten Menschen entsprechen eher nicht den Mainstream-Idealen jung, schlank, attraktiv, gut trainiert und können dementsprechend kaum mithalten mit dem enormen Körperkult, den es gerade auch in der queeren Szene gibt. Ölmez' Charakter Samy verkörpert geradezu das pure Gegenteil dieser Ideale. Für Queers wie ihn ist es schwierig in den gnadenlosen Dating-Apps, wie queer.de auch schon berichtet hat: "Keine Dicken", "No Asians", "Brillenträger zwecklos", "No trans" stehe in nicht wenigen Profilen, in persönlichen Messages werde es noch viel unfreundlicher.

Eine unerwartete Romanze

Serienerfinder Kevin Silvergieter hat sich für das erste queere deutsche Mikrodrama also ein durchaus relevantes Thema ausgesucht – und spielt auch gleich die zweite Hauptfigur Markus: schlank, gut trainiert und somit äußerlich eine ganz andere Liga als Samy. Die beiden laufen sich in der ersten Episode zufälligerweise in einem Café über den Weg und haben einen kurzen Austausch, weil sie das exakt gleiche Getränk bestellt haben. Und Samy erkennt auch gleich: Das ist doch der Typ, den er abends auf ein Date trifft!

Das Problem ist nur: Markus erwartet dabei den ziemlich attraktiven Tom, weil Samy sich mit Hilfe von KI auf der Dating-Plattform ein wenig aufgehübscht hat. Als er dann am Abend vor Markus steht, der ihn zuvor im Café durchaus sympathisch fand und auch gleich wiedererkennt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Schummelei zu gestehen. Doch dann passiert das Unerwartete: Markus lässt sich dennoch auf das Date ein. Und nicht nur das, die beiden landen schließlich sogar im Bett. Aber kann daraus tatsächlich mehr werden?

@sizedoesmattervertikal

Klaut Markus nur Samys Kurkuma Latte? Oder auch sein Herz? Finde es heraus in Folge 1 von Size Does Matter Deutschlands erste queere Vertical Serie. Folgt uns und verpasst keine Folge! CREW Drehbuch, Regie, Co-Produktion Dirk Rosenlöcher @diro_tv Idee, Produktion Kevin Silvergieter @silvergieterlinings Kamera (DoP) Anton Blattner @anton_blatti Licht Filip Boban @lannieshots Set-Ton Stefanos Pachidis @st.efa_02 & Julius Braun @juleston_smp Aufnahmeleitung, Produktionsassistenz Hannah Johannsmeier @hannahxaw Szenenbild, Kostüm Kata Klinger @klinger.ka Maske (H&M) Lara Schmidt @laraschmitt_makeup , Arielle Waschke @arielle , Soraya Ariya @soraya_ariya_ Schnitt, Postproduktion Dirk Rosenlöcher @diro_tv Tonmischung: Jonas Weu @jonasweu Set-Fotografie, Behind the Scenes Philipp Gärtner @ph_gaertner CAST Markus Kevin Silvergieter @kevin.silvergieter.actor Samy Denis "Marshall" Ölmez @marshall Lisa Sabrina Anderlick @sabrinaanderlick Barista Lovely Brackmann @lovelie.brackmann Ex-Freund Camil Morariu @karmacamilion Nachmieterin Elena Halangk @elena.halangk Drängler Mickey Jukovic @mickey.jukovic_1 Freundin des Dränglers Marie Cloos @mariecloos

Originalton – sizedoesmatter
TikTok / sizedoesmatter | Die erste Folge auf TikTok
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Zwangsläufig extrem wenig Zeit

Aktuell sind fünf der angekündigten sieben Folgen auf YouTube, TikTok und Instagram veröffentlicht – bei einer Laufzeit von etwa 1,5 Minuten pro Folge also gut 7 Minuten Handlung. Das klingt nach wenig und ist es irgendwie auch. Es bleibt zwangsläufig extrem wenig Zeit, den Figuren neben der unmittelbaren Handlung und dem Cliffhanger, der zum Weiterschauen verleiten soll, noch etwas Charakter und Hintergrund zu verleihen. Dennoch kommt durchaus rüber, dass Markus sich selbst überrascht damit, dass er auf einen Typen wie Samy anspricht. Und dass Samy sehr empfindlich ist bezüglich seines Aussehens und deswegen schon reichlich schwierige Erfahrungen hinter sich hat.

Trotz der knappen Zeit passt also einiges rein in so ein Mikrodrama – ein Format, das in China entstand und sich dort mittlerweile enormer Beliebtheit erfreut. 2022 expandierten Mikrodramen in andere Länder, insbesondere auch in die USA; laut Schätzungen generierten sie außerhalb Chinas bereits 2024 einen Umsatz von 1,4 Milliarden Dollar – Prognosen rechnen bis 2030 mit 9,5 Milliarden. Allein in China erzielte das Format 2025 einen Umsatz von rund 9 Milliarden Dollar.

Warum nicht als Teaser für einen richtigen Film?

Mittlerweile sind diese stets vertikal gefilmten Online-Kurzgeschichten auch in Europa angekommen, hier aber noch nicht sehr verbreitet. Übliche Genres sind Romanzen wie "Size Does Matter", aber auch Familiendramen oder Fantasy. Das Publikum der Mikrodramen, die meist auf dem Mobiltelefon geschaut werden, ist jung – rund die Hälfte ist unter 34, gehört also zu einer Generation, die mit dem Internet und Handys aufgewachsen ist und laut zahlreichen Studien oft nur über eine eher eingeschränkte Aufmerksamkeitsspanne verfügt. Die kurzen, schnell erzählten, oft emotionalen Geschichten sind genau darauf ausgerichtet.

Auch "Size Does Matter" hält sich an die Konventionen des Formats, doch eigentlich hätte der schwierige Umgang mit Körperidealen in der queeren Szene mehr Zeit und Substanz verdient. Warum das Mikrodrama nicht als eine Art Teaser-Trailer nutzen und auf dieser Grundlage einen richtigen Film über Samy und Markus drehen? Damit ließen sich neben dem nun bereits angefixten Online-Publikum sicherlich auch ältere Generationen ansprechen. Umso mehr als das Thema ja fast alle irgendwie betrifft, die nicht jung, schlank, attraktiv und gut trainiert sind – also die große Mehrheit von uns.

-w-