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April 2026
Heiliger des Monats: James
Einmal monatlich verneigen wir uns vor schwulen Heiligen. Im April vor James. Er wird in allen Parlamenten dieser Erde angerufen, wenn es gilt, sich auf Pragmatismus und Kompromissfähigkeit zu besinnen.

Bild: F. G. Borghi (Bild: Keine Autoreninfo)
- Von Björn Koll
13. April 2026, 04:11h 3 Min.
Das Coffee-Table-Book "Unholy" von F. G. Borghi (Bild) und Björn Koll (Text) ist die erste "fast vollständige Hagiographie der schwulen Heiligen" – und wie es sich für devotionale Kunst gehört, gibt es die ikonischen Mannsbilder inzwischen nicht mehr nur als Buch, sondern auch als Postkartenheft oder als Kalender. Und bei uns. Einmal monatlich verneigen wir uns vor den schwulen Heiligen des Monats. Im April vor dem Heiligen James.
James Logan wurde 1844 in Charlottetown (heute Kanada und die Hauptstadt der Provinz Prince Edward Island) geboren und verstarb 1880 auf einer Expedition im Arktischen Archipel. James arbeitete als Kellner im Province House seiner Heimatstadt und versorgte vom 1. bis 8. September 1864 die Teilnehmer der Charlottetown-Konferenz aufs Beste. Bei der Konferenz ging es ursprünglich um den möglichen Zusammenschluss der sogenannten Seekolonien Nova Scotia, New Brunswick und Prince Edward Island zu einer Maritimen Union, die weniger abhängig vom britischen Mutterland und wehrhafter gegen die Vereinigten Staaten sein sollte, die ja gerade ihren Sezessionskrieg führten.
Die 24 männlichen Konferenzteilnehmer taten das, was Männer bei Konferenzen so tun: Jeder redete sehr viel und hörte sehr wenig zu. James war übermüdet, denn er verbrachte die Nächte in jener Zeit mit einem Zirkusartisten, der gerade in der Stadt gastierte. Kurz bevor die Konferenz zu scheitern drohte, platzte ihm der Kragen: Man solle sich jetzt endlich mal etwas mehr anstrengen und Mühe geben, eine Einigung zu finden, schließlich könne er seine Zeit sonst auch mit was Unterhaltsamerem (dem Artisten) verbringen. James' Machtwort war ein Wendepunkt. Danach verhandelten die Väter der Konföderation deutlich zielorientierter, und zur Folgeveranstaltung, der Québec-Konferenz vom 10. bis 27. Oktober 1864, wurde James — inzwischen fest mit dem Zirkusartisten liiert — offiziell hinzugebeten, um auch diesmal gut aufzupassen.
So sorgte er beim Hauptstreitpunkt für einen Kompromiss, im Rahmen dessen die Macht zwischen Bundes- und Provinzregierungen geteilt wurde. Auch bei der Londoner Konferenz im Jahr 1866 sorgte er für Ordnung, sodass am 1. Juli 1867 endlich die Konföderation gegründet wurde. Ohne James Logan gäbe es Kanada also genauso wenig wie es Politik ohne Kompromisse gibt. Leider gilt James seit einer Expedition zum Tanquary Camp auf Ellesmere Island als verschollen. Möglicherweise musste er nachts betrunken noch mal raus und wurde von einem Eisbären verspeist.
James Logan wird in allen Parlamenten dieser Erde angerufen, wenn es gilt, sich auf Pragmatismus und Kompromissfähigkeit zu besinnen. Unverständlicherweise hat der italienische Künstler James auf unserer Abbildung mit einem Gürtel gezeichnet. Im wahren Leben war James am liebsten ganz nackt, und zwar nicht nur an seinem Gedenktag, dem 13. April.
Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch "Unholy" von F.G. Borghi (Illustrationen) und Björn Koll (Text), das bei Salzgeber erschienen ist. In der Vorbemerkung heißt es: "Was Sie in diesem Buch lesen, gehört in die Kategorie Historische Fiktion, einige würden vielleicht auch von Historischem Blödsinn sprechen. Will sagen: Keiner der hier beschriebenen Heiligen hat je gelebt und nichts von dem, was über sie behauptet wird, stimmt." Alle "Unholy"-Produkte sowie viele weitere nichtheteronormative Bücher und Filme gibt es u.a. im Salzgeber.Shop.
F. G. Borghi, Björn Koll: Unholy. An Almost Complete Hagiography of Gay Saints. Texte auf Deutsch und Englisch. 192 Seiten. Salzgeber. Berlin 2025. Hardcover: 59 € (ISBN 978-3-95985-713-0)
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