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Interview

"Ich verkörpere alles, was Trump nicht mag: trans und Einwanderin"

Wir sprachen mit trans Model Mimi Tao über ihre Schauspielrolle in der zweiten Staffel der deutschen Netflix-Serie "Crooks", ihr Leben als queere Thailänderin in den USA und ihre Vorbildfunktion.


Mimi Tao am Set der zweiten Staffel von "Crooks" in Bangkok (Bild: Netflix)

Wer in den vergangenen Jahren mal die US-Modedesign-Show "Project Runway" gesehen hat, dürfte sich zweifelsohne an Mimi Tao erinnern. 2019 war die Thailänderin das erste trans Model, das in der Sendung die Entwürfe der Kandidat*innen auf den Laufsteg brachte – und das machte sie so gut, dass sich in den Folgejahren die Designer*innen regelmäßig darum stritten, mit Tao zusammenarbeiten zu dürfen.

Nun gibt Tao, die in ihrer Jugend sechs Jahre lang Mönch in einem buddhistischen Kloster war, bevor sie ihre Transition begann und die Liebe zum Modeln entdeckte, ihren Einstand als Schauspielerin. In der gerade gestarteten zweiten Staffel der Netflix-Serie "Crooks" mit Frederick Lau spielt sie eine tragende Rolle.

Bei einem Besuch am Set in Bangkok stand sie uns im Frühjahr 2025 in einer Drehpause Rede und Antwort.

Mimi, wollten Sie immer schon Schauspielerin werden?

Eigentlich habe ich davon schon geträumt, bevor ich das Modeln für mich entdeckt habe. Wirklich eine andere Person zu verkörpern, ist ja doch etwas ganz anderes, als Mode auf dem Laufsteg zu präsentieren. Komplexer und tiefschürfender. Erste Erfahrungen am Set habe ich schon vor etlichen Jahren einmal gesammelt, noch vor meiner Modelkarriere. Da war ich bei einer kleinen Produktion eigentlich die Assistentin der Kostümbildnerin, bin dann aber auch kurzfristig vor der Kamera in einer kleinen Rolle eingesprungen. Ich hoffte damals auf doppelte Bezahlung (lacht). Aber auch wenn ich letztlich nur für den Kostüm-Job bezahlt wurde, hat mich diese erste Schauspiel-Erfahrung komplett begeistert.


Mimi Tao als Achara in "Crooks" (Bild: Netflix)

Wie sind Sie schließlich in der deutschen Netflix-Serie "Crooks" gelandet?

Das kam über ein ganz normales Casting zustande. Als der Regisseur Marvin Kren beschloss, dass die neuen Folgen zum Teil in Bangkok spielen, tat er sich mit einer thailändischen Casterin zusammen. Die hatte mich kurz vorher gerade für eine dänische Produktion besetzt und schlug mich für "Crooks" vor. Die Rolle war gar nicht für eine trans Frau vorgesehen. Aber als Marvin mein Bewerbungsvideo sah und wir uns dann auch trafen und über mein Leben unterhielten, wollte er mich unbedingt als Achara haben. Und ich war so begeistert von dieser Chance, dass ich nur allzu gerne bereit war, New York erst einmal den Rücken zu kehren und zurück nach Thailand zu kommen. Auch wenn das bedeutete, dass ich nach vier Staffeln "Project Runway" dort erst einmal aussetzen musste beziehungsweise nur im Finale laufen konnte.

Wie würden Sie die Frau, die Sie nun in "Crooks" spielen, eigentlich beschreiben?

Achara ist so ziemlich das Gegenteil von mir, deswegen war es eine echte Herausforderung, sie zu spielen. Sie hat eine starke, aber auch sehr geheimnisvolle Persönlichkeit und ist eine echte Beschützerin. Während für mich nichts über Freundlichkeit geht, lächelt Achara eigentlich nie. Trotzdem glaube ich, dass es Bestimmung war, dass ich diese Rolle bekommen habe. Denn es geht in den neuen "Crooks"-Folgen auch um die Gottheit Rahu – und in deren Sternbild bin ich geboren. Aber ich will eigentlich gar nicht zu viel vorab verraten.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zur zweiten Staffel von "Crooks"
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Ist Thailand eigentlich nach wie vor Ihr Zuhause?

Oh ja, auf jeden Fall. Ich habe immer gerne in New York gelebt, aber das ist nicht mein Zuhause, sondern ein Ort, an dem ich arbeite. Und so, wie sich in den USA zuletzt die Situation für trans Personen und allgemein die LGBTI-Community verändert hat, fühle ich mich dort ohnehin nicht mehr so wohl wie früher. Ich verkörpere ja alles, was Trump nicht mag: trans und Einwanderin!

Wo sehen Sie Ihre Zukunft? Weiterhin auch in der Modewelt oder vor allem als Schauspielerin?

Ich möchte auch in Zukunft noch als Model arbeiten. Aber auf jeden Fall auch noch viel häufiger als Schauspielerin vor der Kamera stehen. Das Wichtigste ist mir, akzeptiert zu werden. Ich möchte zeigen, dass jemand wie ich sich nicht in irgendwelche Schubladen stecken lassen muss. Ein positives Beispiel dafür zu sein, dass jeder in der LGBTI-Community alles sein und erreichen kann, was man sich vornimmt. Auch wenn es nicht leicht ist.

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Waren Sie sich dieser Vorbildfunktion schon bewusst, als Sie erstmals bei "Project Runway" mitmachten?

Kein bisschen. Darüber habe ich damals gar nicht nachgedacht und tue es auch jetzt nicht von früh bis spät. Ich will in erster Linie einfach ich selbst sein. Dazu gehört auch meine positive und unerschütterlich optimistische Art. Immer nur mit dem Schlimmsten zu rechnen und sich Sorgen zu machen, hilft niemandem. Auch ich habe natürlich Angst und schlechte Tage, aber ich versuche immer, den Schmerz und die Traurigkeit auch wieder loszulassen. Damit offen dafür bin, das Leben zu lieben, Inspiration zu finden und glücklich zu sein. Denn das ist es, was mich ausmacht. Wenn ich damit anderen ein Vorbild sein kann, umso besser!

-w-