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Schwule Erotik, Kunst und Lebensrealitäten

Die 22. Ausgabe von "Mein schwules Auge" ist da

Die neue Ausgabe des homoerotischen Jahrbuchs aus dem Konkursbuch Verlag steht diesmal unter dem Motto Thema "Bordello".


Der aktuelle Band "Mein schwules Auge / My Gay Eye #22" kreist um Stricher und Freier, Zuhälter und Spieler (Bild: Marc Martin)
  • 19. April 2026, 10:00h 4 Min.

Das zweisprachige erotische Jahrbuch "Mein schwules Auge / My Gay Eye" erscheint in diesem Jahr in seiner 22. Ausgabe. Das Titelthema lautet "Bordello". Die Anthologie vereint Bilder und Texte in deutscher und englischer Sprache und wird seit 2003 jährlich veröffentlicht. Nach Verlagsangaben wurden bislang Arbeiten von weit mehr als 500 internationalen Künstler*innen und Autor*innen präsentiert, darunter auch Positionen, die schwule Erotik und schwules Leben jenseits eines westlich geprägten "Gay Way of Life" zeigen.

Die Herausgeber Rinaldo Hopf und Johnny Abbate widmen die diesjährige Ausgabe einem Schauplatz, den sie im wörtlichen wie im übertragenen Sinn verstehen: dem Bordell als Ort von Strichern, Sündern und Heiligen des Sex. Versammelt sind Geschichten, Zeichnungen, Fotografien, Gedichte und Fantasien. Im Zentrum stehen dabei Lust, Sehnsucht und Freiheit, aber auch Ambivalenzen und Abgründe.

Der aktuelle Band kreist um Stricher und Freier, Zuhälter und Spieler. Verhandelt werden Themen wie Verbrechen, Überleben, Verführung und Spektakel, ebenso Orgien, Lasterhöhlen und Tempel der Ekstase. Es geht um die männliche Muse, um Rohheit, Wildheit und das Verbotene. Der Klappentext beschreibt das Heft als eine Welt, in der Licht und Schatten aufeinandertreffen und in der schwules Begehren und harter Kommerz kollidieren.

60 Künstler*innen aus 30 Ländern


"Mein schwules Auge / My Gay Eye #22" ist im Konkursbuch Verlag erschienen

Ein eigenes Kapitel ist dem kürzlich verstorbenen Filmemacher und Künstler Rosa von Praunheim gewidmet. Verwiesen wird dabei auch auf dessen Film "Nicht der Homo­sexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" von 1971, der als ein wichtiger Bezugspunkt der deutschen Schwulenbewegung gilt.

Rinaldo Hopf verantwortet bei dem Jahrbuch seit Jahren den Bildteil. Seit 2025 gehört der italienische Fotograf Johnny Abbate zum Herausgeberteam; er übernahm den Platz des russischen Fotografen Fedya Ili, der seit 2019 mit Hopf zusammenarbeitete. Der Textteil wurde bis 2018 von dem Berliner Autor und Journalisten Axel Schock betreut.

In der aktuellen Ausgabe sind Arbeiten von 60 Künstler*­innen aus 30 Ländern versammelt. Genannt werden unter anderem Marc DeBauch, Francesco Brunetti, Bruce LaBruce, Albrecht Dürer, Onur Hastürk, Michael Kirwan, Dirk Lang, Lukasz Leja, Marc Martin, Slava Mogutin, The Amir und The Male Muse. Hinzu kommen Textbeiträge etwa von Crauss, Brad Fairchild, Jack Fritscher, Dino Heicker, Magnus Hirschfeld, Pancho Assoluto, Pierre Louis, Jens Rosteck, Wieland Speck und Charles Turner.

Herausgegeben wird "Mein schwules Auge" (Amazon-Affiliate-Link ) im Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke in Tübingen. Dort erscheint seit den frühen 1980er Jahren auch die Anthologie "Mein heimliches Auge", die sich in Wort und Bild mit Erotik in unterschiedlichen Facetten beschäftigt. Später kamen mit "Mein lesbisches Auge" ab 1998 und "Mein schwules Auge" ab 2003 zwei weitere Reihen hinzu.


Im Zentrum der neuen Ausgabe stehen Lust, Sehnsucht und Freiheit, aber auch Ambivalenzen und Abgründe (Bild: Slava Mogutin)

Jede Ausgabe der schwulen Anthologie steht unter einem anderen Schwerpunkt. In den vergangenen Jahren lauteten die Titelthemen unter anderem "Love not War", "Uncensored", "Sex Utopia", "Outdoors" und "Body Issues". 2018 entstand eine Zusammenarbeit mit der Tom of Finland Foundation in Los Angeles; seitdem erscheint der Sammelband zweisprachig auf Deutsch und Englisch. Das "Berlin Special" von 2019 stellte unter anderem Arbeiten von Rainer Fetting, Eva & Adele, Norbert Bisky und Wolfgang Tillmans vor.

Auch Ausstellungen begleiteten das Projekt bereits. 2006 war "Mein schwules Auge" erstmals im Schwulen Museum in Berlin zu sehen, anschließend wurde die Schau in Madrid unter dem Titel "La mirada gay" fortgesetzt. In den folgenden Jahren kamen weitere Präsentationen in privaten Galerien in Berlin und München sowie in Los Angeles hinzu.


"Hotel Kensington"; Bleistift auf Papier; 2023 (Bild: Francesco Brunetti)

Die Herausgeber verstehen das Jahrbuch seit jeher als Ort für künstlerische Positionen, die in traditionellen Galerien und Medien oft keinen Platz finden – etwa wegen ihres expliziten oder kontroversen Charakters. Zugleich soll die Reihe ein breites Spektrum schwuler Erotik und Kunst sichtbar machen: von sozialistischen Holzschnitten Jürgen Wittdorfs über die Zusammenarbeit des US-Fotografen Waswo X. Waswo mit indischen Miniaturmaler*­innen bis hin zu jüngeren internationalen Positionen wie Yu-liang Liu aus Taiwan, Tareq de Montfort aus Kuwait und Felix d'Eon aus Mexiko. (dd/pm)

Infos zum Buch

Rinaldo Hopf, Johnny Abbate (Hrsg.): Mein schwules Auge / My Gay Eye: Bordello. Das Jahrbuch der schwulen Erotik, Band 22. Paperback. 384 Seiten. Konkursbuch Verlag. Tübingen 2026. 25 €. ISBN: 978-3-88769-930-7.

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Galerie:
Mein schwules Auge 22
18 Bilder
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