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Interview
Wie haben Sie sich auf die Rolle als Luis Molina vorbereitet, Tonatiuh?
Der US-Schauspieler Tonatiuh gehört zu den queeren Shooting Stars der Stunde. Zu seiner ersten Kino-Hauptrolle in "Kiss of the Spider Woman" beantwortete uns der 31-Jährige einige Fragen.

Archivbild: Tonatiuh 2025 beim Sundance Film Festival (Bild: IMAGO / Everett Collection)
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20. April 2026, 12:49h 4 Min.
Keine Frage: Tonatiuh (31) gehört zu den queeren Shooting Stars der Stunde. Bereits vor ein paar Jahren fasste der in Los Angeles geborene Sohn mexikanischer Einwanderer*innen, der beruflich auf seinen Nachnamen Elizarraraz verzichtet, dank einer Rolle in der Serie "Vida" Fuß, kurz darauf spielte er in der kurzlebigen Familiensaga "Promised Land" den schwulen Sohn eines Latino-Patriarchen und eine Nebenrolle im Netflix-Film "Carry On" mit Taron Egerton.
Nun war er gerade als Modedesigner Narcisco Rodriguez in der Erfolgsserie "Love Story" zu sehen und spielt im Musical "Kiss of the Spider Woman" vom schwulen Regisseur Bill Condon seine erste Kino-Hauptrolle (Filmkritik von Fabian Schäfer). Bei einer virtuellen Pressekonferenz beantwortete Tonatiuh aus diesem Anlass vor einigen Monaten ein paar Fragen.

Poster zum Film: "Kiss of the Spider Woman" läuft seit 16. April 2026 bundesweit im Kino
Tonatiuh, "Kiss of the Spider Woman" basiert auf dem berühmten Roman "Der Kuss der Spinnenfrau" des schwulen argentinischen Schriftstellers Manuel Puig, der in den 1980er Jahren bereits für einen Oscar-prämierten Film und dann als erfolgreiches Broadway-Musical adaptiert wurde. Haben Sie den Erwartungsdruck gespürt, der mit solchen Vorlagen einhergeht?
Selbstverständlich. Aber Bill Condons Drehbuch war nun für sich genommen so gut, dass mir nur aufgrund seiner poetischen Worte die Kniee schlackerten. Mit ihm sowie Jennifer Lopez und Diego Luna arbeiten zu dürfen, das war für mich, als dürfte ich an den Olympischen Spielen teilnehmen, mit den Besten der Besten. Ich machte mir also von Beginn an nichts vor und wusste, dass dieses Projekt die reinste Freude, aber auch verdammt harte Arbeit sein würde.
Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Zunächst einmal musste ich Gewicht verlieren. Ich hatte vorher gerade den Film "Carry On" gedreht und keine zwei Monate Zeit, rund 25 Kilo abzunehmen, um körperlich einerseits glaubwürdig jemanden spielen zu können, der in einer Diktatur im Gefängnis sitzt. Und andererseits, um auch das gesamte Gender-Spektrum dieser Rolle abdecken zu können. Denn ich spiele ja nicht nur den Häftling Luis Molina – eine für mich nichtbinär gelesene Figur -, sondern auch einen in Luis' Kopf existierenden Filmstar in den 1940er Jahren, der eine sehr viel traditionellere Männlichkeit verkörpert. Dabei habe ich mich an Montgomery Clift orientiert, etwa in "Die Erbin". Aber ich habe eben auch viel darüber nachgedacht, wie tief verinnerlicht jemand wie er damals den Schmerz des Ungeoutet-Seins haben muss. Wobei mein Vorbild für den Haaransatz von Kendall Nesbit eher Errol Flynn war. (lacht)

Jennifer Lopez und Tonatiuh in "Kiss of the Spider Woman" (Bild: 2026 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH)
"Kiss of the Spider Woman" ist kein Musical wie jedes andere…
In der Tat nicht! Dass es hier im Kern auch um die Würde sowohl der LGBTQ- als auch der Latino-Community geht, ist etwas sehr Besonderes und war für mich ganz entscheidend bei diesem Projekt. Ich habe mich meines Berufs immer schon mit der Hoffnung angenommen, dass ich als Künstler mit meinem Körper einem übergeordneten Zweck dienen kann. "Kiss of the Spider Woman" ist ein Fall, wo das wirklich geglückt ist, finde ich, und sich zum Entertainment eben auch noch etwas Größeres gesellt.
Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Jennifer Lopez und Diego Luna erlebt?
Was Jennifer angeht, fehlen mir eigentlich die Worte. An ihrer Seite singen und tanzen zu müssen, war unbeschreiblich respekteinflößend. Ich habe trainiert wie Sylvester Stallone in "Rocky", um auch nur annährend mit ihr mithalten zu können. Was Diego angeht, machte Bill Condon uns das riesige Geschenk, unsere Gefängnisszenen in chronologischer Reihenfolge zu drehen. Wir trafen uns das erste Mal vor laufender Kamera, in jenem Moment, in dem sich auch Luis Molina und Valentín Arregui das erste Mal begegnen. Tag für Tag, Szene für Szene kamen wir uns näher, genau wie die beiden, und wuchs die Liebe, die Bindung und die Offenheit zwischen uns. Alles unter den wachsamen Augen von Jennifer, die als Foto an der Wand der Gefängniszelle neben uns hing. Am letzten Drehtag flossen bei mir die Tränen, weil ich mich nicht von Diego verabschieden wollte.
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Weil es in "Kiss of the Spider Woman" auch darum geht, wie viel Kraft das Kino geben kann und dass Filme auch ein Safe Space sein können: Welcher Film bedeutet Ihnen besonders viel?
Auch wenn ich das Kino liebe, muss ich da doch eine Fernsehserie nennen. Nämlich die Zeichentrickserie "Steven Universe Future" von Rebecca Sugar. Jede Folge hat nur gut zehn Minuten, und wie hier von Kindheitstraumata erzählt wird und davon, was es bedeutet, von seiner Familie und seinem Umfeld gesehen und geliebt zu werden, ist unfassbar süß. Wenn ich mich wohlig und geborgen fühlen will in Zeiten wie diesen, könnte ich das immer wieder gucken.
Kiss of the Spider Woman. Drama, Musicalfilm. USA 2025. Regie: Bill Condon. Cast: Diego Luna, Tonatiuh, Jennifer Lopez, Bruno Bichir, Josefina Scaglione, Aline Mayagoitia, Lynn Favin, Will Fitz, Driton "Tony" Dovolani, Kevin Michael Brennan, Debra Cardona, Thomas Canestraro, Odain Watson. Laufzeit: 128 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih: Sony Pictures Germany. Kinostart: 16. April 2026
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