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Katholische Kirche

Gänswein kritisiert Papst Franziskus wegen queer­freundlicher Äußerungen

Der Schwarzwälder Geistliche war enger Vertrauter von Benedikt XVI., doch zu Papst Franziskus hatte er ein schwieriges Verhältnis.


Erzbischof Georg Gänswein war einst ein enger Vertrauter von Papst Benedikt XVI. – und teilte dessen Abneigung gegen die Gleich­behandlung für queere Menschen (Bild: IMAGO / Independent Photo Agency Int.)

  • 20. April 2026, 16:46h 3 Min.

Der 69-jährige Erzbischof Georg Gänswein hat Papst Franziskus (1936-2025) vor dessen erstem Todestag auch kritisch beurteilt. Manche Aussagen seien "aus dem Munde eines Papstes zumindest überraschend", sagte er der italienischen Zeitung "La Repubblica" (Bezahlartikel). Dabei bezog er sich insbesondere auf eine viel beachtete Äußerung von Franziskus aus dem Jahr 2013 zu homosexuellen Gläubigen: "Wer bin ich, dass ich urteile?" (queer.de berichtete).

Das Verhältnis zwischen Franziskus und Gänswein, der inzwischen Papstbotschafter im Baltikum ist, galt über Jahre hinweg als belastet. Der aus dem Schwarzwald stammende Geistliche war langjähriger Privatsekretär von Benedikt XVI. (1927-2022) und betreute den emeritierten Papst nach dessen Rücktritt 2013 fast zehn Jahre lang. Nach dessen Tod veröffentlichte Gänswein 2022 das Buch "Nichts als die Wahrheit". Darin äußerte er Enttäuschung über Franziskus und machte teils private Briefe öffentlich. In der Folge wurde er zunächst in seine Heimat versetzt und später als Vatikan-Botschafter ins Baltikum entsandt.

Zwei Päpste im Vatikan, aber laut Gänswein kein Machtkampf

Gänswein schilderte die außergewöhnliche Phase nach dem Rücktritt des Deutschen, mit bürgerlichem Namen Joseph Ratzinger, in der zeitweise zwei Päpste im Vatikan lebten. Dies sei jedoch häufig missverstanden worden: "Es gab nur einen Papst", sagte er. Die oft beschriebene Doppelspitze sei zwar "beispiellos", die Männer hätten aber keine gleichberechtigte Autorität gehabt. Benedikt sei tatsächlich "Papst Emeritus" gewesen.

Die gleichzeitige Präsenz zweier weiß gekleideter Männer habe zwar für Verwirrung gesorgt, aber Ratzinger habe bewusst Unterschiede betont – etwa durch veränderte Kleidung und ein zurückhaltenderes Auftreten. Franziskus habe seinen Vorgänger "sehr brüderlich" behandelt. Berichte über größere geistliche Konflikte seien "stark übertrieben", so Gänswein.

Auch die Darstellung, Benedikt sei eine Art Anlaufstelle für konservative Kritiker*innen geworden, treffe so nicht zu, betonte der Geistliche. Vielmehr sei im Laufe der Zeit eine gewisse Vertrautheit gewachsen, die sich auch in kleinen Gesten zeigte – etwa bei gegenseitigen Geschenken, zitierte ihn "La Repubblica".

Papst Franziskus starb am Ostermontag des vergangenen Jahres im Alter von 88 Jahren. Gänswein erlebte 2013 seine Wahl zum Oberhaupt von rund 1,4 Milliarden Katholik*innen aus nächster Nähe.

Gänswein hat bereits wiederholt davor gewarnt, dass die katholische Kirche auch für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten geöffnet wird. So warnte er 2021 mit Blick auf Liberalisierungstendenzen in Deutschland vor einer "Anbiederung" an queere Menschen (queer.de berichtete).

Wegen des engen Kontakts zwischen Gänswein und Papst Benedikt XVI. hatte es in der Vergangenheit Spekulationen um das Verhältnis der beiden gegeben (queer.de berichtete). 2013 zeigte das Satire-Magazin "Titanic" ein Foto der beiden Geistlichen und titelte dazu: "Benedikt und sein Georg – Endlich Sex!" (queer.de berichtete). (dpa/cw)

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