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Feministische Lesarten

Medusa: Vom Monster zum Symbol für weibliche Wut

Das neue Buch "Antike Mythen ohne Männer" von Mara Gold zeigt, wie stark antike Normen weibliches Verhalten regulierten und wie dauerhaft diese Muster wirkten.


Mara Gold rekonstruiert anhand von 40 Figuren die weiblichen Archetypen der klassischen Welt: Jungfrau, Hausfrau, Kriegerin, Femme fatale, Hexe, Wahnsinnige oder Monster (Bild: OpenAI)
  • 21. April 2026, 08:55h 2 Min.

Antike Mythen sind weitgehend männliche Schöpfungen. Frauen erscheinen in ihnen häufig als Verführerinnen, Opfer oder Bedrohung, als Projektionsflächen für Ängste, Wünsche und gesellschaftliche Ordnungsvorstellungen. Mara Gold nimmt diese Überlieferung zum Ausgangspunkt und rekonstruiert anhand von 40 Figuren die weiblichen Archetypen der klassischen Welt: Jungfrau, Hausfrau, Kriegerin, Femme fatale, Hexe, Wahnsinnige oder Monster.

Wie antike Normen weibliches Verhalten regulierten


"Antike Mythen ohne Männer" ist als gebundene Ausgabe und E-Book erhältlich

Im Mittelpunkt stehen die Erzählungen von Circe, Helena, Medea und vielen anderen Frauenfiguren, deren Deutungen von ihrer historischen Entstehung bis in die Gegenwart verfolgt werden. Dabei wird deutlich, dass diese Geschichten nie statisch waren, sondern immer wieder neu gelesen, umgedeutet und politisch aufgeladen wurden. Gold fragt nicht nur, wie Frauen in den Mythen erscheinen, sondern auch, welche gesellschaftlichen Regeln und Machtverhältnisse sich in diesen Bildern ablesen lassen. Besonders sichtbar wird das am Beispiel Medusas: Lange dominierte das Bild eines vernichtenden Monsters, inzwischen steht die Figur zunehmend auch für weibliche Wut und für den Widerstand gegen patriarchale Gewaltverhältnisse.

"Antike Mythen ohne Männer" zeigt, wie stark antike Normen weibliches Verhalten regulierten und wie dauerhaft diese Muster wirkten. Die alten Erzählungen lieferten Modelle für Gehorsam und Abweichung, für Tugend und Gefahr, für das, was Frauen sein durften – und für das, was sanktioniert wurde. Gerade das gesellschaftlich als inakzeptabel Markierte erweist sich in modernen Deutungen jedoch oft als produktiv: Aus bedrohten, dämonisierten oder ausgeschlossenen Figuren werden heute komplexe Identifikationsangebote und neue Heldinnenbilder. Das Buch ist jetzt mit 70 farbigen Abbildungen als 240 Seiten starke, gebundene Ausgabe für 25 Euro sowie als E-Book für 18,99 Euro (Amazon-Affiliate-Link ) erschienen.


Mara Gold beschäftigt sich mit modernen Konzepten von Geschlecht, Sexualität und Feminismus (Bild: privat)

Die Autorin Mara Gold promoviert derzeit in Klassischer Philologie und Literatur am St Hilda's College der Universität Oxford. Sie beschäftigt sich mit der Rezeption klassischer Literatur im Zusammenhang mit modernen Konzepten von Geschlecht, Sexualität und Feminismus. (dd/pm)

Infos zum Buch

Mara Gold: Antike Mythen ohne Männer. Jungfrau, Mutter, Kriegerin, Göttin, Monster u. a. Feministische Lesarten erobern bekannte Geschichte(n) zurück. Aus dem Englischen von Gabriele Stein. 240 Seiten. Mit farbigem Vorsatzpapier und Lesebändchen und 70 farbige Abbildungen. Dumont Verlag. Köln 2026. Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag: 25 (ISBN 978-3-7558-2027-7). E-Book: 18,99 €

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