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Sachsen-Anhalt

"Wir müssen uns leider auch für die kommende CSD-Session auf Angriffe einstellen"

In Schönebeck beginnt an diesem Samstag die Christopher-Street-Day-Saison in Sachsen-Anhalt. Trotz Sicherheitskonzepten und verstärktem Polizeischutz ist die Community verunsichert – und fordert mehr Solidarität.


Menschen im vergangenen Jahr beim CSD in Wernigerode (Bild: IMAGO / Frank Drechsler)
  • 23. April 2026, 07:58h 3 Min.

Es wird wieder bunt und laut mit einem klaren Statement für Vielfalt und Akzeptanz: In Schönebeck beginnt an diesem Samstag die Christopher-Street-Day-Saison in Sachsen-Anhalt. Bis zum 26. September sind in Städten wie Dessau-Roßlau, Köthen, Wernigerode, Magdeburg, Halle und Stendal weitere Feste, Kundgebungen und Umzüge geplant. Vom 9. bis zum 11. Oktober wird Magdeburg dann zum Treffpunkt Europas Pride-Bewegungen.

"Gerade in einer Zeit, in der queere Rechte zunehmend unter Druck geraten, ist es ein starkes Signal, dass die europäische Pride-Community sich hier – mitten in Sachsen-Anhalt – versammelt", hatte es bei der Ankündigung im vergangenen Jahr geheißen. Laut dem Verein CSD Magdeburg wurden in den vergangenen Jahren CSDs behindert und queere Veranstaltungen angefeindet.

Mobile Opferberatung: 10 Angriffe bei CSDs 2025

Das Gewaltopferberatungsprojekt "Mobile Opferberatung" hat für das vergangene Jahr zehn Angriffe mit elf direkt Betroffenen im Zusammenhang mit insgesamt sechs Christopher Street Days in Sachsen-Anhalt dokumentiert. Darunter sind drei gefährliche Körperverletzungen, zwei einfache Körperverletzungen und fünf Bedrohungen gewesen.

So seien gleich zu Beginn der CSD-Saison am 26. April 2025 in Schönebeck (Salzlandkreis) Teilnehmer*innen beleidigt und bedroht worden. Einem 20-jährigen Teilnehmer wurde den Angaben zufolge von einem 19-jährigen Rechten mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Der Täter habe danach "Heil Hitler!" skandiert. Am 26. Juni seien in Wittenberg CSD-Teilnehmer*innen unter anderem als "biologischer Abfall" queerfeindlich beleidigt und bedroht worden. Parallel zur CSD-Demonstration hätten die Jungen Nationalisten, Jugendorganisation der Partei "Die Heimat" (ehemals NPD), eine Gegendemonstration mit etwa 70 Teilnehmenden veranstaltet.

"Wir müssen uns leider auch für die kommende CSD-Session auf Angriffe einstellen, trotz Sicherheitskonzepten und verstärkten Polizeischutz", sagt Antje Arndt von der Projektleitung der Mobilen Opferberatung. "Umso wichtiger ist es, sich solidarisch mit der queeren Community zu zeigen und für das Recht geschlechtlicher und sexueller Selbstbestimmung einzustehen."

Zahlen aus dem Innenministerium zeigen einen Anstieg

Für das vergangenen Jahr sind in der Statistik zur Politisch motivierten Kriminalität (PMK) für Sachsen-Anhalt 50 Straftaten im Themenfeld geschlechtsbezogene Diversität erfasst (2024: 32) sowie 77 Straftaten mit Blick auf sexuelle Orientierung (2024: 48), so das Innenministerium in Magdeburg. Straftaten könnten in beide Themenfelder fallen.

Die Delikte fallen unter Hasskriminalität, weil es sich um Straftaten handelt, bei denen Personen aufgrund einer von Vorurteilen gegen ein Geschlecht, eine geschlechtliche Identität oder eine sexuelle Orientierung geleiteten Tatmotivation heraus Opfer werden.

Mit Blick auf die sexuelle Orientierung von Personen seien das im vergangenen Jahr vorwiegend 28 Beleidigungen gewesen, 15 Propagandastraftaten, 9 Volksverhetzungen, 8 Sachbeschädigungen, 7 Bedrohungen und 3 Körperverletzungen. Bei der geschlechtsbezogenen Diversität wurden beispielsweise 17 Beleidigungen, je 7 Volksverhetzungen und Propagandastraftaten, 4 Bedrohungen und ebenfalls 3 Körperverletzungen erfasst.

CSD-Bilanz 2025 und die Pläne der Polizei 2026

"Im Umfeld von Veranstaltungen von Christopher-Street-Day-Veranstaltungen wurden in 28 Fällen Straftaten registriert, die dem Themenfeld 'sexuelle Orientierung' und/oder 'geschlechtsbezogene Diversität' zugeordnet wurden", so das Innenministerium. Mit Blick auf die anstehenden CSDs befinde sich die Landespolizei in fortlaufender Abstimmung mit den Organisator*innen sowie den zuständigen kommunalen Sicherheitsbehörden.

"Ziel ist es, einen sicheren und störungsfreien Verlauf des jeweiligen CSD zu gewährleisten. Die Einsatzkonzepte werden fortlaufend überprüft und erforderlichenfalls angepasst." Das Innenministerium betonte: "Anspruch der Landespolizei ist es, allen Betroffenen mit der nötigen Professionalität und Empathie entgegenzutreten." (cw/dpa)

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