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Dämonisierung
AfD warnt vor "Dragqueen-Sumpf"
Die AfD kultiviert weiter das Feindbild Dragqueen – in Zusammenarbeit mit ihrem inoffiziellen publizistischen Arm "Nius".

Birgit Bessin erhält nach ihrer Tirade wohl keine Schminktipps von Dragqueens (Bild: IMAGO / dts Nachrichtenagentur)
- 23. April 2026, 12:14h 4 Min.
Die AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag hat am Mittwoch in einer Pressemitteilung gefordert, Kinder vor dem "Dragqueen-Sumpf" und anderer "linker Propaganda" zu "schützen". Anlass ist die Auszeichnung des Theaters Oberhausen mit dem Theaterpreis des Bundes, obwohl das Kulturhaus angeblich auch Dragqueenkurse für Kinder anbiete. Damit bezieht sich die Fraktion auf einen Artikel des mehrfach wegen unrichtiger Berichterstattung verurteilten Rechtsaußen-Magazins "Nius".
Das Portal von Julian Reichelt hatte in einem Artikel Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) attackiert, weil der von seinem Haus vergebene Theaterpreis an Einrichtungen verliehen worden sei, die sich "links bis linksradikal" positionierten. Als Beweis wurde etwa aufgeführt, dass das Oberhausener Theater "Drag-Schminkkurse auch für Kinder" anbiete.

(Bild: nius.de)
Dabei handelte es sich um einen der vielen Kurse des Hauses im Ruhrgebiet – konkret den kostenlosen "Workshop: Drag-Make-Up" mit Dragqueen Loreley Rivers am 12. April. Die Veranstaltung richtet sich dabei allerdings nicht direkt an Kinder. Vielmehr hatte "Nius" eigenen Angaben zufolge unter falschem Namen angefragt, ob man seinen Sohn zu dem Kurs mitbringen könne. Die Antwort des Theaters: "Grundsätzlich kannst Du natürlich auch immer Deinen Sohn mitnehmen. (Es sei denn, er ist noch sehr, sehr klein, dann müsste man gucken, aber sonst spricht nichts dagegen)."
"Staatliche Förderung für LGBTIQ-Projekte ist unverzüglich einzustellen"
Die AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Bessin empörte sich kurz nach Erscheinen des Berichtes: "Nach dem Kinderporno-Skandal um die sogenannte Dragqueen Jurassica Parka ist es erschreckend, dass sich die Dragqueen-Schminkkurse eines mit Steuergeld ausgezeichneten Theaters explizit auch an Kinder richten. Offenbar hat man nichts aus dem Parka-Skandal gelernt", so die 48-Jährige. "Für die AfD-Fraktion ist klar: Unsere Kinder müssen vor dem Dragqueen-Sumpf geschützt werden – und vor jeglicher linker Propaganda. Staatliche Förderung für LGBTIQ-Projekte ist unverzüglich einzustellen." Die Forderung ist nicht neu: Bereits vor neun Jahren hatte Bessin als brandenburgische Landtagsabgeordnete die Streichung aller Gelder für queere Organisationen gefordert (queer.de berichtete).

Bild: X
Der Fall um die Berliner Dragqueen Jurassica Parka hatte letztes Jahr für Aufregung gesorgt: Die Boulevardzeitung B.Z. hatte im Oktober berichtet, dass gegen Mario O., wie die Dragqueen bürgerlich heißt, ein Ermittlungsverfahren "wegen des Verdachts der Verbreitung und des Besitzes von kinderpornografischen Inhalten" eingeleitet worden sei (queer.de berichtete). Wenig später deckte das Szenemagazin "Siegessäule" auf, dass Parka bereits vor zwei Jahren wegen eines derartigen Vergehens rechtskräftig zu einer Geldstrafe in Höhe von 11.200 Euro verurteilt worden war (queer.de berichtete). Zwar distanzierten sich frühere Weggefährtinnen wie Margot Schlönzke oder Jacky-Oh Weinhaus umgehend von Parka und betonten, dass Kinderpornografie ein Verbrechen sei. AfD-Politiker*innen nahmen allerdings alle Dragqueens in Sippenhaft und erklärten sie zu einer pauschalen Gefahr für Kinder.
Verbotsfantasien gegen Dragqueens gibt es übrigens nicht nur in der AfD: So erklärte die frühere Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) etwa 2023 Dragqueens zu einer Gefahr für Kinder und regte an, sie aus der Öffentlichkeit zu verbannen (queer.de berichtete).
AfD-Attacke gegen Weimer
Götz Frömming, der kulturpolitische Sprecher der AfD, startete außerdem nach dem "Nius"-Bericht eine Attacke auf Kulturstaatsminister Weimer, der "Kulturzerstörung statt Kulturförderung" finanziere: "Die versprochene Politikwende der Union fällt auch im Bereich Kulturpolitik aus. Die Verantwortung dafür trägt Herr Weimer, der mit seinem Amt völlig überfordert ist und sich von einem Skandal zum nächsten hangelt." Allerdings ist Weimer kein queerer Kulturkämpfer, ganz im Gegenteil: In einem Buch hatte 2017 hatte er sich etwa gegen das Coming-out von Homosexuellen ausgesprochen (queer.de berichtete).

Wolfram Weimer gilt wie die AfD als Gegner von LGBTI-Rechten – doch selbst er ist der AfD offenbar zu links (Bild: Jesco Denzel / Bundesregierung)
Der "Nius"-Bericht kritisierte auch drei andere ausgezeichnete Theater, das Dresdner Festspielhaus Hellerau, das Theater Lindenhof im Dörfchen Melchingen auf der Schwäbischen Alb sowie das Stellwerk in Weimar. Auch sie verbreiteten laut dem Magazin "linksradikale" Dinge. Das Dresdner Haus habe sich etwa mit dem Anti-Extremismusprojekt "Radikale Töchter" solidarisiert, dem der Bund die Förderung gestrichen hatte. Das schwäbische Theater hatte, wie viele andere Theater in der Region auch, das Stück "Wer lange wartet, stirbt" der Kulturwissenschaftlerin Karina Wasitschek aufgeführt, das von Klimaaktivismus handelt. Das Weimarer Stellwerk hatte sich mit der "Black Lives Matter"-Bewegung solidarisiert und Rassismus in Deutschland kritisiert, was nach Ansicht von "Nius" offenbar ebenfalls linksradikal ist. (dk)












