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Analyse
Angriffe auf CSDs: Für die Community sind sie die "neue Normalität"
Nur knapp die Hälfte der insgesamt 243 Pride-Veranstaltungen 2025 in Deutschland verlief ohne dokumentierte queerfeindliche Vorfälle. Das geht aus einem neuen Bericht des Autor*innenkollektivs Feministische Intervention hervor.

Neonazi-Protest gegen den CSD Bautzen im Jahr 2025
- 23. April 2026, 13:43h 3 Min.
Auch in diesem Jahr hat das Autor*innenkollektiv Feministische Intervention (AK Fe.In) eine Analyse der Angriffe auf und Anfeindungen gegen CSDs in der vergangenen Pride-Saison veröffentlicht. Demnach sind 2025 nur 45,2 Prozent der insgesamt 243 analysierten CSD-Veranstaltungen ohne dokumentierte Vorfälle verlaufen.
Als Vorfälle erfassten die Autor*innen neben rechten Kundgebungen, Anfeindungen gegen und Angriffen auf CSDs auch Sachbeschädigungen, Shitstorms und Anfeindungen im Vorfeld. Für die Auswertung hat das AK Fe.In Presseveröffentlichungen, Polizeiberichte, zivilgesellschaftliches Monitoring, Auskünfte von Betroffenenberatungsstellen und mobilen Beratungsteams, Dokumentationen antifaschistischer Journalist*innen und eigene Beobachtungen vor Ort herangezogen.
"Das neue Normal ist queerfeindlich"
Zwar sei der ganz große Mobilisierungs-Erfolg von Neonazis im letzten Jahr ausgeblieben. Dennoch haben Störungen von CSDs um etwa 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Die Autor*innen stellen fest: "Die reine Analyse der angemeldeten (extrem) rechten Versammlungen vermittelt weiterhin ein unvollständiges und damit verharmlosendes Bild der Gesamtlage dessen, was CSD-Teilnehmende und Organisator*innen mittlerweile als neue Normalität annehmen müssen. […] Klar ist, dass sich aus einer Zusammenschau der vielen unterschiedlichen Quellen […] ein Bild ergibt, bei dem Störungen eher die Regel als die Ausnahme sind. Der Eindruck ist: Kaum ein CSD ohne den einen oder anderen Hitlergruß am Rande." Die Autor*innen bezeichnen diese Entwicklung als eine "Verschiebung der Normalität".
Immer wieder habe es "brenzlige Situationen" bei An- und Abreisen von CSD-Teilnehmenden gegeben; teilweise dann, wenn "die Polizei bereits die eigene Abreise angetreten" hat. Derartige Erfahrungen würden das "empowernde Erlebnis queerer Sicht- und Hörbarkeit" schmälern und den Teilnehmenden "die aktuelle gesellschaftliche Realität bereits auf dem Nachhauseweg laut und grölend in Erinnerung" rufen.
Die Rolle der AfD
Die AfD sei 2025 nur bei sechs der 243 CSDs in der Mobilisierung oder bei Gegenaktionen direkt beteiligt gewesen. Das bedeute aber nicht, so betonen die Autor*innen, dass die AfD keine "bedeutende Rolle für das Anheizen einer queerfeindlichen Stimmung spielen würde". Die Partei hätte zum Beispiel die queerfeindliche "Stolzmonat"-Kampagnen unterstützt oder durch parlamentarische Anfragen und Anträge die CSD-Organisator*innen und Teilnehmende unter Druck gesetzt. Die Autor*innen fassen es so zusammen: "[Es] arbeiten ihre Abgeordneten da, wo sie in Landes- oder Kommunalparlamenten vertreten sind (also nahezu überall bundesweit), energisch daran, CSDs und Prides zu verhindern".
Der Blick auf die CSD-Saison 2026
Die zuletzt getroffene Entscheidung der Stadt Dresden, dass es sich beim CSD um ein "unpolitisches Event" handeln würde, macht deutlich: Es braucht keine Neonazi-Horden, die den CSD aktiv bedrohen. Ausreichend sind erschwerende behördliche Auflagen, die es unmöglich machen, einen CSD zu organisieren oder durchzuführen. AK Fe.In stellt fest: "Ein Aspekt, der seit 2024 zugenommen hat, ist die Schikane durch kommunale oder Landes-Verwaltungen". Ob sich derartige Entwicklungen im Jahr 2026 weiterhin verstärken, bleibe abzuwarten.
Die Autor*innen rufen dazu auf, auch in der kommenden Pride-Season CSDs solidarisch zu unterstützen, zu schützen und zu besuchen: "Kleine CSDs sind Goldstaub und gelebter Widerstand gegen die rechte Raumnahme. Große CSDs gilt es zu repolitisieren: Wir müssen die Überschneidungen und die gemeinsamen Praxen von Antifaschismus, Feminismus und Queerpride nicht nur wahrnehmen, sondern ausbauen." (ls)
Links zum Thema:
» Das neue Normal ist queerfeindlich. Auswertung der rechten Angriffe auf CSDs in der Pridesaison 2025
Mehr zum Thema:
» Alle CSD-Termine 2026 auf queer.de














