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Dilemma in der katholischen Kirche

Papst bremst queere Segensfeiern aus – und jetzt?

Deutsche Bischöfe preschen vor – und der Papst bremst. Einmal mehr gibt es Gegenwind für katholische Reformversuche aus dem Vatikan. Wie geht es nun weiter?


Protest gegen Queerfeindlichkeit und Doppelmoral in der katholischen Kirche 2023 in Köln (Bild: IMAGO / epd)
  • 24. April 2026, 13:36h 4 Min.

Nach dem Nein von Papst Leo XIV. zu Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare in der katholischen Kirche suchen die deutschen Bistümer am Freitag nach Lösungen. Die Bischöfe würden über das weitere Vorgehen beraten, sagte ein Sprecher der Erzdiözese Bamberg.

Leo XIV. hatte am Vorabend auf dem Rückflug von einer langen Afrika-Reise klargestellt, dass der Vatikan mit einer weitergehenden Liberalisierung "nicht einverstanden" sei (queer.de berichtete). Insbesondere in Afrika lehnten große Teile der Kirche jede Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ab, so der Papst.

Der Papst reagierte damit auf das Vorgehen von Kardinal Reinhard Marx, der in seinem Erzbistum München und Freising die förmliche Segnung homosexueller Paare kürzlich mit einem Schreiben offiziell erlaubt hatte (queer.de berichtete). Auf die Frage, wie der Kardinal nun auf die Kritik des Papstes reagiere, gab es zunächst keine Antwort aus München.

Marx ist zwar nicht der einzige deutsche Bischof mit diesem Vorgehen – auch Georg Bätzing in Limburg und Bischof Helmut Dieser aus Aachen haben eine entsprechende Empfehlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) umgesetzt – aber der erste Kardinal.

Der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der reformorientierte Limburger Bischof Georg Bätzing, verteidigte das deutsche Vorgehen. Segensfeiern für homosexuelle Paare gingen "auf den Wunsch von katholischen Menschen in solchen Partnerschaften ein, die nicht kirchlich heiraten können oder wollen", die ihre "gelebte Treue und Verantwortung" aber dennoch unter den Segen Gottes stellen wollten, sagte Bätzing der Deutschen Presse-Agentur. Auch wenn solche Feiern nicht gänzlich auf der Linie des Vatikans seien, stünden sie nach seiner Überzeugung doch "in einem verantwortbaren Rahmen, der die Einheit der Kirche nicht gefährdet". Anfragen der dpa bei anderen Bistümern ergaben meist nur die Antwort: kein Kommentar.

Ähneln die Segensfeiern kirchlichen Trauungen?

Ende 2023 hatte der inzwischen verstorbene Papst Franziskus Segnungen mit Einschränkungen zugelassen (queer.de berichtete). Das Papier der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) geht aber aus Sicht konservativer Katholik*innen weit darüber hinaus, weil es richtige kirchliche Feiern ermöglicht und nicht nur kurze, allgemein gehaltene Segenssprüche. Konservative kritisieren, damit bewegten sich solche Segensfeiern in die Richtung von kirchlichen Trauungen, die allein Mann und Frau vorbehalten seien.

Bistümer unter konservativen deutschen Oberhirten wie Rudolf Voderholzer in Regensburg und Kardinal Rainer Maria Woelki aus Köln hatten darum bereits klargestellt, dass sie die Handreichung nicht umsetzen würden (queer.de berichtete). Das Bistum Eichstätt, das auch keinen Bedarf für die Umsetzung der Handreichung gesehen hatte, sieht sich nach der Äußerung des Papstes nun in seiner Praxis bestätigt. Ein Sprecher sagte: "Derzeit sehen wir für die Diözese Eichstätt keinen Anlass für Anpassungen. Maßgeblich bleibt für uns weiterhin die Orientierung an 'Fiducia supplicans'", also dem, was Papst Franziskus zum Thema ausgeführt hatte.

In der katholischen Kirche gilt: Sex doesn't sell

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sagte der dpa, Papst Leo wisse, dass man beim Thema Homosexualität keinen weltweiten Konsens herstellen und deshalb als amtierender Papst nur verlieren könne. "Er möchte Ruhe an dieser Front und keine aus seiner Sicht kritikwürdigen Alleingänge wie eine Handreichung, die ihn wieder unter Druck der konservativen Kreise, vor allem aus Afrika, setzen könnten." In der Kirche gelte der Leitsatz: "Sex doesn't sell" (Sex verkauft sich nicht).

Was Rom vorschwebe, sei ein "Segen im Vorbeigehen, den keiner merkt und der nicht den Eindruck erweckt, als wäre er ein Segen". Das sei "völlig abgedreht", helfe keinem und stoße gleichgeschlechtlichen Paaren vor den Kopf, kritisierte Schüller. Das Problem mit den Deutschen sei allerdings, dass sie aus Sicht des Vatikans immer alles schriftlich fixieren und in Regeln gießen wollten. "Wir Deutsche stehen also immer unter Generalverdacht, vorbei an Rom auch normative Fakten zu setzen."

"Tutti, tutti, tutti"?

Papst Leo sagte während es Fluges, der Vatikan sei mit förmlichen Segnungen von homosexuellen Paaren "nicht einverstanden über das hinaus, was von Papst Franziskus erlaubt wurde, als er gesagt hat, dass alle den Segen erhalten können". Dann fügte Leo hinzu: "Franziskus' berühmt-berüchtigte Formulierung 'tutti, tutti, tutti' ('alle, alle, alle') ist Ausdruck der Überzeugung der katholischen Kirche, dass alle willkommen sind und eingeladen, Jesus zu folgen." Offenbar aber nur, so lange Schwule und Lesben sie ihre sexuelle Orientierung vor der katholischen Obrigkeit verstecken. (dpa/cw)

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