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Ab Donnerstag im Kino

Starke Mädchen, die sich nicht unterkriegen lassen

Sigrid Klausmanns mehrfach preisgekrönte Doku "Girls Don't Cry" gewährt uns Einblicke in die Leben von sechs Teenagern in sechs Ländern, die alle mit unterschiedlichen Herausforderungen ringen – darunter ist auch ein trans Mädchen aus Chile.


Selenna kämpft für die Rechte von trans Menschen in Chile (Bild: Schneegans Productions)

Selenna hat Glück: Sie hat eine verständnisvolle Familie um sich herum, die sie akzeptiert und unterstützt – selbst ihre Großmutter steht voll hinter ihr. Hinzu kommt, dass ihre Heimat Chile eine relativ fortschrittliche Gesetzgebung zu trans Menschen hat. Dennoch wird in Selennas Erzählungen deutlich, dass ihr Weg nicht immer leicht war. "Als ich vier Jahre alt war, entschuldigte ich mich bei meiner Mutter dafür, ein Mädchen zu sein – dafür, dass ich so bin wie ich bin."

Der erfahrenen deutschen Dokumentarfilmerin Sigrid Klausmann gelingt es, ganz nahe an Selenna und die fünf anderen Protagonistinnen von "Girls Don't Cry" heranzukommen – sie filmt sie im Familienkreis, mit Freundinnen und in weiteren sehr persönlichen Situationen. Und sie lässt sie selbst erzählen aus ihren Leben und von ihren Gefühlen, es gibt keine Erklärstimme, keine Einordnung, wir erfahren lediglich eingeblendet die Namen der Mädchen und in welchem Land sie leben. Ihre Geschichten sind durcheinander gemischt in einer Art Mosaik, so dass sich uns die einzelnen Schicksale nach und nach, Ausschnitt für Ausschnitt, immer mehr erschließen.

Von Genitalverstümmelung bis Schönheitskult


Poster zum Film: "Girls Don't Cry" startet am 30. April 2026 bundesweit in den Kinos

Neben Selenna ist da noch Nancy aus Tansania, die von Zuhause weggelaufen ist, als ihre Mutter ihre Genitalverstümmelung vorbereitete. Sie befindet sich in einem Schutzhaus mit vielen anderen Mädchen, erzählt ihre Geschichte und fühlt sich mittlerweile stark genug, in ihr Dorf zurückzukehren und sich erfolgreich zu wehren. Außerdem lernen wir Sheelan kennen, ein jesidisches Mädchen aus dem Nordirak, das mit ihrer Mutter vor den Schergen des IS nach Deutschland geflüchtet ist und dort eine neue Heimat gefunden hat. Sie ringt mit der Verarbeitung ihrer traumatischen Kindheitserlebnisse und mit Sorgen wegen des politischen Rechtsrucks, der sich auch gegen Geflüchtete wie sie richtet.

Die Südkoreanerin Sinai derweil verweigert sich erfolgreich dem enormen Schönheitskult in ihrer Heimat, wegen dem sich bereits viele Teenager kosmetischen Operationen unterziehen, weil sie glauben, nur so ein erfolgreiches Leben führen zu können. Sinai hingegen trainiert lieber jeden Tag auf ihrem BMX-Bike in der Halfpipe, auch wenn sie dort das einzige Mädchen ist. Gegen die Konventionen ihrer Gesellschaft wehrt sich auch die junge Roma Nina, die mit ihrer Familie von Deutschland nach Serbien abgeschoben wurde, ein ihr völlig unbekanntes Land, in dem sie sich nun zurechtfinden muss. Sie ist fest entschlossen, gegen die patriarchalen Traditionen anzukämpfen, um ein unabhängiges Leben zu führen.

Nicht weinen, sondern kämpfen

Und schließlich ist da noch die 16-jährige Mutter Paige aus Großbritannien, die mit 15 schwanger wurde und der alle rieten, das Kind abtreiben zu lassen. Doch sie brachte das nicht übers Herz und lebt nun mit ihrem kleinen Sohn zu Hause bei ihren Eltern. Besonders eindrücklich ist hier eine Szene mit einer etwa gleichaltrigen Freundin, die sich anders als Paige für eine Abtreibung entschieden hat und nun sichtlich mit ihren Gefühlen ringt, wenn sie Paige mit ihrem Sohn erlebt.

Es sind sechs ganz unterschiedliche Schicksale an sechs ganz unterschiedlichen Orten auf der Welt – und doch gibt es klare Gemeinsamkeiten: Alle sind mit enormen persönlichen Herausforderungen konfrontiert und finden die Stärke, damit nicht nur klarzukommen, sondern unverdrossen auf ein selbstbestimmtes Leben zuzusteuern, so wie sie es sich vorstellen. Der Filmtitel "Girls Don't Cry" bringt es auf den Punkt: Diese starken Mädchen jammern nicht und beklagen ihr Schicksal, sondern sie nehmen es selbst in die Hand und lassen sich nicht unterkriegen.

Ein Film gegen den aktuellen Backlash

Zu gerne würde man bei allen sechs in zehn Jahren erneut vorbeigehen und schauen, wie sich ihr Leben weiterentwickelt hat. Doch für die 71-jährige Regisseurin Sigrid Klausmann war dies ganz offiziell ihr letzter Film. In den Begleitunterlagen zum Kinostart erklärt sie ihre Motivation so: "Das Gender-Thema wird heute weltweit geführt, oft hitzig und kontrovers. Nach vielen Errungenschaften erleben wir Frauen einen Backlash. Das ist gespenstisch und mit ein Grund, weshalb ich mich mit der Lebenssituation von Mädchen aus verschiedenen Ländern beschäftigen wollte: Was heißt es, heute ein weiblicher Teenager auf der Welt zu sein? Was haben sie gemein?"

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Dass sie dabei derart nahe an die sechs Mädchen herankam, macht "Girls Don't Cry" so eindrücklich – man kann nur ahnen, wie lange die Vorarbeit gedauert haben muss, das Vertrauen der Teenager und ihrer Familien für dieses Projekt zu gewinnen, damit sie sich ihr derart öffneten. Krausmann räumte damit denn auch an zahlreichen Filmfestivals Preise ab, ein krönender Abschluss ihrer langjährigen Karriere als Dokumentarfilmerin, in der Kinder und Jugendliche immer wieder eine Rolle spielten.

Den Girls dieses Films zuzusehen, macht Mut, erinnert aber auch daran, wie groß die Herausforderungen für Mädchen und junge Menschen generell weiterhin sind. Und längst nicht alle verfügen über eine solche Stärke und eine unterstützende Familie – dies gilt gerade auch für queere Teenager. Somit ist "Girls Don't Cry" auch eine Ermahnung an die Erwachsenen und die Gesellschaft generell: Wir sind noch lange nicht am Ziel. Und es liegt in unserer Verantwortung, die Hürden für Jugendliche zu reduzieren und ihnen den Start in ein selbstbestimmtes Leben zu erleichtern.

Infos zum Film

Girls Don't Cry. Dokumentarfilm. Deutschland 2025. Regie: Sigrid Klausmann. Mitwirkende: Nancy (Tansania), Sheelan (Nordirak), Selenna (Chile), Nina (Serbien), Paige (England), Sinai (Südkorea). Laufzeit: 90 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih: farbfilm verleih. Kinostart: 30. April 2026
Galerie:
Girls Don't Cry
18 Bilder
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