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Wahl in New York City
Entscheidet sich Wahlkreis um Stonewall Inn erstmals seit 1991 für eine heterosexuelle Person?
Anfang der Neunzigerjahre richtete New York einen ausdrücklich queeren Wahlkreis ein. Nun könnte erstmals eine Heterosexuelle den Wahlkreis gewinnen – mit Unterstützung des neuen Bürgermeisters. Queere Aktivist*innen sind gespalten.

Wer wird am Dienstag das Rennen machen: Carl Wilson oder Lindsey Boylan? (Bild: Carl Wilson For City Council / Lindsey Boylan for City Council District 3)
- 27. April 2026, 13:44h 4 Min.
In einem der queersten Wahlkreise der USA zeichnet sich ein Machtkampf ab: Erstmals seit dem Jahr 1991 könnte keine queere Person "District 3" bei der Stadtratswahl in New York City für sich gewinnen. Der 170.000 Einwohner*innen zählende Wahlkreis umfasst unter anderem die Christopher Street mit dem Stonewall Inn. Weil das bisherige Ratsmitglied, der offen schwule Erik Bottcher, kürzlich in den Senat des Bundesstaates New York gewählt worden war, findet am Dienstag eine Nachwahl in "District 3" statt. Eine Person soll dann per Präferenzwahl (integrierte Stichwahl) für den Wahlkreis gewählt werden.
Als Favorit galt ursprünglich der offen schwule Carl Wilson, ein früherer Mitarbeiter des Vorgängers. Er wird unter anderem vom Stonewall Democratic Club, dem queeren Verband der Demokraten, unterstützt, ebenso wie vom US-Abgeordneten Jerrold Nadler oder der Lehrergewerkschaft United Federation of Teachers.
Instagram | Wahlspot von Carl Wilson
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Der neue Bürgermeister Zohran Mamdani setzt aber auf eine andere Karte: Er hat Lindsey Boylan seine Unterstützung zugesichert, einer heterosexuelle Kandidatin, die als Whistleblowerin bekannt wurde – und politisch links von Wilson steht. Die Entscheidung des populären Stadtchefs hat in queeren Kreisen teilweise für erheblichen Unmut gesorgt. Kritiker*innen warnen, dass mit Boylans Kandidatur erstmals seit 35 Jahren die Tradition eines offen queeren Mandats in diesem symbolträchtigen Bezirk brechen könnte.
Instagram | Der Bürgermeister macht Wahlkampf für Lindsey Boylan
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Tatsächlich ist der Wahlkreis kein gewöhnlicher: Er wurde in den frühen Neunzigerjahren bewusst so zugeschnitten, dass queere New Yorker*innen politische Repräsentation erhalten – und lieferte seither eine ununterbrochene Reihe offen schwuler Mandatsträger sowie eine lesbische Mandatsträgerin. Für viele Aktivist*innen ist er bis heute "der" queere Sitz Manhattans.
"Unsere Geschichte muss respektiert werden"
Die Entscheidung des Bürgermeisters, sich in das Rennen einzumischen, hat einige queere Aktivist*innen verärgert – darunter Allen Roskoff, der sich Anfang der Neunzigerjahre erfolgreich dafür einsetzte, den für queere Menschen gewinnbaren Sitz einzurichten: "Wir wollen weiterhin die Menschen ehren, die vor uns da waren und ihr Blut, ihren Schweiß und ihre Tränen gegeben haben, um diesen Sitz zu erkämpfen", sagte der 76-Jährige gegenüber der "New York Times" (Bezahlartikel).
Roskoff unterstützt Wilson, sagt aber, er hätte das nicht getan, wenn er ihn nicht für den besten Kandidaten hielte. "In diesem Bezirk haben wir jemanden, der hervorragend qualifiziert ist, und unsere Geschichte muss respektiert werden", sagte Roskoff. Er fügte hinzu: "Ich glaube nicht, dass eine heterosexuelle Person sagen kann: 'Ich würde euch genauso gut vertreten.' Nein. Das ist nicht das, was Repräsentation bedeutet."
"Wir sollten Menschen nicht aufgrund ihrer Identität wählen"
Andere queere Aktivist*innen sehen dagegen in der Wahl einer Heterosexuellen kein Problem: "In den vergangenen gut 30 Jahren wurden aus diesem Bezirk wunderbare queere Menschen gewählt", erklärte etwa die aus "Sex and the City" bekannte bisexuelle Schauspielerin Cynthia Nixon, die 2018 Gouverneurskandidatin für den Staat New York gewesen war (queer.de berichtete). "Aber ich finde heute wie schon immer, dass wir Menschen nicht aufgrund ihrer Identität wählen sollten, sondern aufgrund dessen, wer sie sind." Auch Wilson selbst sagte, dass die sexuelle Orientierung bei Abgeordneten eigentlich keine Rolle spielen sollte.
Die Kandidatin Boylan weist die Kritik zurück und betont, dass sie sich seit vielen Jahren für queere Rechte einsetze. Auch zwei weitere Kandidatinnen, denen nur geringe Chancen eingeräumt werden, betonen ihre Unterstützung von LGBTI-Rechten.
Der als sehr links geltende Bürgermeister Zohran Mamdani war erst im November gewählt worden. Er ist auch in der queeren Community populär – so machte er Wahlkampf in queeren Bars und sprach nach seinem Sieg in seiner ersten Rede trans Menschen angesichts der queerfeindlichen Politik der Trump-Regierung Mut zu (queer.de berichtete). Zudem bestimmte mehrere queere Bewerber*innen für Posten – so wurde die lesbische Feuerwehrfrau Lillian Bonsignore zur ersten offen queeren Person ernannt, die die Berufsfeuerwehr von New York City anführt. (dk)









