https://queer.de/?57756
Kritik von mehreren Seiten
Queeres Festival nahe Sodom und Gomorrha erhitzt die Gemüter
Ein israelisches LGBTI-Festival sorgt für Aufregung: Weil das Event am Toten Meer nahe der biblischen Städte Sodom und Gomorrha stattfindet, erregen sich religiöse Fundamentalist*innen – andere finden alle Veranstaltungen in Israel kritikwürdig.

So wird auf Social Media für "Pride Land" geworben (Bild: Israelisches Außenministerium)
- 27. April 2026, 14:53h 3 Min.
In Israel soll Anfang Juni 2026 mit "Pride Land" das bislang größte LGBTIQ+-Festival im Nahen Osten stattfinden. Das viertägige Event soll am Toten Meer veranstaltet werden und vom 1. bis 4. Juni die Wüste in eine eigene "Pride City" verwandeln – mit Hotels, Bühnen, Partys, Kulturangeboten und familienfreundlichen Bereichen rund um die Uhr. Dabei soll es Angebote für alle Altersstufen geben und auch die Zusammenarbeit der queeren Community mit Workshops gefestigt werden. Auch mehrere Stars haben sich angekündigt, etwa ESC-Siegerin Dana International.
Die vom Jerusalemer Außenministerium betriebene offizielle Israel-Seite auf der Social-Media-Plattform X bewirbt die Veranstaltung als "größtes LGBTQ+-Festival aller Zeiten im Nahen Osten". Ferner heißt es dort: "Israel feiert seine LGBTQ+-Community so groß wie nie zuvor." Allerdings handelt es sich dabei nicht um ein staatliches Event, sondern um eine privat finanzierte Veranstaltung.
/ IsraelPride rises at the lowest place on earth This June the Dead Sea becomes Pride Land, the biggest LGBTQ+ festival ever in the Middle East. Four days of nonstop celebration community and connection.
Israel (@Israel) April 20, 2026
Israel celebrates its LGBTQ+ community bigger than ever pic.twitter.com/JxqjQGNB7z
An "Pride Land" gibt es massive Kritik. Insbesondere christlich-fundamentalistische Blogs aus den USA machen Stimmung dagegen – und verweisen darauf, dass es sich dabei um ein Event handle, das nahe der biblischen Städte Sodom und Gomorrha stattfinde (wobei das historische Sodom laut Archäolog*innen im heutigen Jordanien liegen soll). Michael Lilie, ein orthodoxer Pfarrer aus Ohio, beklagte sich etwa auf X: "Warum hier? Sie verhöhnen Gott."
/ FrLillieWhy here? They are mocking God. https://t.co/vk4hEF9nh6 pic.twitter.com/b554TzhPAt
Fr. Michael Lillie (@FrLillie) April 21, 2026
|
Sodom und Gomorrha sind zwei biblische Städte, die laut Altem Testament wegen extremer Sündhaftigkeit und moralischen Verfalls von Gott durch Feuer und Schwefel vernichtet wurden. Insbesondere evangelikale Christ*innen verstehen unter Sündhaftigkeit vor allem Homosexualität oder andere queere Lebensweisen. So erklärte Shaun Marksbury, ein evangelikaler Pfarrer aus Colorado, auf X: "Gott hat Sodom und Gomorrha wegen homosexuellem Pride vernichtet. Kehrt um und wendet euch Ihm und Seinem Messias zu."
Auch Linke kritisieren queere Events in Israel
Kritik gibt es auch von linker Seite: So werfen viele Israel pauschal "Pinkwashing" vor, auch wegen dieses Festivals. Bei "Pinkwashing" werden queere Menschen in Israel beschuldigt, durch CSDs und andere Events die queerfeindliche rechte israelische Regierung und den angeblichen Völkermord im Gaza-Streifen zu legitimieren. "Kein Pride inmitten des Völkermordes", schrieben viele Israel-Kritiker*innen auf Social Media. Ein oft als antisemitisch kritisiertes X-Profil über "israelische Kriegsverbrechen" erklärte gegenüber seinen 250.000 Fans: "Gay-Pride-Paraden über den Körpern abgeschlachteter Kinder abzuhalten, ist das Israelischste, was ich heute gesehen habe."
Homosexualität ist in Israel seit 1988 offiziell legal, bereits 1992 verbot das Land Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund sexueller Orientierung – 14 Jahre, bevor Deutschland diesen Schritt wagte. Auch im Ausland geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen werden bereits seit Jahren im jüdischen Staat anerkannt. Derzeit ist Israel das einzige Land in der Region, in dem regelmäßig Demonstrationen für queere Rechte stattfinden. (cw)














