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Berlin
Nach Entschuldigung der Bildungssenatorin: Linke fordert Konsequenzen
Über ein Jahr lang war der schwule Pädagoge Oziel Inácio-Stech vom Senat für Mobbing gegen ihn mitverantwortlich gemacht worden. Das darf nicht noch einmal passieren, heißt es jetzt aus der Opposition.

Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch hat in der Mobbing-Affäre keine gute Figur gemacht (Bild: Sandro Halank / wikipedia)
- 30. April 2026, 12:37h 3 Min.
Nach der Entschuldigung von Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch beim schwulen Lehrer Oziel Inácio-Stech hat die Linksfraktion im Abgeordnetenhaus Konsequenzen gefordert. Zwar begrüße man die Entschuldigung, allerdings zeige der Fall, dass es Verfehlungen der Senatorin gegeben habe, sagten die Linkenabgeordneten Franziska Brychcy und Klaus Lederer in einergemeinsamen Erklärung. "Ihre wiederholte Aussage in Parlament und Bildungsausschuss, es habe im Umgang mit den Vorfällen an der Carl-Bolle-Grundschule keinerlei Fehler gegeben, vielmehr stünden nach wie vor ein möglicher Kinderschutzfall, gegenseitige Anschuldigungen sowie gegenseitiges Fehlverhalten im Raum, war haltlos. Darüber lässt sich nicht einfach hinweggehen", so Brychcy und Lederer.
Inácio-Stech war im vergangenen Jahr an die Öffentlichkeit gegangen und hatte berichtet, an der Grundschule in Moabit wegen seiner Homosexualität über einen längeren Zeitraum von muslimischen Schüler*innen immer wieder gemobbt, beschimpft und beleidigt worden zu sein (queer.de berichtete). Er kritisierte die Behörden, die ihm nicht geholfen hätten. Zunächst wies Günther-Wünsch alle Vorwürfe zurück und dem schwulen Pädagogen eine Mitschuld gegeben.
Zudem hatte die Senatorin zudem zunächst die Unwahrheit gesagt, wann sie von dem Vorfall erfahren hatte. Dafür entschuldigte sie sich im Juni 2025 (queer.de berichtete). Die Linke forderte daraufhin wegen "Missständen am Umgang mit Queerfeindlichkeit" ihren Rücktritt (queer.de berichtete).
Linke: Senat muss Queerfeindlichkeit endlich ernst nehmen
Nach der der neuerlichen Entschuldigung der Christdemokratin seien nun Konsequenzen unausweichlich, so die Linkenpolitiker*innen: "Angesichts zunehmender Queerfeindlichkeit in der Gesellschaft erwarten wir, dass das Problem in seiner gesamten Dimension ernstgenommen wird. In der Konsequenz gilt es, daran zu arbeiten, die systematische Ausgrenzungs- und Relativierungspraxis im Berliner Schulwesen aufzuarbeiten und zu überwinden." Dazu gehöre auch, dass die Spitze des Hauses die strukturelle Queerfeindlichkeit anerkenne, "die im reflexhaften Beschwören der Gefahr für das Kindeswohl besteht, die queere Lehrpersonen angeblich darstellen". Darum müsse auch dringend eine niedrigschwellige, unabhängige Beschwerdestelle gegen Diskriminierung für den Bildungsbereich eingerichtet werden.
Der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano (SPD) dankte hingegen der "Senatorin und ihrem engsten Team für die gute Zusammenarbeit, die auch uns menschlich viel näher gebracht hat, als ich mir hätte je denken können!" Er beschrieb jedoch auch, wie sehr der Vorfall den Pädagogen belastet habe. So habe es Monate der Wut und Verzweiflung gegeben, "weil sich Oziels Zustand immer mehr verschlechterte… kein Wunder, wenn Du gesagt bekommst, dass Du Dich an Kinder vergriffen haben sollst – obwohl Du weißt, dass Du Dir nichts zu Schulden hast kommen lassen". (cw)












