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Stadtanalyse

Queer in Wiesbaden: In den Abendstunden wächst die Unsicherheit

Erstmals wurden queere Menschen in Wiesbaden zu ihren Erfahrungen in der Stadt und ihrem Sicherheitsgefühl befragt. Die Ergebnisse wurden jetzt veröffentlicht.


Symbolbild: Wiesbadens historischer Kochbrunnenpavillion am Abend (Bild: IMAGO / Zoonar / Stefan Ziese)

  • 1. Mai 2026, 12:52h 3 Min.

Wiesbadens Bürgermeisterin Christiane Hinninger (Grüne) stellte am Mittwoch im Rathaus die Ergebnisse einer Online-Befragung von queeren Menschen in Wiesbaden vor. Die Befragung befasst sich insbesondere mit homo- und transfeindlichen Erfahrungen sowie dem Sicherheitsempfinden in der Community. Gemeinsam mit Polizeivizepräsidentin Katrin Thaler vom Polizeipräsidium Westhessen sprach Hinninger über mögliche Unterstützungs-Maßnahmen.

Für die Stadtanalyse "Queeres Leben in Wiesbaden" (PDF) wurden erstmals Angehörige sexueller und geschlechtlicher Minderheiten in der hessischen Stadt zu ihrer Lebenssituation befragt. Über 200 Personen gaben Auskunft über Erfahrungen von Diskriminierung und Gewalt sowie über erlebte Unsicherheit im öffentlichen Raum. Die Erhebung wurde gezielt in der LGBTI-Community verbreitet und ermöglicht in Bezug auf Straftaten eine Erhellung des Dunkelfelds ergänzend zur polizeilichen Kriminalstatistik.

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Beleidigungen und Bedrohungen

Die Ergebnisse zeigen: Die Mehrheit der Befragten fühlt sich im öffentlichen Raum tagsüber sicher, in den Abendstunden wächst jedoch die Unsicherheit. Besonders häufig werden Bereiche der Innenstadt, des Westends und des Bahnhofsvorplatzes, aber auch Bushaltestellen, als unsicher wahrgenommen. Zudem berichten Befragte von tatsächlich erlebten Angriffen wie Beleidigungen oder Bedrohungen. Auch körperliche Gewalt und sexuelle Belästigung sind für einen Teil der queeren Community reale Erfahrungen.

Auffällig ist zudem, dass entsprechende Vorfälle nur in geringem Umfang zur Anzeige gebracht werden. Als Gründe hierfür werden unter anderem Unsicherheiten im Umgang mit Anzeigeverfahren sowie hinsichtlich des weiteren Ablaufs genannt. Dies unterstreicht die Bedeutung niedrigschwelliger Zugänge, vertrauensbildender Maßnahmen und einer weiterhin engen Zusammenarbeit zwischen Stadt, Polizei und Community.

"Unsere Studie zeigt, dass wir in den kommenden Jahren noch viel zu tun haben", sagte Hinzinger. "Es ist nicht akzeptabel, dass sich viele homosexuelle, bisexuelle und trans* Personen insbesondere im öffentlichen Raum unsicher fühlen oder sogar Angriffen ausgesetzt sind. Wir nehmen die Ergebnisse sehr ernst und arbeiten gezielt an Maßnahmen, etwa an einer besseren Sichtbarkeit und Vernetzung von Unterstützungsangeboten für Betroffene." Auch die Zusammenarbeit mit der Polizei bleibe wichtig.

Polizei wirbt um Vertrauen

"Straftaten aufgrund der sexuellen oder geschlechtlichen Identität haben in unserer Gesellschaft keinen Platz – das Polizeipräsidium Westhessen geht konsequent dagegen vor", betonte Polizeivizepräsidentin Katrin Thaler. Zugleich sei es wichtig, Betroffene zu ermutigen, sich an die Polizei zu wenden: "Unser Ziel ist klar: Wir wollen mehr LSBT*IQ-feindliche Straftaten ins Hellfeld bringen, indem wir ansprechbar sind und das Vertrauen stärken. Unsere Ansprechpersonen sind ein wichtiges Bindeglied zur Community – sie schaffen Vertrauen und begleiten Betroffene auf Augenhöhe."

Bisher umgesetzte Maßnahmen der Stadt werden von den Befragten der Studie überwiegend positiv bewertet, insbesondere die Regenbogenbeflaggung am Rathaus am Internationalen Tag gegen Homo-, Bi- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT) sowie am Christopher Street Day, die Bezuschussung der CSD-Organisation sowie die Einrichtung des Queeren Zentrums. Darauf will die Landeshauptstadt aufbauen.

"Die Landeshauptstadt Wiesbaden steht an der Seite der LSBT*IQ-Community", stellte Hinninger klar. "Diese Haltung werden wir auch künftig deutlich nach außen vertreten und mit konkreten Maßnahmen unterlegen." (cw)

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