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Queerfilmnacht
Wenn die verbotene Jugendliebe plötzlich wieder auftaucht
Marko ist glücklich mit seiner Freundin, doch dann kommt sein Jugendfreund Slaven zurück in ihr kroatisches Heimatdorf. In "Mauern aus Sand" geht es um die Rollen, die andere einem zuschreiben – und die schließlich zerbrechen müssen.

Szene aus "Mauern aus Sand": Markos Hetero-Fassade bröckelt, als sein Jugendfreund Slaven ins gemeinsame Heimatdorf zurückkehrt (Bild: Salzgeber)
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2. Mai 2026, 06:00h 4 Min.
Beim Armdrücken macht Marko so schnell keiner was vor. Die Arme seiner Kumpels drückt er in wenigen Sekunden nach unten. Mit seinem Vater trainiert er täglich. Für den Teenager ist das mehr als ein Kneipenspiel, das die eigene Männlichkeit festigt. Er will Wettbewerbe gewinnen.
Und auch sonst verhält sich Marko (Lav Novosel), wie man sich einen Jungen vom Land so vorstellt. In der Umkleidekabine grölt er mit seinen Jungs über Titten und Muschis. Mit seiner Freundin Petra (Franka Mikolaci) knutscht er am Fluss. Statt zu studieren, will er in einer Autowerkstatt arbeiten. Er hat ein Talent fürs Rumschrauben und Reparieren.
Vor dem Essen wird am Tisch gebetet

Poster zum Film: "Mauern aus Sand" läuft im Mai 2026 in der Queerfilmnacht und ist ab 28. Mai 2026 regulär im Kino zu sehen
Marko ist ein alberner junger Mann. Wenn er seine Freundin von deren Supermarktjob abholt, tut er so, als würde er Zeug in seiner Kapuze klauen wollen. Am Fluss lässt er sie glauben, dass er sie reinschubsen könnte. Teenie-Humor, ein wenig unreif, aber harmlos. Mit seinen dunkelblonden Locken und dem glatten Gesicht ist er ein typischer Junge von nebenan.
Er kümmert sich liebevoll um seinen jüngeren Bruder Fićo (Leon Grgić), der Trisomie 21 hat. Marko liest ihm Gutenachtgeschichten vor und füttert mit ihm die Kaninchen, die Fićo so mag. In dem kroatischen Dorf geht es traditionell zu. Vor dem Essen wird gebetet. Als ein Unwetter aufzieht und der Fluss droht, über die Ufer zu steigen, packen alle an und bauen Dämme aus Sandsäcken auf, die dem Film von Regisseurin Čejen Černić Čanak seinen Titel geben.
Ein bekannter Plot, der sich dennoch abhebt
Doch dann taucht plötzlich Slaven (Andrija Žunac) auf. Der ist vor drei Jahren nach Berlin gezogen, jetzt kommt er für die Beerdigung seines Vaters zurück ins Dorf. Marko meidet ihn. Und wer schon einmal ein trauriges schwules Coming-of-Age-Drama gesehen hat, weiß auch, weshalb.
Es ist ein Plot, den das schwule Kino in allen erdenklichen Richtungen erzählt hat. Das ist verständlich, ist die von der Mehrheit sanktionierte erste Jugendliebe doch eine Erfahrung, die viele queere Menschen kennen. Und "Mauern aus Sand" beweist, dass diese Geschichten immer noch nicht auserzählt sind.
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Nah an den Figuren
Sicher gibt es queere Filme mit diverseren Figuren und innovativeren Handlungssträngen, die Queerness nicht als Problem ansehen. Doch in Kroatien und der Region sind queere Inhalte noch immer selten – auch wenn sich deutliche Verbesserungen abzeichnen: Die neue Staffel der kroatischen Adaption der Jugendserie "Skam" enthält eine schwule Liebesgeschichte, und das Drama "Beautiful Evening, Beautiful Day" über schwule Künstler im ehemaligen Jugoslawien war im vergangenen Jahr sogar Kroatiens Kandidat für den Auslands-Oscar.
In diese Entwicklung passt auch "Mauern aus Sand", der sich vor allem bildlich von ähnlichen Dramen abhebt: Die Kamera kommt ihren Figuren oft sehr nah, deren Emotionen werden so noch greifbarer. Auch die vielen sehr dunklen Szenen funktionieren als Kontrast zu sonst penibel ausgeleuchteten Sets.
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Gefühle wie ein Sturm
Doch auch der Rhythmus stimmt. Regisseurin Čejen Černić Čanak verzichtet auf übertriebene Gefühlsausbrüche, sondern erzählt eher zurückhaltend und nachvollziehbar. Und mit Markos Bruder Fićo ergänzt eine Figur mit Trisomie 21 das Ensemble, deren Behinderung jedoch überhaupt nicht thematisiert wird – ein überraschend ungezwungener Umgang.
Auch die Metapher der Überschwemmung leuchtet ein, auch wenn sie weder subtil erscheint noch konsequent verfolgt wird. Der Fluss steigt an, genau wie Markos Gefühle. Eine Naturgewalt, vor der der Wetterbericht warnen kann, gegen die man Sandsäcke auftürmen kann – und doch ist man ausgeliefert, wenn der Sturm heftiger übers Land fegt als gedacht.
Denn genau darum handelt "Mauern aus Sand": Marko gefällt die Rolle, die ihm seine Familie, seine Freundin, seine Jungs zuschreiben, weil sie es für ihn unkompliziert macht. Er kann sie auch eine Zeitlang mustergültig ausfüllen. Aber sie ist brüchig. Und es braucht nur einen Sturm, und die Risse in der Fassade dehnen sich aus. Doch Marko erkennt: Er ist es nicht, der am meisten darunter leidet, die Erwartungen nicht mehr zu erfüllen. Sondern die anderen.
Mauern aus Sand. Drama. Kroatien, Litauen, Slowenien 2025. Regie: Čejen Černić Čanak. Cast: Lav Novosel, Andrija Žunac, Leon Grgić, Franka Mikolaci, Alma Prica, Filip Šovagović, Luka Baškarad. Laufzeit: 88 Minuten. Sprache: kroatische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 12. Verleih: Salzgeber. Im Mai 2026 in der Queerfilmnacht und ab 28. Mai 2026 regulär im Kino
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