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Serientipp
Queere Romanzen am koreanischen Elite-Internat
Drama, Drama, Drama! Statt zu lernen, stehen die Jugendlichen an der Korean Independent School of Seoul ganz im Bann ihrer Hormone. "XO, Kitty" kombiniert US-Highschool-Serien mit K-Dramas und einer kräftigen Prise Boys' Love.

Bisexuelle Hauptfigur mit bestem schwulen Freund: Anna Cathcart als Kitty Song Covey und Anthony Keyvan als Quincy "Q" Shabazian in "XO, Kitty" (Bild: Netflix)
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3. Mai 2026, 07:04h 5 Min.
Alle Folgen von "Elite" schon gesehen? Mit "Young Royals", "Heartstopper", "Love, Victor", "Sex Education" und "Heartbreak High" auch längst durch? Auf der Suche nach einem neuen Teen-Drama mit reichlich queeren Storys? Dann könnte "XO, Kitty" vielleicht gerade das Richtige sein – eine Netflix-Serie, die ein wenig unter dem Radar geblieben ist, obwohl es bereits drei Staffeln gibt.
Das Setting ist ein internationales Elite-Internat in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Die Hauptfigur Kitty (Anna Cathcard) ist bi, ihr bester Freund Q (Anthony Keyvan) schwul, die enge Freundin Yuri (Gia Kim) lesbisch – und der ganze Cast natürlich jung und ausgesprochen attraktiv. Die Serie ist ein Spin-off der drei "To all the Boys"-Filme (2018-21), funktioniert aber problemlos auch ohne Vorwissen.
Nur zum Schein hetero
Alle beginnt damit, dass die junge Amerikanerin Kitty ein Stipendium für das koreanische Elite-Internat K.I.S.S. (Korean Independent School of Seoul) ergattert und damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt: Einerseits kann sie endlich ihre koreanischen Wurzeln erforschen, andererseits ihrem Schwarm Dae (Choi Min-yeong) folgen, mit dem sie eine Fernbeziehung hat, die primär aus sehnsüchtigen Briefen besteht. Nun will sie ihn mit ihrem plötzlichen Auftauchen an der Schule überraschen.
Doch kaum in Seoul angekommen, realisiert sie, dass Dae sie belogen hat und längst mit Yuri zusammen ist, der Tochter der K.I.S.S.-Rektorin und eines schwerreichen Unternehmers. Das Publikum erfährt hingegen rasch, dass dies nur eine Scheinbeziehung ist. Yuri hat nämlich eigentlich eine Freundin, doch das dürfen weder ihre Eltern noch die Öffentlichkeit erfahren, weil dies im relativ konservativen Südkorea ein ziemlicher Skandal wäre. Dae, der Sohn des Chauffeurs von Yuris reicher Familie, ist einer der wenigen, der Bescheid weiß – und will ihr helfen, indem er temporär als ihr Boyfriend posiert.

Yuri (Gia Kim, l.) und Kitty (Anna Cathcart) in der dritten Staffel von "XO, Kitty" (Bild: Youngsol Park / Netflix)
Dass seine Freundin Kitty plötzlich in Seoul auftaucht, war natürlich nicht geplant und kompliziert die Dinge erheblich. Kitty lernt dann auch gleich Daes beste Freunde und WG-Genossen kennen, den schwulen Quincy, den alle nur Q nennen, und den arroganten Schönling und Playboy Min Ho (Sang Heon Lee).
Erst Rivalen, dann verliebt
Rund um diese fünf Hauptfiguren entspinnt sich im Laufe der drei Staffeln ein stetes Auf und Ab höchst unterhaltsamer Liebes- und Beziehungsdramen aller Art, zum Beispiel kommt Kitty dann natürlich doch noch mit Dae zusammen, verguckt sich jedoch schon bald in Yuri, nur um später in Min Hos Armen zu landen, obwohl sie den zu Beginn so gar nicht ausstehen kann (was absolut auf Gegenseitigkeit beruht).
Zu den queeren Highlights gehört die Beziehung zwischen Q und Jin (Joshua Hyunho Lee), die in der zweiten Staffel beginnt. Eigentlich sind sie sportliche Rivalen, denn sie wollen sich beide für einen renommierten Lauf-Wettbewerb qualifizieren. Hinzu kommt, dass Bad Boy Jin nicht nur Q, sondern in früheren Jahren auch Dae und Min Ho gnadenlos gemobbt hat, weshalb sie ihn alle nicht ausstehen können. Jin versucht dann zunächst auch erneut, Q zu verunsichern – nicht zuletzt mit homophoben Sprüchen -, weil er natürlich gewinnen will.

Joshua Hyunho Lee als Jin und Anthony Keyvan als "Q" in der dritten Staffel von "XO, Kitty" (Bild: Youngsol Park / Netflix)
Doch dann, oh Überraschung, stellt sich heraus, dass Jin nicht nur selbst schwul ist, sondern sich ernsthaft für Q interessiert. Auch wenn er ihn nach einem Date erst mal auszutricksen versucht, damit Q ein wichtiges Rennen am nächsten Morgen verpasst. Nach und nach jedoch wird etwas Ernsthafteres aus den beiden – bis dann in der dritten Staffel das überraschende Auftauchen einer früheren Flamme von Q die junge Liebe ins Schleudern bringt.
K-Drama und Boys' Love mit US-Touch
Die US-koreanische Ko-Produktion spielt zwar in Seoul und bietet dadurch einiges an koreanischer Kultur, dennoch dominiert eine amerikanische Erzählweise. "XO, Kitty" ist somit eine Art Brücke zwischen den vertrauten US-Serien und den K-Dramas, die in den letzten Jahren auch im Westen sehr populär geworden sind. Zu diesen gehört das Boys'-Love-Genre, das erstaunlicherweise auch in Südkorea boomt, obwohl das Land innerhalb Asiens als vergleichsweise konservativ gilt, wenn es um queere Beziehungen geht. Eine klare Mehrheit spricht sich zum Beispiel gegen die Ehe für alle aus.
Immerhin stehen jüngere Koreaner*innen dem Thema mittlerweile viel aufgeschlossener gegenüber. Wie realistisch es allerdings ist, dass die beiden Heteros Dae und Min Ho ihre Studenten-WG derart entspannt mit dem offen schwulen Q teilen, sei dahingestellt. Aber wer eine internationale Schule besucht, wo derart viele unterschiedliche Kulturen und Haltungen zusammenkommen, sieht das ja vielleicht lockerer. Zudem war Realismus mutmaßlich nicht das Hauptkriterium der Autor*innen dieser Serie.
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Weshalb diese Obsession mit Teen-Dramen?
Bleibt die Frage, weshalb so viele Erwachsene mittleren Alters es unterhaltsam finden, mit solchen Teen-Liebesdramen mitzufiebern. Weil es immer Spaß macht, attraktiven jungen Menschen zuzusehen – erst recht, wenn sie gelegentlich nur leicht bekleidet sind? Weil es sie nostalgisch an die Wirren der eigenen Jugend erinnert? Weil man sich darauf verlassen kann, dass am Ende – anders als im realen Leben – dann schon alles irgendwie gut kommt?
Diese Fragen stellte sich auch die Journalistin Ella Sangster und unterhielt sich für einen Artikel in "Harpers Bazaar" mit der australischen Psychologin Ellie Rose. "Ich glaube, unser Leben ist so kompliziert und stressig, dass es ein echter Trost ist, sich so etwas zu gönnen, bei dem man nicht wirklich viel nachdenken muss", sagt Rose.
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Unbeschwertheit und emotionale Intensität
Hinzu komme heute die Vielfalt dieser Serien mit ihren ethnisch und sexuell diversen Figuren. "Diese Art der ungezwungenen Darstellung zum Beispiel queerer Jugendlicher, ist etwas, das unsere Generation in ihrer Jugend selten erleben durfte", schreibt Sangster. "In diesen Serien sehen wir uns selbst und unsere eigenen Erfahrungen auf dem Bildschirm widergespiegelt, wie wir es als Teenager nicht hatten – und das alles in der Gewissheit, dass es ein Happy End geben wird. Und darin liegt Trost, besonders weil das Happy End vielleicht gar nicht so sicher schien, als wir diese Erfahrungen selbst durchlebten."
Psychologin Rose ergänzt: "Die Teenagerzeit bleibt in nostalgischer Weise Teil von uns. Als Erwachsene können wir nicht mehr so albern sein wie damals – diese Serien geben uns die Erlaubnis, wieder in die Unbeschwertheit und den Spaß des Teenageralters einzutauchen. Wir können die Wärme der positiven Momente mit einer emotionalen Intensität erleben, die wir mit zunehmendem Alter oft verlieren."
Lauter gute Gründe also, sich ganz ohne schlechtes Gewissen nun auch "XO, Kitty" reinzuziehen. Jeul-gyeo! (Viel Spaß!)
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