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Interview

Was interessierte Sie als queere Frau daran, "Das Geisterhaus" zu verfilmen?

Für Prime Video hat sich die chilenische Filmemacherin Francisca Alegría an eine Neuverfilmung von Isabel Allendes Roman "Das Geisterhaus" gewagt – die Drehbücher schrieb sie gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin Fernanda Urrejola.


Francisca Alegría bei der Premiere von "Das Geisterhaus" in Madrid (Bild: Jesús Varillas)

Mit ihrem Debütroman "Das Geisterhaus" wurde die Chilenin Isabel Allende in der 1980er Jahren zum literarischen Weltstar. Elf Jahre nach dessen Erscheinen kam 1993 die mit u.a. Meryl Streep, Antonio Banderas und Glenn Close prominent besetzte (und von der Kritik nicht gerade gefeierte) Verfilmung in die Kinos, die in Deutschland zum Kassenhit und in den USA zum riesigen Flop wurde.

Nun hat sich die chilenische Filmemacherin Francisca Alegría an eine Neuverfilmung gewagt: Ihre Version von "Das Geisterhaus" ist eine aufwändige produzierte Serie mit acht Folgen, die gerade bei Amazon Prime Video angelaufen ist. Wir sprachen aus diesem Anlass mit der queeren Regisseurin, die gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin Fernanda Urrejola auch die Drehbücher schrieb.


Die spanische Fernsehadaption von "Das Geisterhaus" kann seit 29. April 2026 bei Prime Video gestreamt werden

Frau Alegría, was interessierte Sie als queere Frau daran, "Das Geisterhaus" zu verfilmen?

Von selbst wäre ich auf diese Idee vermutlich gar nicht gekommen. Ich hatte zuvor noch nie ein Projekt dieser Größe gestemmt, und eigentlich erschien es mir fast unmöglich, diesen epischen Roman zu verfilmen. Aber irgendwie habe ich alle meine Vorbehalte ausgeblendet, als man mir diese Serie vorschlug. Auch weil wir da 2019 in Chile gerade die größte Menschenrechtskrise seit Pinochet und die sogenannte "Estallido Social" erlebt hatten und überall die Überreste der Diktatur in unserem Land sichtbar wurden. Meine Partnerin und ich konnten gar nicht glauben, was da passierte, und fanden es unglaublich spannend, uns dieser Geschichte anzunehmen, die ja auch ein Porträt unserer Heimat ist.

Queerness ist nicht unbedingt ein großes Thema in Allendes Roman…

Das stimmt, es gibt nur zwei Figuren in dieser Geschichte. Ich wünschte, es wären mehr. Aber Queerness bedeutet für mich als Künstlerin mehr als nur die sexuelle Identität der Figuren. Sie liegt ja auch in unserem Blick auf die Welt, in einer anderen und erweiterten Perspektive. Neue Lebenswege einzuschlagen und ganz authentisch man selbst zu sein, gerade an den Rändern des Patriarchats – das sind sehr queere Erfahrungen. Und die trägt Allendes Roman definitiv in seiner DNA.

Sie und die Schauspielerin Fernanda Urrejola, die in "Das Geisterhaus" als Blanca Trueba zu sehen ist, sind privat ein Paar und haben nun auch die Serie – wie schon zuletzt Ihren Film "Die Kuh, die die Zukunft besang" – gemeinsam verantwortet. Was ist das Geheimnis dieser erfolgreichen Vermischung von Arbeit und Privatleben?

Ach, da gibt es kein großes Geheimnis. Ehrlichkeit und Offenheit sind das A und O, aber das heißt nicht, dass es trotzdem nicht auch immer mal wieder knirscht. Sowohl im Privaten wie im Beruflichen, und dass man das eine manchmal nicht mehr vom anderen trennen kann, birgt ohne Frage Risiken. Ich weiß also gar nicht, ob ich das jedem automatisch empfehlen würde. Aber Bewunderung und Respekt füreinander sowie vor allem das Wissen um die Stärken der anderen sind auf jeden Fall der Schlüssel. Und wir wollen auch weiterhin zusammenarbeiten, also scheint unsere Beziehung das ganz gut zu verkraften.

Gerade sagten Sie schon, dass auch die politische Lage in Chile 2019 Sie dazu bewogen hat, "Das Geisterhaus" neu zu verfilmen. Aber welche Relevanz hat diese Geschichte heute, vielleicht auch jenseits Ihrer Heimat?

Aktuell ist die Lage in Chile alles andere als rosig, gerade für queere Menschen. Unsere Rechte werden eingefroren und zurückgeschraubt. Mal sehen, was der Präsident mit dem neuen Adoptions-Gesetz macht. Was bei uns und in so vielen anderen Ländern auf der Welt passiert, ist gerade für Regenbogen-Familien auf jeden Fall gefährlich. Aber Isabel Allende hält in ihrer Geschichte das Mitgefühl und die Empathie hoch, auch in Zeiten steigender Polarisierung und wachsender Gewalt. Sie versucht, die Vergangenheit zu verstehen, ohne darüber zu verhärten oder die Hoffnung zu verlieren. Das ist auch für uns heute die einzige echte Perspektive, denke ich.

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Apropos Allende: Wie involviert war sie in die Entstehung der Serie?

Wir standen während des Schreibens mit ihr im Austausch, doch sie hielt stets eine gesunde Distanz. Isabel ist trotz ihres Alters eine unglaublich umtriebige Person, die sich lieber mit neuen Arbeiten beschäftigt als mit 40 Jahre alten Geschichten aufhält. Deswegen ließ sie uns alle Freiheiten. Sie las ein paar Drehbuchfassungen und gab uns hier und da auch mal Anmerkungen oder beantwortete unsere Fragen. Aber im Grunde ließ sie uns und unser Team machen.

Eine letzte Frage noch mit Blick auf den Kinofilm von 1993, der manchen als Kult, anderen als große Katastrophe gilt. Haben Sie den je gesehen?

Klar, aber das ist schon eine Weile her. Da war ich 18 Jahre alt oder so. Damals sprach der Film mich nicht an und ließ mich eher kalt. Mit einer Ausnahme: die Beichtszene, in der Férula mehr oder weniger die Liebe zu ihrer Schwägerin gesteht. Die Performance von Glenn Close in dieser Szene ging mir enorm nahe; die habe ich nie vergessen. Überhaupt war das Ensemble natürlich umwerfend. Dass niemand von den Schauspieler*innen aus Chile kam, war nicht so schlimm, einfach weil sie alle so gut waren. Vielleicht sollte ich mir den Film also doch mal wieder angucken.

-w-