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Ausstellungstipp
Queeres Kino zwischen Crossdressing, Widerstand und Solidarität
Die neue Ausstellung "Inventing Queer Cinema" in der Deutschen Kinemathek in Berlin erzählt die Geschichte des nicht-heteronormativen Films, erinnert an Meilensteine und feiert die unbestreitbaren Errungenschaften.

Blick in die Ausstellung (Bild: Bernd Auzinger)
- Von Bernd Auzinger
7. Mai 2026, 11:43h 3 Min.
Wem die nicht-heteronormative Film- und Medienlandschaft etwas bedeutet, sollte nun genüsslich aufhorchen. Ab heute bis zum 13. September 2026 nämlich zeigt die Deutsche Kinemathek in Berlin in ihren Räumlichkeiten unweit der U-Bahnstation Stadtmitte die wundervolle Ausstellung "Inventing Queer Cinema", in der nicht nur die deutschsprachige, sondern auch die internationale Geschichte des queeren Films beleuchtet wird.
In einer Halle hängen ergreifend großflächig ikonische Bilder sowie Zitate und Textstellen aus mehr und weniger bekannten Filmen. Eine weitere Installation zeigt eine Zeitleiste von den 1910er Jahren bis in die Gegenwart. Das soll nicht explizit eine lineare queere Film- und Fernsehgeschichte aufzeigen, sondern vielmehr zu freien Assoziationen anregen und Querverweise aufzeigen.
Erster lesbischer Filmkuss im Jahr 1930
Die Geschichte des queeren Films begann vor über hundert Jahren. Damals wurde viel mit Crossdressing gespielt, beispielsweise in dem Film "Aus eines Mannes Mädchenzeit" (D, 1913/14), in dem sich ein Mann als Frau verkleidet und als Stubenmädchen verdingt. In "Marocco" (USA, 1930) mit Marlene Dietrich findet sich ein erster lesbischer Filmkuss.
Eine große Bewegtbildtafel ist dem schwulen, jüngst verstorbenen Filmemacher Rosa von Praunheim gewidmet. Sein Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der lebt" (D, 1971), der auf der Berlinale debütierte und eine deutschlandweite Kinoauswertung erlebte, führte zu Gründungen von homosexuellen Emanzipationsgruppen in ganz West-Deutschland. Dieses Filmmanifest bedeutete gleichzeitig für Rosa von Praunheim den Durchbruch, dem mehr als 150 Kurz- und Langfilme unter seiner Regie folgten.
Queeres Kino zwischen Sichtbarkeit und Zensur
Wurde sich in frühen queeren Werken wie "Anders als die Anderen" (D, 1919) von Richard Oswald, unter Mitwirkung von Magnus Hirschfeld, augenscheinlich häufig in Innenräumen aufgehalten, so zieht es jüngere Werke wie "Brokeback Mountain" (USA, 2005) hinaus in die Natur, in die Weite. Mit "Brokeback Mountain" unter der Regie von Ang Lee wird eine schwule Liebesgeschichte zu einem großen internationalen Publikumserfolg und gewinnt drei Oscars. In China, Iran, Malaysia, Pakistan und den arabischen Staaten wurde der Film verboten – auch darin erinnert die Ausstellung.
Ferner wird einem beim Rundgang bewusst, dass Tom Hanks im Jahre 1993 für "Philadelphia" noch für seinen Mut, eine schwule Rolle zu bekleiden, mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. In dieser Zeit etabliert sich der Begriff "New Queer Cinema" auf internationalen Filmfestivals und in der Filmkritik. Damals mussten A-Lister noch um ihren Ruf und ausbleibende Rollenangebote fürchten. In der heutigen Zeit variiert eine Schauspielikone wie Paul Mescal locker zwischen den Sexualitäten. Der mit der Serie "Normal People" (Irl, 2020) bekannt gewordene Star wechselt gekonnt auch ins queere Fach wie in "All of us Strangers" (GB, 2024) oder jüngst "The History of Sound" (USA, 2026). Eine großartige Errungenschaft.
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"Geschichte von Widerstand, Solidarität und Innovation"
Seit 2020 werden queere deutsche Filme einer neuen Generation, die vor allem in den Städten spielen, auf Festivals gezeigt und erreichen ein breites Publikum. Filme wie "Drifter" (D, 2023), "Futur Drei" (D, 2020), "Neubau" (D, 2020) und "Kokon" (D, 2020) beschreiben dadurch ein innovatives queeres Lebensgefühl.
"'Inventing Queer Cinema' erzählt eine Geschichte von Widerstand, Solidarität und Innovation, die bis in die Gegenwart reicht", heißt es treffend in der Ankündigung der Deutschen Kinemathek. Die unbedingt sehenswerte Ausstellung lädt dazu ein, diese Geschichte weiterzudenken und queeres Kino immer wieder neu zu entdecken. Begleitet wird die Schau von einem Filmprogramm im Studiokino, das prägende Werke wie "Bent" (1997) oder "The Celluloid Closet" (1995) im Rahmen von "Inventing Queer Cinema" zeigt.
Die Ausstellung "Inventing Queer Cinema" ist vom 7. Mai bis 13. September 2026 am neuen Standort der Deutschen Kinemathek im Berliner E-Werk (Mauerstraße 79) zu sehen. Sie ist donnerstags bis sonntags zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zur Ausstellung auf der Homepage der Deutschen Kinemathek
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de















