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Antrag der Niederlande
CSD Amsterdam soll UNESCO-Kulturerbe werden
Die Niederlande wollen beantragen, den CSD in Amsterdam bei der UNESCO als gelebtes Kulturgut eintragen zu lassen.

Der CSD Amsterdam könnte bald ein UNESCO-Kulturgut sein (Bild: IMAGO / ANP)
- 11. Mai 2026, 14:43h 3 Min.
Der Christopher Street Day in Amsterdam könnte künftig Teil des kulturellen Welterbes werden: Die Niederlande treiben Pläne voran, den Pride in der Hauptstadt in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufnehmen zu lassen. Damit würde erstmals ein queeres Großereignis diesen Status erhalten.
Grundlage ist ein offizieller Vorschlag des niederländischen Kulturrats, der das queere Festival als Kandidaten für die "Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit" empfohlen hat. Die Regierung folgte dieser Einschätzung und leitete die Nominierung ein. "Die Stiftung Pride Amsterdam, wie sie im Inventar des immateriellen Kulturerbes der Niederlande eingetragen ist, erhält die Möglichkeit, das Nominierungsdossier zu erstellen", erklärte Kulturministerin Rianne Letschert (Democraten 66) in einem Brief an das nationale Parlament. Ausschlaggebend sei laut dem Kulturrat vor allem die internationale Bedeutung der Veranstaltung für Gleichberechtigung, sexuelle Selbstbestimmung und queere Sichtbarkeit.
Neben dem CSD wurden vier weitere Traditionen durch den Kulturrat empfohlen: Dazu zählt das Gedenken an die Befreiung Leidens 1574 von der spanischen Belagerung, das jährlich am 3. Oktober begangen wird, oder Heggenvlechten (Heckenflechten), ein jahrhundertealtes traditionelles Handwerk, bei dem lebende Hecken in eine undurchdringliche, natürliche Barriere verwandelt werden. Außerdem als schützenswert eingestuft werden soll das Fanfarenorchester, eine Form der Blaskapelle, sowie die niederländische Wohnwagenkultur, die auch auf deutschen Autobahnen zum Alltag gehört.
Pride als "lebendige Kultur"
Die UNESCO-Liste würdigt keine Bauwerke, sondern sogenannte "lebendige Kultur" – also Traditionen, Feste oder Praktiken, die gesellschaftliche Identität prägen. In den Niederlanden gehört der Pride bereits seit 2019 offiziell zum nationalen immateriellen Kulturerbe. Mit der internationalen Nominierung soll dieser Status nun ausgeweitet werden. Die Organisator*innen sehen darin nicht nur eine symbolische Anerkennung, sondern auch einen politischen Impuls: Ziel sei es, den Pride langfristig zu sichern und als globales Kulturgut zu etablieren.
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Die CSD-Organisator*innen wollen dabei bewusst über die Stadt hinaus denken. Statt ausschließlich den Pride Amsterdam zu würdigen, wird diskutiert, den Begriff allgemeiner als "Pride" zu fassen. So könnten künftig auch Veranstaltungen in Ländern einbezogen werden, in denen queere Menschen nicht frei leben können.
Langer Weg bis zur Entscheidung
Bis zu einer möglichen Aufnahme ist es jedoch ein mehrjähriger Prozess. Zunächst muss ein umfassendes Nominierungsdossier erstellt und von der niederländischen Regierung verabschiedet werden. Die Einreichung bei der UNESCO ist für 2027 geplant, eine Entscheidung wird frühestens 2028 erwartet.
In Deutschland sind bislang über 170 lebendige Traditionen als Kulturerbe anerkannt worden. Dazu zählen etwa die Brotbackkunst, die Berliner Technokultur oder die Bolzplatzkultur.
Der CSD Amsterdam zählt zu den bekanntesten Pride-Veranstaltungen weltweit, insbesondere wegen seiner Canal-Parade auf den Grachten. Das mehrtägige Festival zieht jedes Jahr Hunderttausende Besucher*innen an. Sollte die UNESCO den Antrag annehmen, wäre dies ein historischer Schritt: Erstmals würde die queere Emanzipationsbewegung selbst als schützenswertes kulturelles Erbe anerkannt.
Dieses Jahr findet in Amsterdam der World Pride statt
Dieses Jahr wird der CSD Amsterdam besonders groß: In der niederländischen Hauptstadt findet vom 25. Juli bis zum 8. August der World Pride statt, zu dem Gäste aus aller Welt erwartet werden. Dabei wird unter anderem ein großes Kunst- und Kulturprogramm sowie eine Menschenrechtskonferenz ausgetragen.
Die Niederlande haben das Jahr 2026 sehr queer begonnen: Im Februar übernahm mit Rob Jetten erstmals ein offen schwuler Mann das Amt des Ministerpräsidenten (queer.de berichtete). Vor rund sechs Wochen feierte das Land dann 25 Jahre Ehe für alle (queer.de berichtete). Das Königreich hatte am 1. April 2001 als erste Nation der Welt die Ehe für Schwule und Lesben geöffnet. (dk)















