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Maneo-Bericht

Berlin: 723 Attacken auf queere Menschen in einem Jahr

Flaschenwürfe auf Initiativen, homophobe Beleidigungen gegen Schwule, Lesben und trans Menschen, Angriffe in der Nacht – nicht immer geht es in Berlin so tolerant zu, wie oft propagiert wird.


Maneo ist seit fast vier Jahrzehnten in Berlin aktiv (Bild: Maneo)

723 Fälle und Hinweise auf Anfeindungen gegen schwule Männer, lesbische Frauen und andere sexuelle Minderheiten sind von der queeren Beratungsstelle Maneo im vergangenen Jahr in Berlin registriert worden (PDF). Die Zahl im Vorjahr 2024 hatte in einer ähnlichen Größenordnung gelegen (queer.de berichtete).

Die Taten ereigneten sich demnach in verschiedenen Bereichen: im Internet, auf der Straße, in Wohnungen, am Arbeitsplatz, in der Schule und in der Familie. Dazu zählten auch Übergriffe gegen Initiativen und Vereine in der schwul-lesbischen Szene sowie auf Straßenfesten oder anderen Veranstaltungen. Allein die Sichtbarkeit von Menschen im öffentlichen Raum sei immer wieder Grund für Angriffe gewesen.

Oft ging es um Beleidigungen und auch um körperliche Übergriffe, teilte Maneo mit. Einrichtungen wurden mit Eiern, Flaschen und Steinen beworfen oder bedroht, Fassaden, Schaufensterscheiben oder aufgehängte Regenbogenfahnen beschädigt.

Viele Vorfälle werden wohl nicht gemeldet

165 Fälle ereigneten sich auf öffentlichen Straßen oder in Bussen oder Bahnen oder an Haltestellen. Zum Teil wurden Opfer gezielt in Fallen gelockt mit angeblichen Verabredungen über das Internet und dann bei Treffen beraubt oder angegriffen. Die Tatorte lagen mehrheitlich in den Stadtteilen Schöneberg, Neukölln, Kreuzberg und Friedrichshain – dort, wo sich viel Nachtleben abspielt und viele schwule Männer und lesbische Frauen sichtbar sind.

Geschildert wurden im Bericht auch konkrete Beispiele: zwei sich in einem Bus küssende Frauen wurden in Steglitz beleidigt und geschubst; zwei schwule Männer wurden von dem Fahrer eines gemieteten Wagens rausgeworfen; schwule Männer wurden nachts in einem Park beraubt und geschlagen; ein schwuler Geflüchteter wurde in seiner Sammelunterkunft von Jugendlichen beschimpft und angegriffen.

Nach Einschätzung von Maneo werden sehr viele Fälle von den Opfern nicht gemeldet. Man gehe von einem Dunkelfeld von 80 bis 90 Prozent aus. Die Initiative ist seit 36 Jahren als Opferhilfe aktiv.

Letztes Jahr hatte die Beratungsstelle selbst Gewalt erfahren: Im Herbst gab es mehrere Anschläge auf die Einrichtung in Berlin-Schöneberg. Die Polizei bat damals die Bevölkerung um Mithilfe bei der Aufklärung (queer.de berichtete). (dpa/cw)

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