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Niedersachsen

Springe will Platz nach Dragqueen Olivia Jones benennen

Die Stadt Springe im Südwesten von Hannover ist der Heimatort von Olivia Jones. Mit der Umbenennung eines zentralen Platzes will der Bürgermeister nicht nur die Dragqueen würdigen.


Olivia Jones: "Auf dem Platz trinke ich dann mein Käffchen mit meiner Mutter künftig doppelt gerne" (Bild: Superbass / wikipedia)
  • 14. Mai 2026, 13:11h 3 Min.

Im niedersächsischen Springe soll es künftig einen Olivia-Jones-Platz geben. Damit soll die Dragqueen in ihrer Heimatstadt im Südwesten von Hannover geehrt, aber auch Sichtbarkeit für sexuelle Minderheiten geschaffen werden, sagte Bürgermeister Christian Springfeld (parteilos). Jones (56) wird meist mit Hamburg in Verbindung gebracht, wo die Dragqueen lebt und mehrere Lokale auf der Reeperbahn betreibt.

Springfeld sagte, er habe die Idee zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Stefanie Hoffmann, gehabt. "Es geht nicht um Nostalgie und auch nicht um eine klassische Ehrung. Es geht um Haltung und Mut und Sichtbarkeit", so Springfeld. In Springe leben rund 30.000 Menschen.

Bürgermeister: Jones steht tagtäglich für Akzeptanz

Beschlossen ist allerdings bisher nichts, auch eine politische Beratung habe es noch nicht gegeben, sagte der Bürgermeister. Die Entscheidung treffe letztlich der Ortsrat Springe, der sich voraussichtlich erst wieder am 26. August trifft. Im Gespräch für den bisher namenlosen Platz am Alten Rathaus sind den Angaben nach auch "Platz der Gleichstellung" oder "Platz der Vielfalt". Ortsbürgermeister Uwe Lampe schlug vor, Ortsbürgermeister Uwe Lampe (parteilos) schlug laut der "Neuen Deister Zeitung" vor, die Einwohner*innen der Deisterstadt über die Umbenennung abstimmen zu lassen.

Für die Dragqueen sprechen laut Bürgermeister Springfeld nicht nur die Wurzeln des in der Stadt geborenen Travestiekünstlers Oliver Knöbel. "Olivia Jones ist Ehrenbotschafterin unserer Stadt – und steht weit über Springe hinaus für Vielfalt, Toleranz, Selbstbestimmung und die Freiheit, aber auch den Mut, ohne Angst anders sein zu dürfen." Die Botschaft sei tagtäglich wichtig, das zeige auch die Diskussion um den Namen des Platzes.

Kritiker*innen hielt Springfeld entgegen, dass kein anderes wichtiges Thema liegen bleibe, "'nur' weil wir einen Platz nach Olivia Jones benennen". Die Benennung zu Lebzeiten sei für ihn zudem kein Makel. Wer für Sichtbarkeit und Akzeptanz stehe und diese Botschaft tagtäglich sichtbar, mutig und stolz in die Welt trage, "darf diese Anerkennung und Unterstützung auch erleben".

In die erste Ideenfindung sei Jones nicht eingebunden gewesen. Die Reaktion auf die Pläne war laut dem Bürgermeister aber positiv.

Jones: "macht mich stolz und dankbar zugleich"

Bei Olivia Jones selbst kommt die Idee gut an. "Dass Springe mal einen Olivia-Jones-Platz bekommt, macht mich stolz und dankbar zugleich", sagte die 56-Jährige. Das zeige, was Springe heute für eine tolle und weltoffene Stadt ist. "Auf dem Platz trinke ich dann mein Käffchen mit meiner Mutter künftig doppelt gerne", so die Dragqueen.

Am Mittwoch war ein Biopic über Olivia Jones im ZDF ausgestrahlt worden. "Der Film erinnert daran, wie schmerzhaft Ausgrenzung sein kann. Zugleich zeigt die Lebensgeschichte von Olivia Jones, wie stark Menschen sein können, wenn sie ihren eigenen Weg gehen", erklärte Bürgermeister Springfeld. Der Film ist weiter in der ZDF-Mediathek verfügbar.

Zu diesem Anlass wurde der Platz, der künftig nach der Dragqueen benannt werden könnte, am Donnerstag mit Regenbogenfahnen beflaggt. Um auch den Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT) zu würdigen, bleiben die Flaggen durchgehend bis zum 18. Mai 2026 gehisst. (mize/dpa)

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