Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?58036

Knatsch in der Community

Kritik an geplantem Auftritt von Sarah Engels beim CSD Köln

Die deutsche ESC-Teilnehmerin Sarah Engels soll Anfang Juli beim Kölner CSD auftreten. Doch eine Interview-Äußerung der gebürtigen Kölnerin sorgt nun für Kritik.


Sarah Engels will auch beim Cologne Pride on fire sein (Bild: Alma Bengtson / EBU)
  • 19. Mai 2026, 13:23h 3 Min.

"Wir sind komplett ON FIRE!" Das schrieb der Cologne Pride am Samstag auf Instagram, um für den ESC-Song "Fire" von Sarah Engels zu werben. Dabei kündigten die Organisator*innen auch gleich an, dass die gebürtige Kölnerin am 5. Juli beim CSD auftreten wird. "Die Flammen-Projektoren sind schon bestellt", heißt es in dem Text.

Doch nach einer Interviewäußerung von Engels gibt es nun Kritik an der Personalie. Anlass ist ein Satz zu Feminismus, der in einem Gespräch mit dem ESC-Podcast "Merci, Chérie" fiel. Auf ihr Album "Strong Girls Club" angesprochen, wurde Engels gefragt, wie feministisch sie eigentlich sei. Ihre Antwort: "Feministisch würde ich nicht sagen. Weil ich einen ganz, ganz tollen Mann habe und ich mag auch Männer."

An dieser Äußerung gab es viel Kritik: "Wieder einmal Feminismus auf Männerhass reduziert", merkte eine Nutzerin empört auf Instagram an. "Vielleicht wär's gut das Wort zumindest vorher einmal zu googeln", empfahl eine andere. Viele boten ihre Definition an, etwa: "Der Begriff Feminismus beschreibt gesellschaftliche Bemühungen, die Rechte von Frauen zu stärken und Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu erreichen."

- Werbung -

Forderung nach queeren Acts

Auf der Seite des Cologne Pride warben viele dafür, Engels wieder auszuladen: "Es gibt so viele tolle, queere Artists, die auf für unseren Cause einstehen… Hoffe der Platz bleibt zu der Zeit leer, unglaublich", schrieb eine Nutzerin, eine andere merkte an: "Wer auch immer für das Booking verantwortlich war – Abmahnung aus der Community." Andere merkten an, dass auch der CSD ein feministisches Event sei. Es gab aber auch Unterstützung für die Sängerin, teilweise sarkastisch: "Wow die queere Community wieder total tolerant. Ja, da hat eine Künstlerin in einem schnellen Interview feministisch und lesbisch durcheinander gebracht und jetzt wird hier nach Auftrittsverbot und Boykott geschrien."

Feminismus ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Strömungen, die sich grundsätzlich für die Gleichberechtigung von Geschlechtern einsetzen. Der Begriff wird allerdings auch zur Ausgrenzung von Minderheiten benutzt. So macht die bekannteste deutsche Feministin Alice Schwarzer im Namen des Feminismus seit Jahren Stimmung gegen trans Menschen – und ignoriert dabei auch gerne wissenschaftliche Erkenntnisse (queer.de berichtete). Dieser Teil der feministischen Bewegung wird als Terf bezeichnet (Abkürzung für "Trans-Exclusionary Radical Feminism", auf Deutsch: Trans-ausschließende radikaler Feministismus"). Anhänger*innen dieser Strömung definieren das Frausein rein über das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht und sehen trans Frauen oftmals als Gefahr für cis Frauen an. So diffamiert die britische Feministin und "Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling trans Frauen gerne pauschal als Vergewaltiger (queer.de berichtete).

Das Abschneiden von Engels beim ESC dürfte kein Ausladungsgrund sein: Zwar reichte es am Ende in der Wiener Stadthalle am frühen Sonntagmorgen nur für den drittletzten Platz (queer.de berichtete). Allerdings ist das für Deutschland noch überdurchschnittlich: Sechs der zehn letzten Beiträge der ARD schafften es nur auf den vorletzten oder letzten Platz.

2025 war der Top Act beim Cologne Pride Culcha Candela, 2024 Tokio Hotel. Laut den CSD-Veranstalter*innen war Sarah Engels bereits als diesjähriger Top Act vorgesehen, bevor sie den deutschen ESC-Entscheid gewonnen hatte.

Der CSD Köln steht dieses Jahr unter dem Motto "Für Queerrechte. Viele. Gemeinsam. Stark!", wie der CSD-Verein bei einer Pressekonferenz am Dienstag bekanntgab. In den letzten Jahren lautete das Motto noch "Für Menschenrechte – Viele. Gemeinsam. Stark." Mit der Änderung wollte die Organisator*innen deutlicher machen, um wessen Interessen es geht.

Die CSD-Demonstration findet am 5. Juli statt – los geht es um 11:30 Uhr an der Deutzer Brücke. Zu den Hauptforderungen gehört die Aufnahme von sexueller und geschlechtlicher Identität in den Nichtdiskriminierungsartikel des Grundgesetzes, die Absicherung von Community- und Beratungsstrukturen in Zeiten knapper Kassen sowie ein wirksamerer Kampf gegen Hasskriminalität und Hatespeech. (cw)

-w-