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Die Hochzeitsdoku von Ralf und Étienne – und die Schatten, die sie wirft

Ralf Schumacher und Étienne Bousquet-Cassagne zeigen sich in ihrer Doku als harmonisches Duo. Und auch wenn sie glänzen, bleibt ein schaler Beigeschmack, der auf TikTok nun sogar "Pinkwashing"-Vorwürfe nach sich zieht.


Ralf Schumacher (l.) und Étienne Bousquet-Cassagne in der Doku-Follow "Ralf & Étienne: Wir sagen Ja" (Bild: Sky Deutschland)

Ein weiß-blaues Formel-1-Auto eröffnet die Sky-Original-Dokuserie "Ralf & Étienne: Wir sagen Ja". Schon die ersten Bilder erinnern daran, dass Ralf Schumacher einst zu den prägenden Figuren der Königsklasse gehörte, auch wenn er nie an die Erfolge seines Bruders Michael herankam. Sechs Grand-Prix-Siege stehen dennoch für eine beachtliche Karriere. Schumacher war ein Fahrer, der nicht nur Geschwindigkeit verstand, sondern auch die Kunst der Selbstinszenierung. Besonders sichtbar wurde das in seiner Ehe mit Cora Schumacher, die er rückblickend als "klassisch" beschreibt. 2015 folgte die Scheidung, begleitet von einem öffentlichen Rosenkrieg.

Während es in den folgenden Jahren ruhiger um ihn wurde, blieb Cora durch Formate wie "Let's Dance" oder das RTL-Dschungelcamp präsent. Diese mediale Verschiebung hielt an, bis am Abend des 14. Juli 2024 ein Foto von Ralf Schumacher und seinem Partner Étienne Bousquet-Cassagne in den sozialen Medien erschien – und die Dynamik schlagartig veränderte (queer.de berichtete). Die Botschaft war eindeutig: "Ich liebe einen Mann." Die Meldung verbreitete sich weltweit und rückte ihn zurück ins Zentrum der Öffentlichkeit, denn Homosexualität galt in der Formel 1 bis dahin eher als Tabuthema.

Rückkehr ins Rampenlicht nach Coming-out

Seit seinem öffentlichen Liebesbekenntnis steht Ralf Schumacher wieder im Rampenlicht, nicht nur als Werbegesicht eines Gebrauchtwagenvermittlers, sondern auch als Dauergast in Formaten wie "RTL Exclusiv". Das Interesse an seiner Person ist so groß wie lange nicht mehr, und die Beziehung zwischen ihm und Étienne wurde zum Dauerbrenner in der Presse. Dass die beiden nun eine eigene Doku bekommen haben, die die Vorbereitungen ihrer Hochzeit begleitet, überrascht daher kaum. Was auf den ersten Blick rührend wirkt, offenbart jedoch auch Schattenseiten (dazu später mehr).

Die erste Folge blickt zunächst auf Schumachers bewegtes Leben zurück: seine sportlichen Erfolge, sein unternehmerischer Geschäftssinn, seine Aktivitäten in der Wein- und Hotelleriebranche. Fast könnte man zu Beginn meinen, es handle sich um ein Business-Porträt, wären da nicht immer wieder Sätze wie: "Eine ausgeglichene, schöne, glückliche Beziehung macht einen anderen Menschen aus dir." Der Ton wird schnell kitschig, und der Ralf, wie man ihn einst kannte, zeigt ganz neue Seiten.


Auch das zeigt die Serie: Ralf und Étienne beim Workout (Bild: Sky Deutschland)

Bei den Hochzeitsvorbereitungen wird der Ton rauer

Die Zuschauer*innen erhalten Einblicke in den sportlichen Alltag des Paares, in ihren "Junggesellen Kühlschrank" und ihr "harmonisches" Zusammenleben. Sie sprechen darüber, was sie aneinander schätzen, wie sehr sie sich vertrauen und wie perfekt sie füreinander seien. Ihre Liebe wollen sie mit einer Hochzeit in Saint Tropez krönen und holen sich dafür unter anderem Rat bei Ralfs Sohn David und dessen Frau Vivi in Salzburg. Dort wird diskutiert, ob "Navy" wirklich die passende Anzugsfarbe ist – und ob David überhaupt Trauzeuge sein kann, denn sein Terminkalender ist voll.

Zwischendurch wird deutlich, dass der Vorbereitungsstress steigt und der Ton gelegentlich schärfer wird. Sogar ein Helikopter-Shuttle für David als Trauzeugen steht im Raum – eine Realität, die für viele fremd wirken dürfte, aber nicht in der Welt eines Ralf Schumachers, dessen Vermögen auf rund 100 Millionen Euro geschätzt wird. Auch die Diskussionen über Ringe und Nachnamen sind noch nicht final abgeschlossen. Die beiden befürchten, Außenstehende könnten spekulieren, Étienne wolle sich nur einen berühmten Namen "anheiraten" – was sie entschieden zurückweisen.

Verliebtheit und Verletzlichkeit

Und ja, die Verliebtheit der beiden ist spürbar. Vor allem Étienne spricht mehrfach darüber, wie attraktiv er Ralf findet, und wirkt dabei fast verlegen. Mit seinem breiten Grinsen und seinem markanten Akzent erfüllt er das Bild des charmanten Franzosen – und man denkt unweigerlich: Ralf hat den Jackpot gezogen! Seine Unsicherheiten über sein eigenes Aussehen machen ihn nahbar. Offen begleitet er die Zuschauer*innen sogar zu seinem Facelift ins Krankenhaus, wohin ihn Ralf trotz eigener belastender Erinnerungen begleitet.

Denn das Krankenhaus weckt bei ihm auch schmerzhafte Erinnerungen – an seine Mutter Elisabeth Schumacher, die im April 2003 in der Uniklinik Köln verstarb. Und an den schweren Skiunfall seines Bruders Michael, der sich am 29. Dezember 2013 in den französischen Alpen ein lebensbedrohliches Schädel-Hirn-Trauma zuzog. Für Étienne möchte Ralf jedoch immer da sein und genau deshalb überwindet er sich, ihn ins Krankenhaus zu begleiten.

Direktlink | Offizieller Trailer zur Dokuserie
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Scharfe Kritik an Ralf und Étienne

Doch so sympathisch die beiden wirken, ihre Personae sind nicht unumstritten. Ralf Schumacher hatte laut Medienberichten noch vor wenigen Jahren Lewis Hamilton dafür kritisiert, sich für die LGBTI-Community einzusetzen. Hamiltons Aktivismus sei "gefährlich" für die Formel 1, sagte Schumacher 2021. Für viele wirkt es daher widersprüchlich, wie offen er nun mit seiner Sexualität umgeht und mit Projekten wie der Doku sogar Profit daraus schlägt. Andere argumentieren, dass seine heutige Sichtbarkeit vieles richtig mache und man ihm frühere Fehler nicht ewig vorhalten müsse.

Auch um Étienne gibt es Kontroversen. Er war jahrelang für die extrem rechte Partei von Marine Le Pen aktiv. Bereits mit 18 trat er dem Front National bei, unterstützte Jean Marie Le Pen 2007 im Präsidentschaftswahlkampf und stieg später zum Stadt- und Regionalrat auf. Sein Engagement reichte von Wahlkampfhilfe bis zur Rolle als Departements-Sekretär. Viele wundern sich, wie er sich als queere Person für solch eine Politik stark machen konnte.

Pinkwashing Vorwürfe und Wirkung der Doku

Einige Content Creator wie der TikToker "queergedacht" bezeichnen die Doku daher als "Pinkwashing". Es sei naiv zu behaupten, alles sei "nur Regenbogen und Sonnenschein".

@queergedacht

Süße Lovestory oder krasses Pinkwashing? Während die Medien (sogar queere) Ralf Schumacher und Étienne feiern, wird eine 13-jährige Akte beim rechtsextremen Front National einfach ignoriert. Schwul sein schützt nicht vor rechten Ansichten. #ralfschumacher #queer #gay #schwul #reality

original sound – queergedacht
TikTok / queergedacht
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Und ja, solche Stimmen sind wichtig. Die Skandale der Vergangenheit auszublenden, wäre falsch. Ob die beiden Protagonisten menschlich alles richtig machen, bleibt ebenfalls diskutabel. Dennoch schafft die Doku Sichtbarkeit für queere Lebensrealitäten und trägt zur Normalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen bei.

Gleichzeitig bietet sie unterhaltsame und humorvolle Momente – etwa, wenn Étienne sich über sein eigenes Spiegelbild nach dem Facelift lustig macht. Wer eine Doku zum Abschalten, Lachen und gelegentlichen Staunen sucht, kann durchaus reinschalten. Man sollte jedoch, wie "queergedacht" betont, nicht alles "blind" hinnehmen – auch wenn Ralf Schumacher zum hundertsten Mal sagt, wie "blind" er Étienne vertraue und wie "perfekt" alles sei.

Die vierteilige Serie "Ralf & Étienne: Wir sagen Ja" ist ab 21. Mai 2026 bei Sky und Wow immer donnerstags mit neuen Episoden verfügbar, das Finale rund um die Hochzeitsfeier ist am 6. Juni exklusiv auf Sky und WOW sowie linear auf Sky One jeweils um 20.15 Uhr zu sehen.

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