Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
-Politische Werbung-
Diese Bannerkampagne wurde gebucht von der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag, Platz der Republik 1, 11011 Berlin. Anlass ist die Bewerbung des 17. Queerempfangs am 23. Juni 2026. Die Kampagne läuft mit 60.000 Einblendungen vom 8. Juni bis zum 21. Juni 2026. queer.de stellt dafür 302,52 Euro netto in Rechnung.
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?58130

Unterstützung einer Regierungsinitiative

Schweiz: Evangelische und katholische Kirche für Verbot von "Konversions­therapien"

In der Schweiz unterstützen beide große Kirchen ein Verbot der "Heilung" von queeren Menschen. International werben aber noch viele Kirchen für die Praxis, die laut Ärzteorganisationen in Depression und Suzid führen kann.


Der Film "Gotteskinder" aus dem Jahr 2024 erzählt, wie evangelische Eiferer einen schwulen Jungen "heilen" wollen (Bild: Kinescope Film)

Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) hat sich am Dienstag für ein Verbot von sogenannten Konversionstherapien zur "Heilung" von Homosexualität oder trans Identität ausgesprochen. Eine entsprechende Initiative wird gerade im Parlament von Bern beraten.

"Die SBK lehnt aller Formen von Konversionsmaßnahmen ab", heißt es in der Stellungnahme. "Praktiken, die darauf zielen, sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität oder Geschlechtsausdruck zu verändern oder zu unterdrücken, widersprechen der Würde der Person als Ebenbild Gottes und können erheblichen Schaden verursachen." Daher solle ein Verbot etabliert werden, das "insbesondere Minderjährige und vulnerable Personen wirksam schützt und eine präventive Wirkung entfaltet".

Einschränkend heißt es jedoch, dass ein derartiges Verbot "ergebnisoffene, respektvolle Beratung und Seelsorge sowie fachgerechte psychotherapeutische Begleitung" ermöglicht. Gleichzeitig versichern die Bischöfe, dass kirchliche Seelsorge "niemals Druck ausüben oder Menschen beschämen" dürfe. Konversionsmaßnahmen im religiösen Kontext könnten "spirituellen Missbrauch darstellen und sind mit katholischer Seelsorge unvereinbar".

Auch evangelische Kirche für Verbot

Auch die evangelische Kirche der Schweiz lehnt die "Heilung" von queeren Menschen ab. Der Rat der Schweizer Evangelisch-reformierten Kirche erklärte am Dienstag: "Jede Praxis, die darauf zielt, sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität oder Geschlechtsausdruck zu verändern, zu unterdrücken oder als Defizit zu behandeln, ist mit evangelisch-reformierter Seelsorge unvereinbar." Verboten seien in der evangelischen Seelsorge "alle Formen spirituellen Missbrauchs, suggestiver Einflussnahme, Beschämung, Manipulation und Grenzverletzung".

Seelsorge diene vielmehr der Person, so : "Sie schützt die Freiheit, in der Menschen vor Gott und vor sich selbst wahrhaftig werden können. Darum widerspricht alles, was sexuelle Orientierung oder Identität religiös abwertet und auf Veränderung hin bearbeitet, ihrem Auftrag." Die Kirche müsse ein Beitrag zu einem Leben leisten, "das nicht von Angst regiert wird", so die Dachorganisation der 24 reformierten Kantonalkirchen und der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Viele andere Kirche werben noch immer für "Heilung" von queeren Menschen

Das Verbot von "Konversionstherapien" ist allerdings weder in der evangelischen noch der katholischen Kirche internationaler Konsens. In vielen europäischen Ländern fordern die Kirchen sogar offensiv, als sündhaft kritisierte queere Menschen zu "heilen". Die katholische Kirche in Polen sieht die "Heilung" etwa als Teil ihres Kampfes gegen "Gender-Ideologie" an (queer.de berichtete). Auch in Spanien wirbt die katholische Kirche mit Verweis auf die "Gender-LGBTQ-Theorie" dafür, Homo- in Heterosexuelle zu verwandeln (queer.de berichtete).

Auch in Deutschland gibt es viele christliche Fans der Praxis: Der Bremer Pastor Olaf Latzel arbeitet etwa offen – und mit Unterstützung der Landeskirche – mit "Homo-Heiler"-Aktivist*innen zusammen (queer.de berichtete). "Praktizierte Homosexualität", so seine Gemeinde, sei grundsätzlich "gegen den Willen Gottes gerichtet" (queer.de berichtete). Immerhin: Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat sich 2025 von ihrer eigenen Orientierungshilfe "Mit Spannungen leben" distanziert, in der die Kirche für die "Heilung" queerer Menschen warb (queer.de berichtete).

Medizinische Organisationen warnen bereits seit Jahren davor, dass "Konversionstherapien" schlimme Folgen haben können: Der Weltärztebund hat etwa bekräftigt, dass die "Heilung" von Homosexualität oder Transgeschlechtlichkeit gefährlich und unethisch sei. Derartige Methoden seien eine "Bedrohung für die Gesundheit und die Menschenrechte derjenigen, die der Praxis unterworfen werden", heißt es in einer Stellungnahme aus dem Jahr 2023. Derartige "Therapien" würden nicht funktionieren, sondern könnten vielmehr zu negativen gesundheitlichen Auswirkungen führen – dazu zählten Angstzustände, Depressionen, Probleme mit Intimität und Suizid (queer.de berichtete).

In Deutschland sind Praktiken zur "Heilung" von Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit bei Kindern und Jugendlichen seit 2020 verboten. An Erwachsenen sind Maßnahmen unter bestimmten Umständen erlaubt. Gesetzliche Verbote gibt es insgesamt in acht von 27 EU-Ländern. (dk)

Hilfsangebote bei Suizidgedanken

Kreisen deine Gedanken darum, dir das Leben zu nehmen? Spreche mit anderen Menschen darüber. Die Telefonseelsorge ist etwa anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter (0800) 1110111 und 1110222 erreichbar. Weitere Angebote gibt es bei spiegel.de.

In mehreren deutschen Großstädten gibt es spezielle Beratungs- und Gesprächsangebote für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten. Speziell für queere Jugendliche, aber oft auch Ältere, gibt es in Deutschland zudem viele Anlaufstellen und Jugendgruppen, bei denen du Gesprächsangebote und Hilfe, aber auch Freizeitaktivitäten und Freund*­innen finden kannst. Eine kurze Anfrage in Suchmaschinen lohnt sich.
-w-