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Serientipp
Schwule Achterbahn der Gefühle
Die neue "Boys Love"-Dramaserie "Soul Mate" erzählt über zehn Jahre die Beziehungsgeschichte des Japaners Ryu und des Koreaners Johan, die sich unter ungewöhnlichen Umständen in Berlin kennenlernen. Es empfiehlt sich, Taschentücher bereit zu halten.

Hayato Isomura als Ryu (l.) und Ok Taec-yeon als Johan sind die Stars der neuen Netflix-Serie "Soul Mate", die in Berlin, Seoul und Tokio spielt (Bild: Netflix)
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30. Mai 2026, 08:51h 4 Min.
Wer mit asiatischen "Boys Love"-Serien vor allem niedliche Teenager-Romanzen mit unvermeidlichem Happy End assoziiert, ist bei "Soul Mate" falsch. Und wer queere Liebesgeschichten ohne glücklichen Ausgang prinzipiell nicht ertragen kann, sollte einen großen Bogen um diese neue Netflix-Dramaserie machen. Die japanische Produktion, die in Berlin, Seoul und Tokio spielt, beschäftigt sich mit großen, schweren Lebensthemen, mit Verrat, Verlust, Tod, aber auch Liebe, Hoffnung und unerwarteten Wahlfamilien.
Alles beginnt damit, dass der Eishockey-Starspieler Ryu (Hayato Isomura) mit der völlig überraschenden Liebeserklärung seines Teamkollegen und Freunds Arata (Koshi Mizukami) nicht umgehen kann. Als dieser sich kurz darauf bei einem Suizidversuch schwer verletzt, fühlt Ryu sich schuldig und flüchtet zu seiner Kindheitsfreundin Sumiko (Ai Hashimoto), die in Berlin Modedesign studiert.
Rettung aus einer brennenden Kirche
Dort sitzt er eines Abends deprimiert in einer Kirche, die genau dann einem Brandanschlag zum Opfer fällt. Als er im Krankenhaus wieder zu sich kommt, erfährt er, dass ihn jemand gerettet hat – der Koreaner Johan (Ok Taec-yeon), der zufällig zur gleichen Zeit in der Kirche war. Ryu sucht ihn auf, um sich zu bedanken, doch Johan reagiert kühl und abweisend, als sei das kein großes Ding gewesen. Kurz darauf allerdings begegnen sie sich durch Zufall wieder, denn Ryu und Sumiko sind zu einem Boxkampf eingeladen, und einer der Kontrahenten ist Johan.
Dieser befindet sich in einer argen Zwickmühle: Sein Manager bezahlt ihm viel Geld dafür, dass er verliert – Geld, das er braucht, um sich und seine Schwester Sua (Lee Jae Yi) zu finanzieren, die in Berlin Medizin studiert. Aber Johan will weder absichtlich verlieren noch will er betrügen. Und Ryus spontaner Zuspruch aus dem Publikum motiviert ihn, den Kampf nicht einfach aufzugeben. Weil er am Ende dennoch verliert, bekommt er das Geld zwar, aber gekoppelt mit einer Warnung seines Managers, dem er sich dann später doch noch verweigert.
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Reger Kontakt zwischen Seoul und Tokio
Zuvor allerdings ziehen Ryu, Sumiko, Johan und Sua zusammen durch Berlin, und da ist eine unübersehbare Anziehung zwischen den beiden jungen Männern, die sich besser und besser verstehen und schließlich ihre Nummern austauschen, bevor sie in ihre jeweilige Heimat zurückkehren. Ryu muss sich entscheiden, wie es nun weitergehen soll, verlässt schließlich das Eishockey-Team und die Uni und beginnt eine Ausbildung als Altenpfleger.
Auf Johan wartet der zweijährige obligatorische Militärdienst – doch die beiden bleiben telefonisch in Kontakt, und kurz bevor Johan seinen Dienst antritt, macht er noch einen Überraschungsbesuch bei Ryu in Tokio. Da dieser genau dann einen Ausflug zu seinen Eltern auf dem Land geplant hatte, nimmt er Johan kurzerhand mit. Die Eltern nehmen den Gast nicht nur überaus freundlich auf, sie behandeln ihn unausgesprochen wie einen Schwiegersohn. Doch Johan muss schon bald zurück nach Seoul, und die beiden leben vorerst in zwei unterschiedlichen Ländern weiter.
Das ändert sich erst, als Johan nach dem Militärdienst Opfer einer homophoben Attacke in einer Schwulenbar wird, inszeniert von seinem früheren, rachsüchtigen Box-Manager. Danach schlägt Ryu vor, sich in Japan ein gemeinsames Leben aufzubauen. Ein plötzlicher Todesfall führt dann dazu, dass sie dort unerwartet Ersatzväter und Teil einer Regenbogenfamilie werden. Und gerade als alles endlich gut zu laufen scheint, wirft ein weiterer Schicksalsschlag die kleine Wahlfamilie wieder aus der Bahn.
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Starkes Drama, seltsam vage Paarbeziehung
Vielleicht sind es etwas gar viele dramatische Ereignisse, mit denen Ryu und Johan in diesen zehn Jahren klarkommen müssen – und die fürs Publikum zu einer veritablen emotionalen Achterbahnfahrt führen. Aber dadurch, dass alles über eine derart lange Zeitperiode verteilt passiert, wirkt es dennoch nicht unrealistisch.
Während "Soul Mate" diesbezüglich überzeugt und berührt, bleibt die Serie bei der Beziehung zwischen den Hauptfiguren seltsam vage. Die beiden sind sich offensichtlich zutiefst verbunden, sie werden von ihrem Umfeld auch unmissverständlich als Paar behandelt. Aber es gibt nicht einen Kuss, bestenfalls mal eine (tröstende) Umarmung – und die körperlich intimste Szene zwischen ihnen findet in einem der traditionellen japanischen Badehäuser statt, bei der Ryu Johan den Rücken wäscht. Ob die beiden auch eine sexuelle Beziehung haben, bleibt trotz der engen emotionalen Verbindung unklar.
Das wirkt etwas seltsam und kann durchaus frustrieren, umso mehr als es zahlreiche japanische und koreanische BL-Serien gibt, die durchaus explizit sind, obwohl sich Gesellschaft und Politik beider Länder mit queeren Menschen noch immer eher schwertun. Wer jedoch über die fehlende körperliche Intimität hinwegsehen kann und sich auf diese ungewöhnliche Liebesgeschichte einlässt, wird mit einem komplexen Drama belohnt, das immer wieder dazu anregt, die eigene Situation und eigene Haltungen zu reflektieren. Das aber auch regelmäßig an die Flüchtigkeit des (guten) Lebens erinnert. Wer bevorzugt, das lieber zu verdrängen, dem bietet die BL-Welt glücklicherweise zahllose unbeschwertere Alternativen.
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