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Ein Hund? Ein Baby? Oder doch lieber Auswandern?

Die zweite Staffel von Tina Feys höchst unterhaltsamer Netflix-Dramödie "The Four Seasons" beschäftigt sich erneut mit den Herausforderungen gut situierter Menschen in der zweiten Lebenshälfte – darunter auch das schwule Paar Danny und Claude.


Schwules Paar mit Kinderwunsch: Claude (Marco Calvani, l.) und Danny (Colman Domingo) können sich vorstellen, Eltern zu werden (Bild: Netflix)

Wer genau vor zig Jahren gegen Kinder war, darüber sind sich Danny (Colman Domingo) und Claude (Marco Calvani) nicht nur uneinig, sie können sich auch leidenschaftlich darüber streiten, wessen Erinnerung nun zutrifft und wessen nicht – ein Phänomen, das langjährigen Paaren nicht unvertraut sein dürfte. Dass sich die beiden überhaupt erneut mit dieser Frage auseinandersetzen, hat zwei Gründe: Erstens erwartet ihre Freundin Ginny (Erika Henningsen) demnächst ein Kind, und zweitens fragt sich Danny in letzter Zeit vermehrt, was sie denn jetzt eigentlich noch so mit dem Rest ihres Lebens anfangen wollen: "Wir können doch nicht einfach nur alle zwei Jahre unsere Küche neu renovieren!"

Und da schwingen Fragen mit, die vielen Menschen in der zweiten Lebenshälfte ebenfalls bekannt vorkommen dürften: Kann es das jetzt wirklich schon gewesen sein? Muss ich vielleicht noch mal was ganz anderes machen?

Direkter Anschluss an die erste Staffel

Willkommen in der zweiten Staffel von Tina Feys scharf beobachteter Dramödie "The Four Seasons", in der wir erneut einem Freundeskreis gut situierter Amerikaner*innen mittleren Alters dabei zusehen können, wie sie sich in jeder der vier Jahreszeiten zu einer gemeinsamen Urlaubsreise treffen. Die neuen Folgen knüpfen unmittelbar an die erste Staffel an, es empfiehlt sich also, sich diese nochmals in Erinnerung zu rufen – etwa mit unserer Review "Beziehungsquerelen in der zweiten Lebenshälfte".

Der große Twist gegen Ende war der unerwartete Unfalltod von Nick (Steve Carell), der im Laufe der ersten Staffel seine langjährige Frau Anne (Kerri Kenney) verlassen und sich die junge Ginny angelacht hatte. Diese ist nun zu Beginn der zweiten Staffel hochschwanger und nimmt an der ersten gemeinsamen Reise des Freundeskreises teil. Mit dabei ist auch Anne, denn es geht darum, Nicks Asche auf einem Berg zu verstreuen, der ihm offenbar viel bedeutet hatte.

Nicks Asche und andere Spannungen


Der Versuch, Nicks Asche auf einem Berg zu verstreuen, braucht mehrere Anläufe (Bild: Netflix)

Wobei dieses Anliegen insbesondere Jack (Will Forte) wichtig zu sein scheint – so wichtig, dass seine Frau Kate (Tina Fey) den Rest der eher unwilligen Gruppe mit aller Macht davon überzeugt, nun nochmals einen zweiten Versuch zu unternehmen, nachdem bei der ersten Wanderung eine Horde Kinder die besinnliche Atmosphäre beim Aussichtspunkt ruiniert hatte. Als die Gruppe am nächsten Tag mäßig gelaunt erneut oben steht, stellt sich heraus, dass Danny Nicks Asche im Hotel vergessen hat.

Zur getrübten Stimmung trägt bei, dass Anne Kate zuvor gestanden hatte, dass sie es kaum aushält, mit Nicks Affäre Ginny hier sein zu müssen. Derweil die angehende alleinstehende Mutter Ginny Claude ihr Herz ausgeschüttet hatte, dass sie keine Ahnung habe, wie sie diese Mutterschaft bewältigen solle und Anne ihr zu allem Übel jegliche finanzielle Unterstützung verweigere, die ihr nach Nicks Tod eigentlich zustünde.

Mitten in dieser angespannten Situation diskutieren Danny und Claude also, warum sie eigentlich damals keine Kinder wollten – und einigen sich schließlich darauf, dass es ja vielleicht doch einen Versuch wert sein könnte. Im dritten Anlauf gelingt es außerdem, Nicks Asche zu verstreuen. Und nach einer großen Versöhnung bietet die erfahrene Mutter Anne Ginny ihre Hilfe an und lässt sie samt dem neugeborenen Sohn ihres verstorbenen untreuen Gatten bei sich wohnen.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zur zweiten Staffel
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Geschickte Balance zwischen Komödie und Drama

Zu den Highlights der zweiten Staffel gehört eine Rückblicks-Episode in die Anfangszeit von Covid, in der auch Steve Carell für eine Folge zurückkehrt. Die Gruppe trifft sich mitten in der Pandemie im geräumigen Ferienhaus von Anne und Nick, nachdem sich zuvor alle lange genug isoliert hatten, dass niemand mehr ansteckend sein sollte. Was sich natürlich als Irrtum erweist. Danny und Claude bringen auch ihren neuen Hund mit, den sie sich zur Auflockerung in der Isolation angeschafft hatten. Basierend auf ihrem Umgang mit dem Haustier würde man keinem Kind wünschen, bei den beiden aufwachsen zu müssen…

"The Four Seasons" hält erneut eine geschickte Balance zwischen Komödie und Drama und findet gegenüber der ersten Staffel einige neue, treffend beobachtete Herausforderungen von Menschen und langjährigen Paaren in der zweiten Lebenshälfte. Seien dies nun hetero Männer, die sich schwertun, neue Männer-Freunde zu finden. Oder unfreiwillige weibliche Singles, die sich plötzlich nochmals neu erfinden müssen. Oder binationale Paare, die zu entscheiden versuchen, in welchem Land sie leben wollen.

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Nächstes Mal auf Fire Island?

Dabei kann man sich trotz aller Herausforderungen darauf verlassen, dass sich zeitnah Lösungen finden, die zumindest Hoffnung machen, dass das schon alles irgendwie gut kommen wird – was dem realen Leben vielleicht doch nicht ganz immer entspricht. Dennoch sieht man auch der zweiten Staffel dieser Feelgood-Dramödie gerne zu, und das Ende signalisiert ganz klar, dass Autorin Tina Fey und ihr Team noch mehr zu erzählen hätten, falls Netflix ihnen grünes Licht für eine weitere Staffel geben sollte.

Claude-Darsteller Marco Calvani hat auch schon eine Idee, wo eine der Freundeskreis-Urlaubsreisen der dritten Staffel hinführen könnte, wie er in einem Interview erzählte: "Ich würde sie gerne in einem schwulen Umfeld sehen, also die ganze Gruppe. Ich fände es toll, wenn sie zum Beispiel nach Fire Island oder nach Provincetown gingen. Diese Orte sind natürlich auch großartige Schauplätze für Dramen oder Komödien – dort kann alles nur Erdenkliche passieren." Dann hoffen wir mal auf ein offenes Ohr bei Netflix und Tina Fey.

-w-