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Queerfilmnacht

Als queere Tochter im Dauerkonflikt mit der Familie

Die Schwestern Anna und Charlotte könnten kaum unterschiedlicher sein. Mutter Ines schürt die Konflikte zusätzlich. Die Tragikomödie "Donkey Days" zeigt die kleinen und großen familiären Fürchterlichkeiten mit großer Präzision und Konsequenz.


Die queere Anna (Jil Krammer, l.) geht auf kinky Partys, ihre ältere Schwester Charlotte (Susanne Wolff) kann mit Emotionen nicht viel anfangen (Bild: Salzgeber)

Die Familie kann man sich nicht aussuchen. Wenn das möglich wäre, hätte sich Anna sicher für eine andere entschieden. Denn ihre Familie ist ohne Konflikt gar nicht denkbar. Harmonie hält nie lange. Es wird gemeckert, gestritten, geschrien. Ganz unschuldig ist Anna daran aber auch nicht.

Anna arbeitet als Lehrerin. Sie ist seit Kurzem mit einer neuen Partnerin zusammen. Beim Abendessen mit ihrer Schwester Charlotte und Mutter Ines kommen die üblichen nervigen Kommentare. Wie, in der Gastronomie zu arbeiten, davon kann man leben?

Anna geht auf kinky queere Partys

Kein Wunder, dass Annas ältere Schwester Charlotte so eine Frage stellt. Sie selbst lebt in einer großzügigen Hamburger Wohnung. Aufgewachsen sind die Schwestern in einem norddeutschen Backsteinhaus, das man eigentlich als Anwesen bezeichnen müsste. Der Garten ist so groß, dass Nachbar*innen außer Sichtweite wohnen.

Anna lebt ein eher unangepasstes Leben. Während Charlotte morgens joggen geht, fühlt Anna sich in ihrem – Eigenbezeichnung! – fetten Körper wohl. Die jüngere Schwester besucht queere Performances, bei der nackte Körper auf dem Boden herumrollen, und queere kinky Partys, bei denen sie schon mal mit zwei anderen im Bett landet.

Die emotionskalte Charlotte


Poster zum Film: "Donkey Days" läuft im Juni 2026 in der Queerfilmnacht. Regulärer Kinostart ist am 25. Juni 2026

Sie ist die Hauptfigur in "Donkey Days", dem zweiten Spielfilm der niederländischen Regisseurin
Rosanne Pel. Vom Alltag der älteren Charlotte erzählt die Tragikomödie weniger. Charlotte ist die Macherin, die mit Emotionen nicht viel anfangen kann. Aber sie hat einen Führerschein, weshalb sie Anna immer abholen muss, wenn sie ihre Mutter Ines besuchen.

Das absurde Familienporträt "Donkey Days" fühlt sich sehr dokumentarisch an. Die Kamera schwenkt oft zwischen den Gesichtern hin und her, was sich deutlich echter und näher anfühlt als sorgfältig ausgerichtete Bilder, die als Schuss/Gegenschuss aneinandergeschnitten werden. Manche Figuren nuscheln eher, der Ton ist nicht immer ganz sauber zu verstehen.

Ein falsches Wort – und alles eskaliert

Das sorgt dafür, dass man wirklich das Gefühl hat, mit Anna, Charlotte und Ines am Tisch zu sitzen – was sehr schnell sehr unangenehm wird. Denn die drei erwachsenen Frauen sind gleichermaßen kompromisslos und unnachgiebig. Von rücksichtsvollen und wertschätzenden Kommunikationsregeln hat hier noch keine gehört.

Im Gegenteil: Ein falsches Wort, ein schiefer Blick – und die Lage eskaliert. Und lässt sich so schnell nicht beruhigen. "Immer dasselbe, sie haut ab", kommentiert Ines heiter-süffisant Annas Flucht vor dem Familienstress. Doch natürlich kommen sich die drei auch wieder näher – und lernen sich im Laufe der Zeit auch noch auf neuen Ebenen kennen.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film
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Wenn nervige Verwandtschaft vor der Tür steht

Regisseurin und Drehbuchautorin Rosanne Pel hat außerordentlich authentische Situationen geschaffen, die sie mit großer Präzision einfängt – und in denen sich viele im Publikum wiedererkennen werden. Denn alle kennen solche oder so ähnliche Momente. Und viele würden sich wünschen, auch mal so konsequent wie Anna und Charlotte zu handeln, wenn nervige Verwandtschaft vor der Tür steht. Darauf und auf dem wahren Emotionsfeuerwerk, das Anna und Charlotte plötzlich zünden können, basiert die große Komik des Films.

Die Newcomerin Jil Krammer als Anna steht dabei der erfahrenen Susanne Wolff in der Rolle ihrer älteren Schwester in überhaupt nichts nach. Und Hildegard Schmahl, die vor allem am Theater tätig ist, gibt eine großartige Mutter Ines, bei der die Altersmilde noch nicht angekommen ist. Beim titelgebenden Esel etwa ist sie absolut uneinsichtig.

Nur Annas Queerness wird kein Konflikt

Vor lauter Zoff tritt die eigentliche Handlung – dass der 85. Geburtstag von Ines geplant werden will – in den Hintergrund. Das kann auf Dauer ein wenig repetitiv wirken, ohne dass die Handlung wirklich vorankommt. Aber so sind Familienkonflikte eben: wenig konstruktiv, sondern aufreibend und sich wiederholend.

"Donkey Days", der im vergangenen Jahr im Wettbewerb des Filmfestivals in Locarno seine Premiere feierte, ist auch deshalb interessant, weil er immer wieder seinen klassischen Pfad verlässt: Da zwinkert einem ein Gemälde zu oder ein Immobilienmakler preist das Anwesen an – Stilmittel, die der Komödie einen experimentellen Touch verleihen.

Der Film macht großen Spaß, auch weil er den queeren Lebensstil von Anna nicht nur selbstverständlich, sondern stellenweise auch sehr freizügig darstellt. Zum Familienkonflikt wird Annas Queerness glücklicherweise nicht. Gestritten wird auch sonst genug.

Infos zum Film

Donkey Days. Tragikomödie. Niederlande, Deutschland 2025. Regie: Rosanne Pel. Cast: Jil Krammer, Susanne Wolff, Hildegard Schmahl, Amke Wegner, Carla Juri. Laufzeit: 108 Minuten. Sprache: Originalfassung in Deutsch, Englisch und Niederländisch, teilweise mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih: Salzgeber. Im Juni 2026 in der Queerfilmnacht. Regulärer Kinostart: 25. Juni 2026
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