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"Entrechtungspolitik"
Internationaler Hurentag: Warnung vor Einführung eines Sexkaufverbots
Linksfraktion und SPDqueer kritisieren anlässlich des internationalen Tages der Sexarbeiter*innen Pläne, das "Nordische Modell" in Deutschland einzuführen.

Archivbild: Demo gegen "Nordisches Modell" 2019 (Bild: IMAGO / snapshot)
- 2. Juni 2026, 11:20h 2 Min.
Zum internationalen Hurentag am 2. Juni fordert Maik Brückner, der queerpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Sexarbeiter*innen nicht zu entrechten: "In einer Welt, in der trans Menschen oder Geflüchtete diskriminiert werden und überproportional von Armut betroffen sind, kann Sexarbeit eine Überlebensstrategie sein. Eine Entrechtungspolitik, etwa durch das 'Nordische Modell', wäre mit einer weiteren Prekarisierung gleichbedeutend", so der Bundestagsabgeordnete aus Niedersachsen. "Die queeren Communitys haben für die Folgen von Stigma und Entrechtung ein besonderes Gespür."
Das "Nordische Modell" besagt, dass Kund*innen und Bordell-Betreiber*innen künftig bestraft werden sollen – Sexarbeit wird dabei pauschal als Form des Menschenhandels angesehen. Dieses Verbotsmodell wird von der Union, aber auch von Teilen der SPD unterstützt.
Brückner forderte auch erneut, dass in der sogenannten Prostituiertenschutz-Kommission, die derzeit im Auftrag der Bundesregierung über eine mögliche Reform des Prostituiertenschutzgesetzes berät, auch Sexarbeiter*innen aufgenommen werden sollten, um ihre "vielfältigen Stimmen" zu hören. "Das darf nicht nur im Rahmen von knappen Einzelinterviews geschehen. Die Selbstorganisationen und Beratungsstrukturen kennen die Lebensrealitäten der Sexarbeitenden am besten und müssen deshalb Gehör finden." Der Ausschluss von Sexarbeitenden war bereits vom Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD) scharf kritisiert worden (queer.de berichtete).
Auch SPDqueer kritisiert "Nordisches Modell"
Auch die queere Organisation der SPD forderte, den Stimmen von Sexarbeiter*innen mehr Gewicht zu geben: "Wer über Sexarbeit spricht, muss vor allem über die Menschen sprechen, die in diesem Bereich tätig sind. Sie haben ein Recht auf Sicherheit, gesundheitliche Versorgung, soziale Absicherung und gesellschaftlichen Respekt", erklärte SPDqueer-Co-Bundesvorsitzender Oliver Strotzer.
Seine Co-Chefin Carola Eberhardt kritisierte angesichts des Hurentages auch das "Nordische Modell": "Es drängt Sexarbeit in unsichere Bereiche, erschwert den Zugang zu Beratung, Gesundheitsversorgung und Unterstützung und erhöht damit die Risiken für die Betroffenen. Gerade marginalisierte Gruppen, darunter viele queere Sexarbeiter*innen, würden die Folgen besonders stark spüren."
Der internationale Hurentag (auch internationaler Tag der Sexarbeiter*innen genannt) erinnert an den 2. Juni 1975, an dem mehr als 100 Prostituierte die Kirche Saint-Nizier in Lyon besetzten, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Seit 1976 wird er jedes Jahr begangen. (cw)














