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Berlin

Wieder Gruppenangriff auf Cruiser im Volkspark Friedrichshain

Rund 15 junge Männer sollen im Mai gezielt Jagd auf Schwule gemacht haben. Ein Mann wurde im Gesicht verletzt, der Staatsschutz ermittelt.


Das Gebiet rund um das sogenannte Spanien-Denkmal im Volkspark Friedrichshain im Jahr 2019 (Bild: DaveLevy / wikipedia)

Nach Berichten über mehrere mutmaßlich gezielte Übergriffe auf schwule Männer beim Cruisen im Berliner Volkspark Friedrichshain aus dem letzten Jahr ist es vor rund zwei Wochen offenbar erneut zu einem schweren Angriff gekommen, der auf Männer zielte, die dort anonymen Sex suchten.

Wie zuerst der "Tagesspiegel" berichtete, habe die Polizei die entsprechende Schilderung eines Zeugen in Grundzügen bestätigt. Am Freitag, dem 22. Mai, sei demnach kurz vor Mitternacht ein Notruf über eine verletzte Person eingegangen. Der 45-Jährige sei von Beamten mit Verletzungen im Gesicht in ein Krankenhaus gebracht worden.

Nach aktuellem Ermittlungsstand spreche die Polizei von einem "scheinbar von einer Gruppe Jugendlicher oder Heranwachsender organisierten Angriff auf Besuchende des Cruising-Gebiets" rund um das Spanien-Denkmal und gehe von einer mutmaßlichen queer­feindlichen Tatmotivation aus. Wie in diesen Fällen üblich führe der Polizeiliche Staatsschutz die weiteren Ermittlungen.

"Koordinierte Attacke" berichtet

Zuvor hatte sich ein zufälliger Zeuge der Tat an den "Tagesspiegel" gewandt, der von einer "offenbar koordinierten Attacke" auf Männer in der bekannten Cruising-Area rund um das Denkmal für die deutschen Interbrigadisten sprach.

Rund 15 Männer, geschätzt zwischen 16 und 22 Jahre alt, seien teilweise mit Taschenlampen ausgerüstet und wohl miteinander abgestimmt gezielt auf Cruiser losgegangen, hätten sie aus Gebüschen getrieben und mehrere Personen körperlich angegriffen, so die Schilderung, die auch queer.de vorliegt. Die Polizei sei erst eingetroffen, als die Angreifer verschwunden gewesen seien.

Mehrere Angriffe 2025

Das schwule Überfalltelefon Maneo hatte in seinem letzten Monat vorgestellten Jahresbericht von 26 ihm bekannten Übergriffen auf Cruiser im Jahr 2025 berichtet, genauso viele Taten wie im Vorjahr. Das verknüpfte Maneo mit elf Fällen, in denen Männer via Dating-Portale in Fallen gelockt wurden. Bei den Taten komme es "zu erniedrigenden Misshandlungen, Demütigungen, Diebstahl oder Raub, mit teils schweren Körperverletzungen".

Aus dem Volkspark Friedrichshain benennt der Bericht mehrere Taten aus dem letzten Sommer: Am 24. Juli seien Feuerwerkskörper auf Cruiser geworfen worden. Am Abend darauf seien "Cruiser durch eine 10- bzw. 15-köpfige Gruppe junger Männer bedrängt und aufgefordert" worden, aus "ihrem Park zu verschwinden". Am 2. August sei ein schwuler Cruiser zu Boden getreten und beraubt worden, am 5. August ein Cruiser von einer Gruppe von etwa zehn bis 20 jungen Männern verfolgt und bedroht worden: "Die Täter ließen erst ab, als Passanten die Polizei riefen", so Maneo. Am 11. August hätten acht bis zehn junge Männer für mehrere Cruiser die Ausgänge aus dem Park blockiert und die Männer angegriffen. Alle Taten spielten sich zwischen 22 Uhr und Mitternacht ab.

Laut "Tagesspiegel" hat die Polizei für den letzten August vier Angriffe erfasst. Die Tat vom 22. Mai 2026 sei die bislang einzige bekannte in einem Berliner Cruising-Gebiet in diesem Jahr. Das Gebiet in Friedrichshain unterliege einer "verstärkten Beobachtung", erklärte ein Polizeisprecher dem "Neuen Deutschland". Laut einer Linken-Anfrage aus dem letzten Herbst umfasse das die Schulung von Personal, die Intensivierung der Streifengänge und -fahrten in den Nachtstunden und Einsätze, bei denen im Volkspark "zu den Themen Cruising und Hasskriminalität aufgeklärt" werde. Das Überfalltelefon Maneo berichtet in seinem Report davon, vor Ort mehrere Aktionen teils mit der Polizei durchgeführt zu haben. Dabei habe Maneo auch auf seine Opferhilfe hingewiesen.

Der Maneo-Bericht hatte für 2025 insgesamt 723 Attacken auf queere Menschen und Einrichtungen gezählt (queer.de berichtete). Die Berliner Polizei registrierte 587 Fälle mit queerfeindlicher Motivation, darunter 109 Gewalttaten. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt haben eigene Ansprechpartner*innen für queere Menschen. (cw)

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